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Rhetorik Tipps - Rede halten

Hier erfahren Sie, wie Sie rhetorisch besser werden

 

Eine Rede muss die Zuhörer beeindrucken, oder sie aktivieren - möglichst beides

 

Die 10 schlimmsten Sünden gegen gute Rhetorik und Rede

  1. Die Redner drücken sich zu umständlich aus - das Publikum muss Energie aufwenden, um ihnen zu folgen
     
  2. Sie beenden die Rede, ohne das der Zuschauer weiss, was er ab morgen anders machen soll als bisher
     
  3. Der Redner redet zu allgemein, un-konkret und ohne Beispiele
     
  4. Die Redner wissen nicht, wie sie die Leute betroffen machen 
     
  5. Der Redner löst mit seinen Worten keine Bilder in den Köpfen des Publikums aus
     
  6. Sie erwähnen Argumente der Gegner ohne Notwendigkeit
     
  7. Sie haben Ihre Hände an der falschen Stelle
     
  8. Sie reden, wie sie schreiben: Sie formulieren hauptwortlastige Monster-Sätze
     
  9. Sie benutzen Passiv-Formulierungen
     
  10. Sie stellen echte Fragen ins Publikum

 

Hier die Fehler im Einzelnen und die notwendige Gegenstrategie

 

Drücken Sie sich einfach aus

Ihre Reden werden dann ankommen, wenn Sie sich einfach ausdrücken. 

Machen Sie abstrakte Zusammenhänge mit Bildern, einfachen Beispielen und konkreten Beschreibungen verständlich. Sprechen Sie so einfach, klar und dennoch treffend, daß auch einfache Gemüter Ihnen folgen können. Meiden Sie Fremdwörter so gut Sie können, Sie müssen nicht beweisen, daß Sie intelligent sind, Sie werden auch als intelligent wahrgenommen, wenn Sie sich ganz einfach ausdrücken...

Vermeiden Sie allgemeine, vage Ausdrücke wie "Das ist effizient", "das Produkt hat ein gutes Preis-Leistungsverhältnis", "Wir sind ein innovatives Unternehmen", "Transparenz wird bei uns grossgeschrieben", "Wir müssen das Silodenken abbauen" usw. Das ist Nebel. 

Werden Sie konkret. Formulieren Sie kurze Sätze, benutzen Sie keine akademischen Begriffe, sondern reden Sie anschaulich und bildhaft, damit im Bewusstsein des Zuhörers ein Bild entsteht.

 

Machen Sie klare Handlungs-Aufforderungen

Wenn Sie eine Überzeugungsrede halten - dass heisst, dass der Zuhörer etwas danach tun soll, was er vorher noch nicht getan hat - dann müssen Sie das gewünschte Verhalten auch aktiv ansprechen. Viele Redner tun das nicht. Sagen Sie klar und deutlich, was Sie wollen: "Ändern Sie Ihre Meinung" oder "Kaufen Sie ab morgen einheimische Produkte" oder "Wählen Sie bei der nächsten Wahl meine Partei". Eine guter Redner spricht klare Aussagen zum Handeln aus.

 

Rede halten: Bauen Sie rhetorische Fragen ein

Eine rhetorische Frage lässt ruckartig Aufmerksamkeit aufkommen. Beispiel: "Wollen Sie in einer Firma arbeiten, die in einen Skandal verwickelt ist?" Wichtig ist, danach eine Kunstpause einzulegen, damit die rhetorische Frage im Publikum nachschwingen kann. Hier ein extra Artikel über die rhetorische Frage

 

Stellen Sie keine echten Fragen, wo Sie eine Antwort vom Publikum erwarten

Ein Fehler, den viele machen, ist echte Fragen ins Publikum zu stellen. Beispiel. "Was glauben Sie, wie hoch ist der Schuldenberg in Deutschland?" Das ist nicht gut, denn Sie machen sich abhängig von der zufälligen Antwort, die Ihnen jemand aus dem Publikum zuwirft. Er kann Ihnen die Show stehlen und dann müssen Sie den Schaden entsorgen. Sagen Sie lieber: "Jetzt sag ich Ihnen, wie hoch der Schuldenstand in Deutschland ist..."

