Viele Werbeleute verwenden denglisch nur, um zu verbergen, daß sie nichts zu sagen haben und aus Wichtigtuerei. Viele Unternehmen glauben, daß sie mit sogenanntem denglisch in ihren Werbeangeboten höhere Umsätze erzielen können. Das Gegenteil jedoch ist der Fall.
Die Angebote im
Schimpansendeutsch der Telekom (wie city-call oder call by call oder moonshine) wurden zum Beispiel von der Mehrzahl der Kunden gar nicht angenommen, weil sie nicht verstanden wurden.
(Wegen seiner herausragenden Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache haben die Mitglieder des "Vereins Deutsche Sprache" Herrn Ron Sommer zum Sprachpanscher des Jahres 1998 gewählt.)
Denglische Firmennamen und denglische Werbesprüche schaffen keine Identifikation sondern Unsicherheit und Sinnvernebelung, sind folglich verkaufsschädigend. Welch verheerende wirtschaftliche Folgen derlei Unternehmensberater und Werbetexter hervorrufen können zeigt die Erhebung des Statistikprofessors Walter Krämer
(aus dem "Tagesspiegel Berlin" vom 13.11.2002):
cool down
Langsam zischelnd weicht aus dem Cargolifter auch die letzte Luft, immer grässlichere lnterna werden bekannt - und wir fragen uns zwangsläufig: Mußte das sein? Hätte, sagen wir, Porsche, das dicke Ding in die Luft gebracht? Den wahren Grund für das Desaster liefert uns jetzt der Statistikprofessor Walter Krämer, der eine Liste von 47 deutschen Pleitefirmen der letzten beiden Jahre zusarnmengestellt hat.
Ihre Gemeinsamkeit:
Alle hatten beknackte englische Namen. Die Lobster Network Storage AG, die Sunburst Merchandising, Gigabell, Comroad (mit Bilanzfälschung - 7 Jahre Haft für den Konzernmanager - Anm.d.R.) und - ja, Cargolifter, in der Liste noch nicht einmal enthalten. Der Schluß liegt nahe, daß Leute, die schon mit dem Firmennamen angeben, auch sonst nicht viel auf die Reihe bekommen. Zum Beispiel so: "Wenn beim tuning für die schlanke Linie mit crunches, cross lift und side lift die richtige fun im Fett-out ausbricht oder der fatburn-Puls nach oben geht, hilft ein cool down." Das war übrigens von Martin Ammermüller, Vorstand der Deutschen Angestellten-Krankenkasse, ja, auch um diese Firma rnuß uns ein wenig bange sein.
Manche argumentieren hier mit einem nicht vorhandenen Generationenkonflikt: die eigene Sprache bzw. die Nicht-Beherrschung der eigenen Sprache ist jedoch keine Frage der Generation sondern eine Bildungsfrage, wie die Pisa-Studie beweist, wo allerdings besonders die Schülergeneration katastrophale Defizite aufweist. Ron Sommer und Jil Sander sind ja auch nicht grade Jugendliche. Daß mit dem Computer viele englische Fremdwörter in die deutsche Sprache gekommen sind ist sehr natürlich. Die deutsche Sprache hat immer
Fremdwörter aufgenommen, wo sie notwendig sind. Denglisch meint etwas anderes.
Daß sich auch die junge Generation gegen dieses Denglisch wehrt zeigt eine beispielhafte Studenten-Kurzrede: "
Denglisch in der Werbung" aus dem in Fachkreisen gut bekannten Institut GWK (Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation) an der Universität der Künste Berlin (Wintersemester 2003/04). Hier werden Werbefachleute und Unternehmensberater ausgebildet, deren zukünftige Kunden Firmen und Unternehmer sind. Wenn sogen. "elitäre" Universitäten und Studiengänge von der Bundesregierung nun besonders gefördert werden sollen, hier wäre eine solche. Aber gerade hier wird besonders gespart um nicht zu sagen "kaputtgespart".
Das Zielpublikum der Werbung sollten auch nicht nur die bildungsmäßig weniger bemittelten Fünfzehjährigen sein, die mit derlei denglisch gerne angeben um zu zeigen, wie modern sie sind. Das Zielpublikum der Werbung sollten
alle Kunden sein.
Hier ist eine "
parfümierte Kleisterrede" der Parfümschöpferin Jil Sander als abschreckendes Beispiel:
Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladysches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.
Für diesen Text wurde die Hamburger Modeschöpferin Jil Sander vom Verein Deutsche Sprache eV als Sprachpanscher 1997 ausgewählt.
Wenn man diesen Schwachsinn mal wirklich übersetzt stellt sich schnell heraus, daß es inhaltloses Gequatsche und
BlahBlah ist.
Sprachpanscherei und "Denglisch" ist nichts weiter als Wichtigtuerei und Imponiergehabe von Leuten, die des Deutschen nicht mächtig sind...
Warum Denglisch?
Dr. Marron Fort sagt dazu in einem
Interview (Anglo-Teutonisch):
Die Deutschen werden langsam sprachlos. Sie können Wörter, Orts- und Personennamen wie
pinalty,
Chicago,
Mobile,
Arkansas,
Charlotte,
Cheryl,
Charlene nicht richtig aussprechen, spicken ihre Sätze aber trotzdem mit englischen Brocken und verwenden selbst dann englische Redewendungen, wenn es eine Entsprechung im Deutschen gibt.
Warum ist diese Amerikanisierung gerade in Deutschland so weit fortgeschritten?
Die Deutschen leiden so sehr unter ihrer Vergangenheit, daß sie auf der Flucht vor sich selbst sind. Durch ihr Denglisch, das ich lieber
Anglo-Teutonisch nenne, versuchen sie sich möglichst international und un-deutsch zu geben. Jede Form von gesundem Partiotismus ist verpönt.
Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheit ihres Geistes und ihrer Sprache nimmt.
(Immanuel Kant)
Siehe auch: