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Polemik

Definition von Polemik.

Heute wird unter Polemik eine unsachliche, überspitzte Formulierung (Aussage) verstanden, die den Gegner verunglimpft. Polemik ist unsachliches, überzogenes argumentieren. Im Ursprung bedeutete die Polemik etwas anderes.

 

Bedeutung und Ursprung der Polemik

Unter Polemik verstand man früher eine scharfe, oftmals unsachlicher Meinungsauseinandersetzung zwischen Gelehrten. Zwei unterschiedliche Ansichten zu einem Thema wurden in einem Vor und Zurück streitbar diskutiert. Dabei ging der Widerstreit über eine längere Dauer, war oft persönlich eingefärbt und ging meist in schriftlicher Form. So  eine Polemik ist beispielsweise zwischen dem Philosophen Hegel und Schelling überliefert. Eine Polemik  konnte zwischen Philosophen, zwischen Wissenschaftlern, zwischen Politikern oder zwischen Theologen stattfinden. 

Polemik war ursprünglich also eine Streitschrift, ein wissenschaftlicher, philosophischer Streit, zwischen Gelehrten (gr. polemos = Krieg). Häufig finden wir Polemiken in der Theologie, wo naturgegeben der Glauben eine objektive, wissenschaftliche Argumentationsweise gar nicht zulässt. Hier sind tausende von Schriften überliefert, die die dogmatische Anschauungen anderer christlicher Konfessionen polemisch angreifen. 

Dagegen versteht man heutzutage unter Polemik nur einen Anteil einer Rede, oder gar eine Aussage, die im unsachlichen Ton gehalten ist. Polemisieren heißt: eine Ansicht pointiert bekämpfen. Polemik versucht den Gegner in der Diskussion in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen oder macht ihn gar lächerlich. Wer Polemik einsetzt, sucht keinen Konsens sondern will Recht behalten. Aber so wie damals, ist Polemik auch heute überspitzt und beharrt unversöhnlich auf der eigenen Meinung. Wenn man sagt, "ich will nicht polemisieren", so bedeutet das: ich will versöhnlich argumentieren, eine Brücke bauen, ein Angebot zur Einigung machen.
 
 
 
Bedeutung polemischer Aussagen

 

Polemik Beispiel:

"Donald Trump würde am liebsten um ganz Amerika rundherum eine Mauer bauen."

Dies ist eine überspitzte polemische Aussage, die die Tatsache des Mauerbaus zu Mexiko, inklusive seiner ganzen Angst vor Muslimen und dem Protektionismus zusammen auf eine pointierte Aussage bringt. 

 

Polemik Beispiel: 

Marcel Reich Ranicki, der Literaturkritiker sagte einmal: "Ihr Redenschreiber betreibt ein fieses Geschäft, ihr macht geistige Prostitution für die korrupte Klasse der Politiker." Auch diese Aussage ist ein Beispiel für Polemik.

 

Beispiel für Polemik: 

Ein weiteres Beispiel für eine polemische Aussage

"Diese wahllose Behauptung von Muni, ist von erleuchteter Erkenntnis so weit entfernt, wie die Erde vom Mars"

 

Beispiel für Polemik: 

"Solange der gewaltsame Missbrauch der Macht noch mit dem Etikett "Staatsraison" beklebt wird, bleibt das Parteivolk wie eine müde Herde von Kühen im Stall stehen"

 

Polemik Beispiel: 

Polemik des Türkischen Präsident Erdogan während seines Wahlkampfs: "Ich habe gedacht, der Nationalsozialismus in Deutschland ist vorbei, aber er geht noch immer weiter."
Erdogan ist auch für seine Demagogie bekannt.

 

 

Polemik und Politik

Polemik ist häufig in der Politik gebräuchlich. Vor allem zu Wahlkampfzeiten. Donald Trump sagte in einer Wahlrede über die Mexikanischen Einwanderer: "Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität mit sich. Sie sind Vergewaltiger."  Das ist Polemik.
Zu Wahlkampfzeiten werden, mehr als das eigene Parteiprogramm zu verteidigen, oft die Fehler und Fehlentscheidungen des politischen Gegners polemisch auf's Korn genommen. 

 

Hier ein polemischer Auszug aus einer Rede vom ehemaligen AfD Vorsitzenden Bernd Lucke:

Das Waldsterben, die Nato-Nachrüstung, der Klimawandel, der Zusammenbruch des Euro – wir müssten eigentlich von einer Katastrophe zur nächsten wanken. Das meiste aber hat sich als völlig überzogen herausgestellt, als bloße Schauergeschichte und Lügenmärchen, mit dem die Unwissenden eingeschüchtert und der Herrschaftsanpruch der Alternativlosigkeit. 

 

Oder eine Polemik an anderer Stelle: 

Aber wider besseres Wissen wurde im Bundestagswahlkampf die Öffentlichkeit betrogen und der von Frau Merkel unterzeichnete Koalitionsvertrag hielt die Täuschung aufrecht! Frau Merkel, Vertrauen ist alles in der Politik! Sie sind unseres Vertrauens nicht würdig! Frau Merkel, Sie haben sich für Ihr Amt disqualifiziert!

 

Oder eine Polemik an anderer Stelle:

Frau Merkel weigert sich, dem Deutschen Bundestag eine Untersuchung des NSA-Spionageskandals zu ermöglichen. Statt dessen sollen die gewählten Volksvertreter durch einen von der Regierung ernannten Bevollmächtigten umgangen werden. Ja, geht’s noch?! Das ist ja so, als übertrage man Sepp Blatter die Aufklärung des FIFA-Skandals!

 

 

Meine persönliche Meinung zur Polemik

Polemik ist, meiner Meinung nach, in einigen Punkten sinnvoll, wenn es z.B. darum geht, einer Meinung mehr rhetorische Gewichtung zu geben. 

Wenn man Falschheiten, Ungereimtheiten, Irrtümer, Widersprüche des Gegners plakativ ins Bewusstsein heben will, ist Polemik sicher wirksamer, als sachliches Argumentieren. Es ist ein Unterschied ob ich sage: "Ihre Aussage ist lediglich eine Behauptung, es gibt keine Beweise dafür" oder aber ich benutze eine Polemik und sage: "Ihre Aussage hat mit der Wahrheit so viel gemeinsam, wie Donald Trump mit echter Bescheidenheit"

Das hält aber jeder so wie er will.

 

 

Hier ein Beispiel-Satz indem das Wort "Polemik" benutzt wird

"Herr Präsident, ich gehe nicht auf deutsche Polemik ein, sondern wünsche der dänischen Präsidentschaft viel Glück."

oder

"Luthers Polemik gegen das feierliche Meßopfer taugt also keinesfalls als Begründung für innerkatholische Liturgiereformen – "
 
 

siehe auch: Definition: Große Polemiker...

siehe auch "Instanz" in: Eristische Dialektik
siehe auch: Sprüche zum Nachdenken

 

Rhetorik 
 
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Letztes Update: 9. März 2018