 

Rede halten: Benutzen Sie Metaphern / sprachliche Bilder

Wenn Sie ein sprachliches Bild / Metapher einbauen, dann geschieht sofortiges Verstehen und ein Handlungsschub wird im Publikum ausglelöst. Beispiel: "Sie wollen, dass wir Ihre Firma auf Grund von Unterlagen analysieren. Wir weigern uns. Unsere Methode, ist wie eine Mandarine zu schälen. In Mandarinen finden sich immer wieder unerwünschte Kerne. Es nützt nichts, die Mandarine von aussen gesamthaft anzuschauen -  Die Mandarine muss erst geschält und dann in jeder einzelnen Schnitten nach Kernen gesucht werden. Die Kerne sind die Problem-Zonen in Ihrer Firma. Um alle Probleme zu entdecken, muss man in jede Schnitte extrahieren und anschauen. Die Schnitten sind Ihre Abteilungen. Es gibt keine Gesamtuntersuchung von aussen, um Probleme zu entdecken. Wir müssen in die Firma rein, und Abteilung für Abteilung mit den Menschen reden und so entdecken wir Ihre Problem-Kerne"  

Hier ein extra Artikel über Metaphern


 

Rhetorik Tipp: Werden Sie konkret

Werden Sie konkret, konkret, konkret! Gehen Sie weg von allgemeinen Aussagen wie "Die Verringerung der Produktionszeiten bringt Kostenersparnis" "Verringerung der Produktionskosten" löst kein Bild im Kopf des Zuhörers aus. Das hat hat eine Wirkung, wie eine Schlaftablette. Benutzen Sie statt dessen, wo immer es möglich ist, Ziffern, statt allgemeiner Aussagen. Schauen Sie sich die zweite Variante an: 

"Wenn Sie unsere Massnahme einsetzen, dann werden Ihre Produktionskosten um 120'000 pro Jahr sinken. Das ist der Betrag, der dann mehr in Ihrer Gewinnkasse ist. " 

Wenn Sie wirklich im Reden halten besser werden wollen, dann kommen Sie um den Besuch eines Rhetorik Seminars nicht herum.
Beschreibung des legendären M. Pöhm Rhetorik Seminar

 

 

Rede halten: Wohin mit den Händen?

Es gibt eine eiserne Regel für die Hände beim Reden. Wenn Sie nicht gestikulieren (was immer das Ziel sein sollten) dann gilt: Die Hände sollen  in der Höhe des Bauchnabels locker zusammengehalten werden. Nicht hängend, nicht hinter dem Rücken, nicht in die Hosentasche. Hier ein extra Tipp, um das vor dem Spiegel zu üben: Rhetorik Übung: optimale Position der Hände finden

 

 

Rhetorik Tipp:  Gegenargumente nur dann erwähnen, wenn mehr als 50% der Zuhörer so denken

Oft stellt sich die Frage, ob man ein Gegenargument, das gegen mein Anliegen spricht, aktiv erwähnen soll? Hierfür gibt es eine klare Entscheidungsgrundlage. Stellen Sie sich die Frage: "Stellt sich bei mehr als 50% meiner Zuhörer diese Frage".

Beispiel: Sie gestalten eine Überzeugungsrede, um für den Bau einer Umgehungsstrasse bei Ihrer Gemeinde zu kämpfen. Jetzt stellen Sie sich die Frage "Soll ich darauf eingehen, dass die zwei Geschäfte im Dorf dann vielleicht weniger Umsatz machen?" --> Die Frage, die Sie sich stellen muss lauten:  "Stellt sich bei mehr als 50% meiner Zuhörer diese Frage?"

Im Fall Ihrer Gemeinde, wo es nur zwei Geschäftstreibende gibt, lautet die wahrscheinliche Antwort "Nein", also gehen Sie aktiv nicht darauf ein und warten auf eine eventuelle Zwischenfrage. Würden Sie die Frage allerdings mit "Ja" beantworten, dann würden Sie dieses Thema aktiv ansprechen und nicht auf eine Zwischenfrage warten.

 

 

Rhetorik Tipp: Reagieren Sie bei Zwischenfragen mit Schlagfertigkeit

Dieser Tipp ist einfacher gesagt, als getan. Zur Schlagfertigkeit habe ich einen extra Artikel verfasst. Lesen Sie hier. Alles zur Schlagfertigkeit

 

 

Rhetorik Tipp:  Benutzen Sie Tätigkeitswörter (Verben) statt Hauptwörter (Substantive) 

nicht: "Wir haben eine Einigung erzielt" - sondern: "Wir haben uns geeinigt"
nicht: "... ich verleihe meinem Bedauern Ausdruck ...." - sondern: "Ich bedaure ..."

keine "...Ung" - Wörter
"Verbale Kommunikation" hat zu tun mit dem Wort "Verb" (Tätigkeitswort). Verben animieren den Zuhörer. Verben sind die Seele des Satzes. Substantivierte Verben wirken spröde, holprig und ungenau. Wenn die Texte mit "gemacht" und "durchgeführt" gespickt sind, dann erscheinen diese "...ung-Wörter".
nicht:: "Die Durchführung der Aufführung des Theaterstückes erfolgte durch die Studenten." - sondern: "Die Studenten führten das Theaterstück auf".

