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Die Gestik in der Rhetorik - Geste und Gesten

Eine Rede, die als Text vorliegt, macht nur ca 30% der Wirkung aus. Das werden Sie nicht glauben, aber das ist die überprüfbare Wahrheit. Wenn Sie eine Rede haben und jemand weiss, wie er Gestik einsetzen muss und dem jemand gegenüeberstellen, der von beiden keine Ahnung hat, dann erleben Sie, was Gesten und Intonation für eine fulminante Wichtigkeit hat. 

Zunächst ewas zur Mimik: Unterlassen Sie jegliche Mimik beim Reden. Es wirkt immer verschlechternd und raubt die Wirkung. 

Anders ist es mit der Gestik. Die Gestik ist ein elementares Mittel um Glaubhaftigkeit, Meinungsführerschaft und Charisma auszulösen. Mit den richtigen Gesten bekommen Sie eine identsiche Botschaft von einer Wirkung 20 auf eine Wirkung 100. 

 

Stehende Geste

Der Trick besteht in der "stehende Geste" - damit erreichen Sie, dass Ihre Botschaft vom Bewussten ins Unterbewusste Ihres Publikums transportiert wird. Ihrer Botschaft wird plötzlich geglaubt!

Eine Geste muss 2 bis 3 Sekunden in die danach entstehende Pause stabil aufrecht erhalten werden, sonst glaubt das Unterbewusstsein nicht.

 

 

»Ein Mensch, der einen Fisch verkauft, zeigt unter anderem den Verkaufsgestus. Ein Mann, der sein Testament schreibt, eine Frau, die einen Mann anlockt, ein Polizist, der einen Mann prügelt, ein Mann, der zehn andere Männer ausbezahlt - in all dem steckt sozialer Gestus. Ein Mann, seinen Gott anrufend, wird bei dieser Definition erst ein Gestus, wenn dies im Hinblick auf andere geschieht oder in einem Zusammenhang, wo eben Beziehungen von Menschen zu Menschen auftauchen.«

Ein Gestus kann allein in Worten niedergelegt werden, im rein Auditiven, nur akustisch Hörbaren (z.B. im Radio oder auf Tonträger) erscheinen; dann sind visuelle Elemente wie bestimmte ehemalige Gestik und Mimik in diese Worte eingegangen und leicht herauszulesen (eine demütige Verbeugung, ein Auf-die-Schulter-Klopfen).

Andererseits können (in Stummfilmen zu sehen) Gesten und Mimik oder (im Schattenspiel) nur Gesten auch Worte beinhalten. Worte können durch andere Worte ersetzt, Gesten durch andere Gesten ersetzt werden, ohne daß sich dadurch der Gestus ändert. Im Schaattenspiel gibt es aber keine Mimik und keine "Gestik", höchstens "Gesten". Im Stummfilm war durch den Wegfall der gehörten Sprache eine übertriebene Gestik üblich. Wenn Sie dies allerdings als Redner nachmachen wirken Sie wie ein alter Stummfilmstar. Beispiele dieser Unsitte sind bei manchen Politikern (mein Paradebeispiel ist der ehem. Verkehrsminister Matthias Wissmann, CDU, der immer sehr bedeutungsvoll mit den Augen rollte und brav geführte Bewegungen und Gesten ausführte) immer noch zu beobachten, allerdings waren die meisten von ihnen nach vier Jahren plötzlich weg vom Fenster, keiner wußte so richtig warum. Wir wissen jetzt: es lag an der Mimik und Gestik...

Wenn ich vom ‘Gestus in der Rede’ spreche, so verstehe ich darunter meine wesentliche (also im Zusammenhang mit meinem Wesen stehende) innere Grundhaltung zu dem, worüber ich spreche, eine nach außen, auf den Zuhörer (z.B. im Radio) oder das Publikum (z.B. bei Veranstaltungen, wo der Redner auch visuelle Wirkung hat oder im Fernsehen) gehende Haltung, die meine persönliche Funktion gegenüber der von mir geäußerten Meinung sichtbar bzw. hörbar, herauslesbar macht.

 

Einstudierte Gesten und Mimiken wirken aufgesetzt. Wenn ich den richtigen Gestus habe zu dem, worüber meine Rede geht, entstehen Mimik und Gestik, Tonfall und andere "Regieanweisungen" von innen (aus meinem Gestus) heraus, d.h. von allein, sofern ich "es aus mir sprechen" lasse. Insofern übertrage ich auch die Stanislawski’sche Theatererfahrung: "es spielt aus mir..." auf die Rhetorik: "es spricht aus mir...". Es ist dies nur eine konsequente Weiterführung des Kleist’schen Gedankens: "Reden ist lautes Denken" auf die theatralischen Wirkungsmöglichkeiten, die auch ein Redner nutzen kann. Friedrich Naumann nennt diesen notwendigen vorbereitenden Prozeß: "... ganz in die entsprechende Sache eintauchen ..." -

 

Entsprechend dem Brecht’schen Verständnis ist Voraussetzung für die Entstehung des Gestus, daß es vor Menschen geschieht, mit dem Auditorium, Publikum, nicht im stillen Kämmerlein. Dort kann man zwar - sich noch vorbereitend - in die Sache ganz eintauchen, jedoch entsteht der Gestus in der Rede wie die ganze Rede überhaupt erst mit und vor dem Publikum, vor Auditorium, vor hörend oder sehend mitbeteiligten Menschen, oder wie Friedrich Naumann es ausdrückt: vor den "hörend Mitredenden".

siehe dazu im Gegensatz: Gestik verrät die Grundhaltung

 


Gesten in der Rhetorik und Ihre Bedeutung

Das bedeuten die Folgenden Gesten

Dominanz:

Barack Obama: Den Gegenüber von oben väterlich an der Schulter fassen = Ich bin hier der informelle Führer. Das bringt dem anderen in die Rolle des "Geführten"

Dominanz Gesten beim Reden

  • die dominante Faust
  • der dominante Daumen
  • der Zeigefinger (Belehrungsfinger)
  • der Stechfinger
  • das Niederstechen
  • der Pistolenfinger
  • das Zerhackstückeln mit beiden Händen
  • das Dirigieren

Unterlegenheit:

  • das Kratzen am Hals
  • das Berühren der Nase
  • das Streichen über das Gesicht
  • Die Hände betend verschränkt vor sich haltend
  • das Umfassen der eigenen Schultern

 

Ablehnung

  • das Verschränken der Arme (Aber nur in Zusammenhang mit anderen ablehnenden Gesten)
  • Blick zur Seite wenden, während der andere spricht
  • verneinend den Kopf schüttlen

 

Ende Artikel über Gestik und Geste

 

Letztes Update: 23. Dezemebr 2016