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Füllwörter in der Rede

Einfache Sprache - vermeinden Sie Füllwörter

Man kann etwas einfach sagen, man kann es aber auch einfach sagen.

In der Umgangssprache, genau wie beim Reden vor Publikum benutzen viele Füllwörter, Worthülsen und Weichmacher. Man nennt das auch Sprachmarotten. Wenn jemand einen Redenschreiber engagiert, so werden im Text  im Normalfall keine Füllwörter vorkommen, aber ein normaler Redner ist immer dieser Gefahr ausgesetzt. Füllwörter entwerten Ihre Rede, nehmen Spannung heraus und machen sie zu einem unverbindlichen Wortbrei. Hier finden Sie Beispiele.

 

Die Füllwörter in der Sprache - Worthülsen und Weichmacher

Oft wird in die Sprache ein Wort eingefügt, das nichts bedeutet und nur abschwächen, weichmachen soll, nämlich das Wort einfach. Dieses Wort ist ein Weichmacher, es soll abschwächen, daß etwas wirklich so gemeint ist, wie es gesagt wird. Die unterbewusste Befürchtung ist, das es vom Gesprächspartner ansonsten als aggressiv empfunden wird. Aber wenn einer etwas nicht so meint wie er es sagt, dann sollte er doch besser "einfach" nicht sagen, anstatt seine Mitmenschen mit unverbindlichen Worthülsen zu füttern.

 

Das Wort "einfach" ist ein Füllwort

In der gesprochenen Alltagssprache ist eine Sprechweise tolerierbar, die beim Reden vor Publikum aber unbeholfen und un-suverän wirkt. "Ich muß doch einfach mal sagen, daß einfach vieles einfach viel zu lange dauert und einfach auch kürzer dauern könnte, sag ich einfach mal...." Diese Unsitte sieht man nicht nur im Dialog auf der Strasse,  sondern auch in Kreisen von Journalisten, Reportern, sogar bei Managern.

Dieses "einfach" ist ein Weichmacher und entwertet Ihre Aussage.

Schauen Sie, wie es klingt, wenn wir es weglassen: "Ich muß doch mal sagen, daß vieles viel zu lange dauert und auch kürzer dauern könnte...."

Mit dem Weglassen von "einfach" ist aber nicht das einfach im Sinn von "simpel" gemeint. Beispiel einer korrekten Anwendung: "EIne einache Sprache ist eine gute Sprache" Das kann natürlich stehen bleiben.

 


Liste der Füllwörter und Weichmacher 

Folgende Ausdrücke sind Leerformeln und entwerten Ihre Aussagen:

"irgendwie"                 - Beispiel: "Er kam zur Tür herein ich hatte irgendwie ein komisches Gefühl"

"an und für sich"         - Beispiel: "Zu Joggen anzufangen ist an und für sich eine gute Entscheidung"

"halt"                           - Beispiel: "Der Vorschlag vom Kunden war halt unwiderstehlich"

"ganz"                         - Beispiel: "Der Rucksack war so schwer, der Mann ist unter der Last ganz zusammengerochen"

"sehr"                          - Beispiel: "Ich mag das sehr"

"wirklich"                     - Beispiel: "Das Konzert war wirklich klasse!"

"und so weiter"             - Beispiel: "Es kamen ein paar Flüchtlinge und so weiter"

"eindeutig"                  - Beispiel: "Das war eindeutig zu viel"

"im Endeffekt"            - Beispiel: "Das ist im Endeffekt nicht tragbar"

"hier                        - Beispiel: "Das müssen wir hier in unserer Firma nicht einführen"

"eigentlich"                - Beispiel: "Mir wurde eigentlich ganz übel"

Das Wort "eigentlich" ist wohl eines der am weitest verbreiteten Weichmacher im deutschsprachigen Raum. Bei der SAT 1 Show "The Voice of Germany" sagte der Kandidat Robin Resch, der das Finale erreichte: "Voice of Germany ist eigentlich mein grösstes Erlebnis bisher".

"...eigentlich mein grösstes Erlebnis..."

 

 

Eine besonders in Berlin häufig vorzufindender Weichmacher ist "Sag ich mal..." oder "Sag ick mal..." Beispiel: "Die Kanzlerin, hat das aber toll abgebügelt, sag ich mal..."