Kein "Polizistendeutsch":
nicht: "Ich habe eine Annäherung unternommen..."
sondern: "Ich näherte mich..."
nicht: Der Mann hat die Aussage getätigt...
sondern: Der Mann hat ausgesagt...
nicht: Ich habe eine Verbringung des Mannes ins Revier gemacht.
sondern: Ich habe den Mann ins Revier gebracht.
(ob Polizisten ins Revier machen ist deren internes Problem).

 

 

Rede halten: Drücken Sie sich aktiv aus, nicht passiv!

nicht: "Es wird gebeten, Platz zu nehmen!" sondern: "Ich bitte Sie, nehmen Sie Platz!"

nicht: "Es wurde eben gesagt..." sondern: "Mein Vorredner hat eben gesagt..."

Wenn Sie ein schönes, treffendes Verb gefunden haben, sollten Sie es nicht durch eine Passivkonstruktion "vergewaltigen", denn Passivsätze machen eine Rede steif und langweilig.
nicht: "Die Ampel wurde von dem Autofahrer übersehen." sondern: "Der Autofahrer übersah die Ampel."
Der Satz in aktiver Form klingt viel flüssiger und benennt den "Täter"

 

Rede halten: Vermeiden Sie das Wort "machen"

nicht: "Sie werden die Erfahrung machen wie es ist..." sondern: "erfahren Sie selbst, wie es ist..."
nicht: "Machen Sie eine Reise nach Dresden!" sondern: "Reisen Sie nach Dresden!"

 

 

Rhetorik Tipp: Vermeiden Sie allgemeine Beschreibungen

nicht: "Wenn man von der Friedrichstraße aus vorgeht, steht da rechts vorne ein Haus, in der Straße ist..."
sondern: "Nach dem Bahnhof Friedrichstraße 300 Meter in Richtung Chausseestraße am Eckhaus rechts ist in der Querstraße...
Es gibt einen schönen bayerischen Witz:
Kommt ein Preuße nach München. Fragt auf dem Stachus einen Bayern: "Wenn ich die Straße da vor gehe, dann steht doch dort das Rathaus...?"
Sagt der Bayer: "Des steht auch dort, wenn'S net vorgehen..."
Beim Militär wird das alles "Zielansprache" genannt, diese muß möglichst exakt sein...

nicht: "... da lief mir ein Tier über den Weg."
sondern: "... ein Hund / ein Hase / ein Reh ..."

 

Rede halten: Vermeiden Sie Füllwörter / Worthülsen  so gut Sie können

Solche Füllwörter sind z.B.: "also", "eigentlich", "im Endeffekt", "einfach", "ganz", "halt", "immer", "sehr", "wirklich", "irgendwie", das ist "Kübelböck-Deutsch" und nicht elegant...

Fangen Sie Ihre Rede niemals an mit "Also..." oder "Nun..." oder "Tja..."!
Wenn Sie das Rednerpult erreicht haben schauen Sie sich Ihr Publikum erst einmal in aller Ruhe an. Dann atmen Sie tief durch. Dann können Sie das Wort "Also" oder "Nun" oder "Tja..." zwar denken, aber sprechen Sie es nicht aus. Atmen Sie lieber nochmal durch. Dann beginnen Sie zu reden.

Fangen Sie nicht jeden Satz oder Nebensatz mit "also" oder "nun" an, das verwirrt nur.
Das Wort "also" kann höchstens kausal verwendet werden:
"dies ist erstens so..., jenes ist zweitens so... also folgert daraus..."

Hier ein extra Artikel über Füllwörter und Worthülsen

 

Rhetorik Tipp: Vermeiden Sie überflüssige Konjunktive

nicht: "Könnten Sie sich vorstellen...?"
sondern: "Können Sie sich vorstellen...?"
Die direkte Rede und Anrede ist zwingender, sie motiviert und aktiviert stärker.

