microphonelogo
net

Ästhetik

 

Ästhetik ist die Wissenschaft von den Gesetzen der Kunst, besonders vom Schönen. Ästhetik verfeinert. Dagegen bedeutet "Ästhetizismus" eine einseitig die Ästhetik betonende Lebenshaltung, zu "ästhetisieren" wird in der Kunst abgelehnt, weil dies eine einseitig nur nach dem Schönen urteilende und gestaltende Kunst ergäbe.

Die Einschränkung der Ästethik auf die Theorie der Künste widerspricht der Auffassung, der zufolge unsere Sinnlichkeit wesentlich praktisch menschlich-sinnliche Tätigkeit ist. (Marx, These 5, 9 über FEUERBACH) Zur Ästhetik in der Rede:
Sofern Ästhetik in der Rede eingesetzt wird, kann dies immer nur auf ganz persönliche Weise geschehen. Die Sinnlichkeit des Auditoriums anzusprechen kann aber sehr wirkungsvoll sein und darf nicht unterschätzt werden, sofern dahinter die gestalterische Persönlichkeit des Redners steht: dieses Phänomen fasse ich - neben anderen Faktoren der Persönlichkeit - unter dem Begriff einer 'persönlichen Rhetorik', einer von der kreativen Persönlichkeit des Redners bestimmten Rhetorik, zu welcher eben auch die gestalterischen und persönlichen Fähigkeiten gehören.

Wir wissen: dies oder jenes Argument überzeugt mich zwar weniger, jedoch, wenn es gut und ästhetisch formuliert ist, macht es mir sinnliche Freude, zuzuhören und somit geneigt, dem gegnerischen Argument soviel wie möglich abzugewinnen. Insofern besitzt eine Ästhetik in der Rede zwar noch immer keinen Eigenwert, zeitigt aber positive rhetorische Wirkung, die ein Rhetoriker nicht vernachlässigen darf, nämlich den Aspekt des Sinnlichen. Ästhetik hat einerseits mit sinnlichem Erfahren zu tun und andrerseits mit Geschmack. Ästhetik ist jedoch keine Geschmacksfrage sondern die Lehre von der Sinneserkenntnis, bei Kant besonders die Lehre von Raum und Zeit als Formen der Sinneserkenntnis (transzendentale Ästhetik). Die Sinnlichkeit behält auch in den Kommunikationswissenschaften ihren Stellenwert, schließlich ist kein Mensch ohne Sinne und ohne sinnliche Ansprechbarkeit denkbar. Der Geschmack ist bekanntlich persönlich, subjektiv. Meine Ablehnung stilistischer Rezepte ist auch die Ablehnung einer falsch verstandenen Ästhetik im Sinn von "Geschmäcklertum" und Ästhetizismus. Ästhetik ist nicht "Geschmäcklertum" sondern ist die Lehre von Wesen und Erscheinungsformen des Schönen und Häßlichen in Natur und Künsten; als Wesenslehre ein Teilgebiet der Philosophie, als Lehre von den ästhetischen Erscheinungen in neuerer Zeit oft als empirische Wissenschaft verstanden. Die normative Ästhetik wird heute meist abgelehnt. Besondere Bedeutung besitzen die Ästhetik der Dichtkunst (Poesie) und mehr und mehr der Musik (Musikästhetik). Zur Ästhetik gehört auch die Lehre von den Geschmacksurteilen und vom ästhetischen Erleben (psychologische Ästhetik). In der Schlagfertigkeit ist die Diskussion um Ästhetik nicht relevant.

Es bleibt jedoch die psychologische Wirkung des Sinnlichen bestehen. Mein Mißtrauen gegenüber vorgefertigten Stilistiken und ebenso gegenüber einem etwa übergeordneten Eigenwert von Ästhetik - Stichwort: Ausdruckstheorie - läßt somit höchstens eine persönlichkeitsbestimmte Ästhetik übrig mit allen Gefahren von Geschmacksurteilen. Sofern Ästhetik in der Rede also eingesetzt wird, kann dies immer nur auf persönliches Risiko geschehen. Die Sinnlichkeit des Auditoriums anzusprechen kann aber sehr wirkungsvoll sein und darf nicht unterschätzt werden, sofern dahinter die gestalterische Persönlichkeit des Redners steht: dieses Phänomen fasse ich - neben anderen Faktoren der Persönlichkeit - unter dem Begriff einer 'persönlichen Rhetorik', einer von der kreativen Persönlichkeit des Redners bestimmten Rhetorik, zu welcher eben auch die Sinnlichkeit und die gestalterischen und persönlichen Fähigkeiten gehören. - Auf meine Frage als Kind, was einmal aus mir werden solle, hat meine Mutter zu mir gesagt: "Werde was Du bist".

Dieses wurde eines meiner wichtigsten Lebensprinzipien.

Siehe auch:
Redestil

Ästethik in der Rhetorik
Stilistik in der Rhetorik


Rhetorik
 
Letztes Update: 18. März 2017