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Unterschied der Kommunikation zw. Tier und Mensch

 

Der amerikanische Linguist Charles Hockett suchte nach Gemeinsamkeiten zwischen menschlicher Sprache und anderen Kommunikationssystemen, vor allem verschiedener Tierarten. Dies auch im Hinblick auf die Entstehung der menschlichen Sprache. Sein vergleichender Ansatz wird weithin anerkannt und umfaßt die folgenden dreizehn Merkmale der auf gesprochene Sprache gestützten Kommunikation:

 

  • Sprechen und Hören: Signale werden durch Schallwellen vom Mund zum Gehör übertragen, nicht visuell, durch Berührung oder auf andere Weise.

     

  • Rundsendungen und gerichteter Empfang: Ein Signal läßt sich überall in Hörweite hören, seine Quelle kann durch das Gehör ausfindig gemacht werden.

     

  • Vergänglichkeit des Signals: Die akustischen Signale sind äußerst kurzlebig, die spätere Auswertung ist unmöglich (anders bei Tierfährten oder Schrift).

     

  • Austauschbarkeit: Jeder Sprecher einer Sprache kann eine verstandene sprachliche Mitteilung reproduzieren (im Gegensatz zu den Balzsignalen verschiedener Tierarten, die ausschließlich dem Männchen oder dem Weibchen zur Verfügung stehen).

     

  • Rückkoppelung: Wer spricht, hört sich selbst zu und kann das Gesprochene bedenken (im Gegensatz zu den bei der Tierbalz häufigen visuellen Signalen, die für das balzende Tier selbst unsichtbar sind).

     

  • Spezialisierung: Die Schallwellen gesprochener Sprache haben ausschließlich Signalfunktion (im Gegensatz zum Hecheln eines Hundes, das physiologische Funktion hat).
  • Bedeutungsgehalt: Die Signalelemente tragen Bedeutung durch stabile Bezüge auf die reale Welt (anders als das Hecheln eines Hundes, mit dem dieser nicht »sagt«, daß es ihm heißt ist, sondern das physiologisch zum erhitzten Zustand gehört).

     

  • Willkürlichkeit: Die Signalelemente sind nicht vom Wesen der Realität abhängig, auf die sie sich beziehen (während in den »Bienensprache« die Tanzgeschwindigkeit direkt die Entfernung des Nektars vom Bienenstock wiedergibt).

     

  • Isolierbare Elemente: Die gesprochene Sprache nutzt nur ein begrenztes Sortiment von Lauten, die sich deutlich voneinander unterscheiden (im Gegensatz zu Knurrgeräuschen oder anderen Lauten der Erregung, die in ihrer Intensität kontinuierlich veränderbar sind).

     

  • Transfer: Der Mensch kann sich beim Sprechen auf zeitlich oder räumlich distanzierte Dinge beziehen (die meisten Tierschreie sind durch unmittelbare Umweltreize bedingt).

     

  • Produktivität: Dem Ausdruck und Verständnis von Bedeutung sind keine Grenzen gesetzt; mit Hilfe alter Satzelemente lassen sich immer wieder neue Sätze bilden (während es bei Tierrufen um feste und begrenzte Abfolgen handelt).

     

  • Überlieferung: Sprache wird von Generation zu Generation vor allem durch Unterricht und Lernen weitergegeben (während die Fähigkeit von Bienen, Nektarquellen anzugeben, genetisch übertragen wird)

     

Strukturelle Dualität: Sprachlaute tragen keine eigene Bedeutung, sondern werden auf unterschiedliche Weise zu bedeutungsvermittelnden Elementen (wie Wörtern) kombiniert (anders als Tierrufe, die sich nicht in zwei Strukturebenen unterteilen lassen).

 

 

Siehe auch: Die Entstehung der deutschen Sprache

 


Rhetorik
 
Letztes Update: 18. März 2017