Dürfen Sie wirklich?
nicht: "Dürfte ich Sie einen Moment um Ihre Aufmerksamkeit bitten?"
sondern: "Ich bitte Sie um Ihre Aufmerksamkeit!"

Würden Sie?
nicht: "Ich würde meinen, daß der blaue Anzug Ihnen besser steht ..."
sondern: "Ich meine, der blaue Anzug ..."

Wer ist "man" ?
nicht: "Man kann aus diesem Vorfall Lehren ziehen." 
sondern: "Sie haben aus diesem Vorfall gelernt..."
oder: "Wir haben aus diesem Vorfall gelernt ..."

 

Rhetorik Tipp: Meiden Sie Modewörter 

Ausnahme: Wörtliche Rede:
"Echt Klasse!", sagte da mein Sohn, "da hätt’ ich wirklich Bock drauf!" - und so bin ich tatsächlich zum erstenmal in meinem Leben Schiffschaukel gefahren ... Wow!", hab’ ich hinterher gesagt, "einmal und nie wieder"...

Hier wirkt die Verwendung der Modewörter besonders lebensecht und kann sogar ruhig dick aufgetragen werden!
Fachbegriffe der Kommunikation sind keine Modewörter sondern Fachbegriffe.
Allerdings: "performance" (das heißt: Ablauf / Verrichtung / Leistung / Vollzug / Vortrag / Vorstellung / Aufführung / Leistung / Werk - was von dem allem ist damit gemeint?) und "strategy" ("Strätedschie") muß z.B. nicht sein, besser: Strategie, dieses Wort ist älter als die USA. Aber "timing" kann ich nicht übersetzen, Pullover und Overall auch nicht (das gibt es übrigens im Englischen gar nicht) und Handy versteht kein Engländer, klingt aber lustig und zutreffend ("...hän die koi Schnur meh?") ... 

 

 

Rede halten: Trainieren Sie mit Stegreifreden

Eine gute Methode, um seine Redefähgkeit und die Routine vor Publikum zu trainieren, ist es Stegreifreden im Freundekreis zu halten. Eine Stegreifrede ist eine spontan improvisierte Rede zu einem gegebenen Thema. Hier ein extra Artikel zu Stegreifreden.

 

 

Rhetorik Tipp: "Sie" statt "Ich" oder "man"

Vermeiden Sie "Ich", wenn Sie Handlungsschub erzielen wollen.  Reden Sie den Zuschauer direkt an. Sprechen Sie von "Sie" (bzw Ihnen). Natürlich dürfen Sie auch in der "Ich"-Form reden, wenn Sie etwas von sich erzählen. Über sich selbst zu sprechen, ist in Ordnung, aber wenn Sie zur Handlung aufrufen, dann sprechen Sie das Publikum besser direkt an.

Es gibt eine Hierarchie der Wirksamkeit in Formulierungen von Handlungsanweisungen. 3) Man 2) Ich 1) Sie

Ein Beispiel. Das drittwirksamste: "Man soll Menschen immer wieder auch mal verzeihen". Das zweitwirksamste "Ich verzeihe Menschen immer wieder". Das Wirksamste: "Verzeihen Sie Menschen immer wieder!"

Sprechen Sie Ihre Zuhörer direkt an, aktivieren Sie deren Denken. Nicht nur, dass sie dankbarer dafür sind, nein, es hat auch eine höhere Zuhörquote! - Der Redner soll kein Fremder sondern der Aussprecher der Gedanken des Publikums sein.

 

Stilbüten zur Geschlechtergerechten Sprache

Sammlung von berühmten Reden - Wie berühmte Redner eine Rede halten

 

 

Rede nicht Auswendiglernen

Eine Rede sollten Sie niemals auswendig lernen!

Viele spüren beim Begriff "auswendiglernen" immer noch eine Knute. Der Franzose kennt kein Wort für Auswendiglernen, wie wir. Er nennt das: "apprendre à coeur" - mit dem Herzen lernen. Das ist aber das Gegenteil, was eine Rede in Wahrheit beinhalten sollte. Wenn Sie es mit dem Herzen lernen und aus dem Herzen vortragen, dann sprechen Sie, wie es Ihnen Ihr Herz in dem Moment diktiert, das heisst, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das ist aber nicht "auswendig lernen"

Ja, eine Rede muß oft trainiert werden. Dann schleift sich der Ablauf ein. Es geht aber nur darum, dass man sich die Struktur der Rede einprägt, aber ansonsten frei formuliert. Es kann dabei nicht verhindert werden, dass sich gewisse Fomrulierungen immer wieder wiederholen. Das ist OK.

