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Abschiedsrede Napoleon Bonaparte - 1814

 

Ein wirklich dramatischer Moment in der Geschichte geschah am 20. April 1814, als Napoleon Bonaparte, Kaiser von Frankreich und Möchtegern-Herrscher von Europa nach seiner gescheiterten Invasion von Russland und der Niederlage durch die Alliierten, Abschied von seiner Alten Garde nahm.

Zu dieser Zeit hatte Napoleon Frankreich und die umliegenden Länder zwanzig Jahre lang beherrscht. Vom einfachen Offizier in der französischen Armee, war er inmitten der Wirren nach der französischen Revolution zum Kaiser aufgestiegen. Napoleon errichtete eine 500.000 starke Große Armee, die moderne Taktik und Kreativität im Kampf vereinte, um über Europa hinwegzufegen und einen großen Teil für Frankreich zu erobern.

Aber im Jahre 1812 fällte der scheinbar unbesiegbare Napoleon die schicksalhafte Entscheidung, nach Russland vorzudringen. Er marschierte tief in dieses weite Land hinein und erreichte schließlich im September Moskau. Er fand Moskau von den Russen verbrannt vor und konnte somit seine hungernde französische Armee während dem langen Winter nicht mehr ernähren. So war Napoleon gezwungen, den langen Rückzug anzutreten und musste zusehen, wie seine Grosse Armee durch die schweren russischen Winter und das Chaos in seinen  Reihen zu einem bloß 20.000 Mann starken Haufen dezimiert wurde.

Schweden, Österreich, Preußen und  Rußland bildeten dann eine Allianz gegen Napoleon. Obwohl Napoleon seine Armeen wieder aufgebaut und mehrere kleine Siege über die Alliierten errungen hatte, wurde er in einer dreitägigen Schlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen. Am 30. März 1814 wurde er in Paris von den Alliierten gefangen genommen. Napoleon verlor anschliessend die Unterstützung der meisten seiner Generäle und wurde gezwungen, am 6. April 1814 abzudanken. Im Hof von Fontainebleau, nahm Napoleon dann Abschied von den übrigen treuen Offizieren der Alten Garde. 

 

Rede Napoleon Bonaparte - 20. April 1814

Soldaten meiner alten Garde, Ich verabschiede mich. Seit zwanzig Jahren begleitete ich Sie auf der Straße der Ehre und des Ruhms. In diesen letzten schweren Zeiten,  genauso wie in den Tagen der Erfolge, waren Sie unerschütterliche Vorbilder von Mut und Treue gewesen. Mit Menschen wie Ihnen würde unser Anliegen nicht verlieren; Aber der Krieg würde dann endlos weitergehen, es hätte zum Bürgerkrieg geführt, und das hätte Frankreich in tiefes Unglück gestürzt.
Ich habe immer alle meine persönlichen Interessen denen des Landes untergeordnet.

Ich gehe, aber Sie, meine Freunde, werden weiterhin Frankreich dienen. Frankreich‘s Glück war mein einziger Gedanke. Es wird immer das Objekt meines ganzen Strebens sein. Bedauern Sie nicht mein Schicksal; ich habe beschlossen zu überleben, um eurem Ruhm zu dienen. Ich habe vor, die Geschichte der großen Leistungen, die wir gemeinsam vollbracht haben, niederzuschreiben. Adieu, meine Freunde. Am liebsten würde ich Sie alle in meinem Herzen mitnehmen.