In Wien hören Sie oft ein "sozusagen". "Der Taxifahrer war sozusagen betrunken"

In der Schweiz ist das am Satzende angefügte "Oddrr..." eine häufig gehörte Sprachmarotte. "Das war jetzt aber gut, oddrr."

Was in allen deutschsprachigen Ländern zu hören ist, ist der Füllsatz: "Was soll ich sagen?": Was soll ich sagen, Weihnachten ist halt immer viel los"

Lassen Sie diese Füllwörter weg, denn sie schwächen Ihre Aussage ab und machen sie unverbindlich. Wenn Sie was zu sagen haben dann sagen Sie es direkt, nicht abgeschwächt, nicht eingepackt in Verlegenheitswörter!

 

 

Füllsätze - "Ich denke...", "ich finde....", "ich bin der Meinung..."

Stellen Sie sich vor, ihr Partner sagt Ihnen bei der Hochzeit "Ich denke, dass ich dich liebe ..." 

Schmeissen, Sie ihn raus!  Denn Sie wissen instinktiv: da steht nichts Wirkliches dahinter . "Ich denke...", "ich finde...", ich bin der Meinung..." sind Weichmacher erster Güte. Das gilt für jeden Satz, den Sie mit diesen Konstruktionen formulieren. Verbannen Sie sie aus Ihrer Sprache.

 

Füllwörter - überflüssige Konjunktion

Füllwörter und Worhülsen sind Modalpartikeln, die in der Rede (und im Dialog) die eigene Befindlichkeit ausdrücken.  Dazu zählen überflüssige Konjunktionen wie z.B.: aber, auch, nun, dann, doch, wohl, allerdings, eigentlich, ganz, halt, einfach, im Endeffekt usw.

Wörter wie "einfach" und "sehr" und "ganz" sind meist völlig überflüssig, sie bedeuten garnichts. 

 

"Aber" kann ein Füllwort sein - Im Dialog


Nehmen wir folgende Situation an: es ist Sonntagmorgen um 11 Uhr, ich will kochen, mir fehlt Salz. Ich gehe zur Nachbarin, um welches zu erbitten. Ein Erwachsener sagt nun typischerweise: "Entschuldigung Frau Meier, aber könnten Sie mir vielleicht ein bißchen Salz leihen?"

Der obige Satz beinhaltet ein "aber": Die Bedeutung ist: Es tut mir leid, daß ich Sie störe, aber es mußte sein, da ich unbedingt Salz brauche. Es ist quasi eine zweite Entschuldigung.

Sie können das aber ersatzlos streichen, nichts geht verloren, im Gegenteil, der Satz gewinnt: "Entschuldigung Frau Meier, könnten Sie mir vielleicht ein bißchen Salz leihen?"

Auch das "vielleicht" hat dieselbe Abschwäch-Funktion, es woll die Aussage weich machen, besser verdaulich. Lassen wir es einmal weg: "Entschuldigung, Frau Meier, könnten Sie mir ein bißchen Salz leihen?"

Dann ist dann noch ein "ein bißchen" im Satz drin. Schauen wir, ob die Revolution ausbrechen würde, wenn ich auch dieses Füllwort weglasse: "Entschuldigung, Frau Meier, könnten Sie mir Salz leihen?"

Zu guter letzt haben wir noch einen Konjunktiv "könnten" im Satz, auch der soll abschwächen (Weichmachen) für den Fall, daß meiner Bitte nicht entsprochen werden kann. Lassen wir auch noch den weg. "Entschuldigung, Frau Meier, können Sie mir Salz leihen?"

Nichts geht an Bedeutung verloren, aber Sie haben Klarheit in der Aussage bekommen. Es klingt weder schroff, noch unhöflich. Aber mit mehr Selbstwert.

 

 

Füllwörter - Lassen Sie Konjunktiv Formulierungen weg

Ein schlechtes Beispiel ist auch: ".. ich würde meinen..."; besser: "Ich meine...". Denn wenn ich eine Meinung habe, muß ich dazu offen stehen und sollte die Tatsache, diese Meinung zu haben und andere davon überzeugen zu wollen, sie ebenfalls zu haben, nicht entschuldigend im Konjunktiv verstecken. (Siehe 10 Tips zum guten Redestil!)

"Ich würde meinen, dass das ganz schön schwierig ist" 

Die erste Verbesserung hin zur klaren Sprache ist: "Ich meine, dass das besser ist".