Allerdings! Es gibt in jeder Rede wichtige Schlüsselsätze, die in Ihrer Wirkung feinpoliert sind. DIE lernen Sie schon auswendig. Darunter zählt meist der Einstiegssatz und der Schlusssatz.

...übrigens sind Redenschreiber, meist keine guten Redner

 

Hier erfahren Sie Rhetorik Tipps von historischen Personen

 

Anmerkungen:
1*) Wenn dem Begriff "man" geschlechtergerecht ein Begriff "frau" entgegengesetzt wird, soll damit die Pascha-Hierarchie der letzten Jahrtausende zurecht angegriffen werden. Es ist dies jedoch eine Sprachverhunzung, die auf einem Mißverständnis aufbaut, das vorwiegend Männer geschaffen haben, die "man" mit "Mann" verwechselt haben (was "man" tut, ist, was Männer tun). Diese sprachverhunzende Formulierung: "frau weiß doch" ist Parteichinesisch und wirkt außerhalb der Partei höchstens anbiedernd. Oft klingt es auch deswegen hohl, weil es inzwischen wie ein Ritus vollzogen wird, weil die tiefere Absicht darin nicht mehr erkannt wird sondern das "frau" nur ausgeplappert wird. Zwar gewinnt dieses "frau" vielleicht die Anhänger einer solchen Praxis. Anhänger sind aber doch bereits Anhänger, sie müssen nicht erst überzeugt werden. Die Gegner müssen vielmehr gewonnen werden, die werden aber eher gewonnen, wenn nicht immer wieder auf "frau" rumgehackt, Gegner werden durch eine solche Diktion eher abgeschreckt wenn nicht gar ausgegrenzt, ich muß aber gerade meine Gegner überzeugen. Die Diktion "frau" ist ebenso wie "man" schlechte Rhetorik. Auch ist jedwede Form von Parteichinesisch keine gute Rhetorik, auch nicht innerhalb einer Partei. Siehe geschlechtergerechte Sprache
Oder gar diese entsetzliche Wortschöpfung  "Mitgliederin" (Beschluß des Landesvorstandes der ÖTV Berlin): wer in dem Begriff  "das Mitglied" (Neutrum) etwas maskulin bestimmtes sieht, ist dem Begriff  "Glied" erlegen und handelt somit im Kern sexistisch (hier: gegen Männer) - die weibliche Form des Gliedes ist nunmal nicht die  "Gliederin", weil das Glied als Geschlechtsteil von der Natur völlig anders gestaltet ist und somit anders genannt wird. Die meisten Männer fühlen sich bei sexistischer Anmache übrigens ziemlich wohl, stehen gar darauf, ist doch ihre Potenz angesprochen, grinsen dabei verständnisinnig. Wilhelm Reich analysierte, daß gesellschaftliche Unterdrückung immer erst sexuelle Unterdrückung ist. Sexismus ist im Prinzip immer nur gegen Frauen gerichtet. Mit der Formulierung  "Mitgliederin" schlägt also ein vielleicht positiv gemeinter Ansatz um hundertachtzig Grad gewendet eben gegen die Weiblichkeit selbst zurück: das Bemühen, im gesellschaftlichen Bewußtsein eine Änderung herbeizuführen, wird durch derlei Auswüchse geradezu ad absurdum geführt.

 

2*) Es gibt das verallgemeinernde ‘du’: "du denkst, dich tritt ein Pferd ...". - In dieser Form gilt für das ‘du’ dasselbe wie für das ‘man’, in einer guten Rhetorik sollte es vermieden werden (es sei denn als Zitat siehe Punkt 9).
Es gibt auch das ‘du’ unter Freunden, Genossen (z. B. in der SPD), in Clubs oder Freundschaftszirkeln. Wo das Duzen üblich ist und man ‘unter sich’ ist (auch wenn die Öffentlichkeit zuhört, jedoch nicht teilnimmt), kann und sollte man selbstverständlich duzen. Ansonsten jedoch wirkt das ‘Du’ eher anbiedernd, ist das Siezen höflicher und wirkungsvoller, da es alle miteinbezieht, auch Nichtgenossen, Nichtfreunde und die Gegner des Duzens. (Ich selbst bin ein Freund des Duzens, habe aber viele Freunde, mit denen ich mich genauso gut sieze.)

 

Letztes Update 19. Februar 2017