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Antrittsrede Nelson Mandela als Präsident

Die Antrittrede von Nelson Mandela als Präsident von Südafrika am 10. Mai 1994 -
Mandela war davor 27 Jahre in Haft gewesen.

 

Majestäten, Hoheiten, verehrte Gäste, Mitstreiter und Freunde! 

Heute verleihen alle von uns durch ihre Anwesenheit und durch ihre Feiern in anderen Teilen des Landes der neugeborenen Freiheit Glanz und Hoffnung. 

Aus der Erfahrung eines außergewöhnlichen menschlichen Unheils, das viel zu lange andauerte, muss eine Gesellschaft geboren werden, auf die die gesamte Menschheit stolz sein kann. 

Unser tägliches Handeln als gewöhnliche Südafrikaner muss eine südafrikanische Realität schaffen, die den Glauben der Menschheit an die Gerechtigkeit und das Vertrauen in die Ehrenhaftigkeit der menschlichen Seele stärkt und all unsere Hoffnungen auf ein ruhmreiches Leben für alle stützt. All dies schulden wir sowohl uns selbst als auch den Völkern der Welt, die heute hier so zahlreich vertreten sind. 

Ich zögere nicht, zu meinen Landsleuten zu sagen, dass jeder von uns so eng mit dem Boden dieses schönen Landes verbunden ist wie es die berühmten Jacaranda-Bäume Pretorias sind und die Mimosen der Steppe. Jedes Mal, wenn einer von uns den Boden dieses Landes berührt, empfinden wir ein Gefühl der persönlichen Erneuerung. Die nationale Stimmung wechselt mit dem Wechsel der Jahreszeiten. Wir werden von einem Gefühl der Freude und Ausgelassenheit bewegt, wenn das Gras grün wird und die Blumen blühen. 

Diese geistige und physische Einheit, die uns alle mit dieser Heimat, diesem Homeland, verbindet, erklärt die Tiefe des Schmerzes, den wir alle in unseren Herzen trugen, als wir unser Land sahen, wie es sich in einem schrecklichen Konflikt spaltete, und als wir sahen, wie es von den Völkern der Welt verachtet, ausgestoßen und isoliert wurde, eben weil es der universelle Ausgangspunkt der verderblichen Ideologie und Praxis des Rassismus und der rassistischen Unterdrückung geworden war. 

Wenn einer von uns den Boden dieses Landes berührt, empfinden wir ein Gefühl der Erneuerung

Wir, das Volk von Südafrika, fühlen uns erfüllt, weil die Menschheit uns zurück in ihren Schoß genommen hat - weil wir, die vor nicht allzu langer Zeit Ausgestoßene waren, heute die seltene Ehre empfinden, auf unserem eigenen Boden Gastgeber der Nationen der Welt zu sein. 

Wir danken all unseren verehrten internationalen Gästen, dass sie gekommen sind, um mit dem Volk dieses Landes von dem Besitz zu nehmen, was schließlich ein gemeinsamer Sieg für Gerechtigkeit, für Frieden und menschliche Würde ist. Wir sind zuversichtlich, dass Sie auch weiterhin an unserer Seite sein werden, wenn wir die Herausforderungen der Errichtung von Frieden, Wohlstand, von einer nicht sexistischen und nicht rassistischen Gesellschaft und einer Gesellschaft der Demokratie angehen. 

Wir schätzen die Rolle sehr hoch, die die Masse unseres Volkes und seine politischen, religiösen, Frauen-, Jugend- und Wirtschaftsvertreter, seine traditionellen und anderen Führer gespielt haben, um eine solche Lösung herbeizuführen. Nicht zuletzt gilt das für meine zweiten Stellvertreter, den ehrenwerten Frederik Willem de Klerk. 

Wir wollen auch allen Dienstgraden unserer Sicherheitskräfte für die wichtige Mission danken, die sie bei der Sicherung unserer ersten demokratischen Wahlen und des Übergangs zur Demokratie vor blutrünstigen Kräften, die das Licht immer noch nicht sehen wollen, übernommen haben. 

Die Zeit für die Heilung der Wunden ist gekommen. Der Augenblick ist gekommen, die Kluft, die uns trennt, zu überbrücken. Die Zeit des Aufbaus ist da. 

Wir haben es geschafft, unsere letzten Schritte in Richtung Freiheit unter vergleichsweise friedlichen Bedingungen zu tun. Wir verpflichten uns zur Herstellung eines umfassenden, gerechten und dauernden Friedens. (...) 

Zum Zeichen ihrer Verpflichtung gegenüber der Erneuerung unseres Landes wird die neue Interimsregierung der Nationalen Einheit als besonders dringende Angelegenheit die Frage der Amnestie für verschiedene Gruppen unseres Volkes, die zur Zeit in Haft sind, zu lösen haben. 

Lasst alle wissen, dass Körper, Geist und Seele eines jeden befreit worden sind, um sich zu verwirklichen 

Wir widmen diesen Tag allen Helden und Heldinnen in diesem Land und dem Rest der Welt, die auf viele Arten Opfer gebracht und ihr Leben gegeben haben, so dass wir frei sein können. Ihre Träume sind Wirklichkeit geworden. Die Freiheit ist ihr Verdienst. 

Wir sind sowohl beschämt als auch erhoben durch die Ehre und das Privileg, die Sie, das Volk von Südafrika, uns zuteil werden lassen, als der erste Präsident eines geeinten, demokratischen, nicht rassistischen und nicht sexistischen Südafrika unser Land aus dem Tal der Dunkelheit zu führen. 

Wir erkennen trotzdem an, dass es keinen einfachen Weg zur Freiheit gibt. Wir wissen sehr gut, dass niemand von uns allein handelnd Erfolg haben kann. Deshalb müssen wir gemeinsam als ein geeintes Volk handeln, für nationale Versöhnung, für den Aufbau der Nation, für die Geburt einer neuen Welt. 

Es soll Gerechtigkeit für alle geben. 
Es soll Frieden für alle geben. 
Es soll Arbeit, Brot, Wasser und Salz für alle geben. 

Lasst alle wissen, dass Körper, Geist und Seele eines jeden befreit worden sind, um sich zu verwirklichen. 

Niemals, niemals, niemals darf es wieder geschehen, dass dieses schöne Land die Unterdrückung des einen durch den anderen erfährt und die Erniedrigung erleidet, der Halunke der Welt zu sein. 

Die Sonne möge nie untergehen über einer so ruhmreichen menschlichen Errungenschaft. 
Lasst die Freiheit regieren. 
Gott segne Afrika. 
 

 


Die folgende Aussage ist NICHT von Nelson Mandela's Antrittsrede

Hier eine Passage, die fälschlicherweise immer Nelson Mandela's Antrittsrede zugesprochen wurde, die aber in Wahrheit nicht dort vorkam. Diese Passage ist von Marianne Williamson

 

“Unsere grösste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind.
Unsere grösste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.

Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht.
Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?
Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?
Du bist ein Kind Gottes.

Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um Dich herum sich nicht unsicher fühlen.
Wir sind alle bestimmt zu leuchten wie es Kinder tun.
Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.

Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem einzelnen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir unbewusst
anderen Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere.”

 

Diese Passage wird immer wieder als Ausschnitt aus Mandelas Antrittsrede zitiert, aber es ist in Wahrheit ein Zitat von Marianne Williamson, das irgendeiner Mandela in den Mund geschoben hat. Das klassiche Beispiel einer sich verselbständigenden Wandersage.