Noch stärker wird es, wenn Sie gar nichts einleiten. Sagen Sie einfach: "Das ist besser!"

 

Benutzen Sie in Ihrer Rede keine allgemeinen Füllwörter, keine überflüssigen Konjunktionen und keine Weichmacher wie "insgesamt", "weniger", "einschließlich", "einfach", "absehbar", "halt", "irgendwie", "also", "wirklich", "ganz", "hier" usw. sondern reden Sie direkt.

Vermeiden Sie eine "Infinitiv-Präsenz" wie "kreuzende", "einschneidende", "auftretende", "erscheinende", "vorkommende" usw., dies klingt angeberisch und soll andeuten, daß der Redner die deutsche Sprache gut beherrscht. Benutzen Sie Tätigkeitswörter (Verben), damit können Sie Ihr Publikum besser zum Mitdenken animieren. "Die kreuzende Verkehrsstrasse" wird zu "Zwei Strassen kreuzen sich"

In der Alltagsprache, Z.B. im Smalltalk mit Ihrer Nachbarin, da brauchen Sie nicht gar so streng auf die Vermeidung von Füllwörtern zu achten. Trotzdem achten Sie auch in Ihren Dialogen darauf, möglichst ohne Füllwörter zu sprechen, denn sonst verinnerlicht sich die klare Art des Sprechens nicht bei Ihnen. In einer Rede jedoch, sollten Sie sehr streng mit Worthülsen, Leerformeln, Füllwörtern und Konjunktonen umgehen. Dort lassen Sie sie zu 90% weg. Was auch hilft, ist der Besuch eines guten Rhetorik Seminars, denn dort macht Sie der Rhetorik Trainer sofort darauf aufmerksam.

 

Sammlung von Begriffen, die für Füllwörter und für unkonkretes und unverständliches Reden benutzt werden:

Phrasen (5'400)

Floskeln (9'900)

Füllwörter (1'600)

Amtssprache (1000)

Denglisch (6'600)

Denglish (720)

Beamtendeutsch (590)

Worthülsen (260)

Modewörter (260)

Amtsdeutsch (260)

Juristendeutsch (260)

Verwaltungssprache (110)

Behördendeutsch (110)

Beamtensprache (90)

Behördensprache (70)

Verwaltungsdeutsch (30)

Reden ohne etwas zu sagen (30)

Weichmacher Sprache (10)

Sprachmarotten

Leerformeln

Behörden Aussagen

Akademiker Aussagen

schwammige Aussagen

inhaltslose Aussagen

unkonkrete Aussagen

Null-Aussagen

Plastik-Aussagen

hohle Aussagen

Behörden Begriffe

Akademiker Begriffe

schwammige Begriffe

inhaltslose Begriffe

unkonkrete Begriffe

Null-Begriffe

Plastik-Begriffe

hohle Begriffe

Behörden Worte

Akademiker Worte

schwammige Worte

inhaltslose Worte

unkonkrete Worte

Null-Worte

Plastik-Worte

hohle Worte

Behörden Ausdrücke

Akademiker Ausdrücke

schwammige Ausdrücke

inhaltslose Ausdrücke

unkonkrete Ausdrücke

Null-Ausdrücke

Plastik-Ausdrücke

hohle Ausdrücke

Behörden Formulierungen

Akademiker Formulierungen

schwammige Formulierungen

inhaltslose Formulierungen

unkonkrete Formulierungen

Null-Formulierungen

Plastik-Formulierungen

hohle Formulierungen

Behörden Sätze

Akademiker Sätze

schwammige Sätze

inhaltslose Sätze

unkonkrete Sätze

Null-Sätze

Plastik-Sätze

hohle Sätze

Behörden Phrasen

Akademiker Phrasen

schwammige Phrasen

inhaltslose Phrasen

unkonkrete Phrasen

Null-Phrasen

Plastik-Phrasen

hohle Phrasen

Behörden Floskeln

Akademiker Floskeln

schwammige Floskeln

inhaltslose Floskeln

unkonkrete Floskeln

Null-Floskeln

Plastik-Floskeln

hohle Floskeln

Branchenslang

Akademikerdeutsch

Juristensprache

Akademikersprache

Wischi waschi Aussagen

Strohdrescher

 

Letztes Update: 16. Januar  2017