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Rhetorik: Kantianismus

 

Unter Kantianismus versteht man die von der Philosophie Kants im engeren Sinn ausgehenden philosophischen Richtungen. Die von F. H. Jacobi zuerst erkannte Schwierigkeit in dem Begriff des »Ding an sich« und seiner transzendenten Einwirkung, also der Objektivität einer angeblich subjektiven Kausalität, versuchten K. L. Reinhold, S. Maimon und S. Beck zu beheben. Dieser frühe Kantianismus zeigt das Hindrängen der Lehre zu einem absoluten Idealismus, an welcher Stelle sie Fichte aufnahm, dem K. ausdrücklich widersprach. Fr. Schiller erwies sich in seinen ästhetschen Schriften und Definitionen, in seiner Geschichtsphilosophie und in der Hinführung des ästhetischen Ideals auf den Menschen als Kantianer, wesentlich nur in der Frage des ethischen Rigorismus abweichend.

Nach dem Scheitern der großen idealistischen Systems, also seit den Jahren um 1850, als der Hegelianismus auch politisch ausschied, ging die dt. Philosophie »wie ein geschlagenes Heer« (F. A. Lange) auf K. zurück. Es begann die Epoche des Neukantianismus, eingeleitet von O. Liebmann, K. Fischer, F. A. Lange, H. Helmholtz u. a. Dazu trieben auch die mächtig aufblühenden, vom Idealismus nicht bewältigten Naturwissenschaften sowie das Auftauchen des Materialismus. Die jetzt fällige Neudurchdenkung Kants zur Bewältigung seiner Terminologie unternahm 1871 H. Cohen, der Gründer der »Marburger Schule«, die die Erkenntnistheorie ausbaute; E. Cassirer und die »Südwestdeutsche Schule« (H. Rickert) wandten sich insbesondere der Grundlegung der Geisteswissenschaften zu. P. Natorps Werk »Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften« (zuerst 1910) bezeichnet einen der Höhepunkte der neukantianischen Wissenschaftstheorie.
 

 

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Letztes Update: 18. September 2017