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Betonung

 

Betonung ist etwas entsdcheidendes für die Rede. Es kann sich der Sinn der Aussage verändern, je nachdem, welches Wort im Satz ich betone.

 

Ein Beispiel: "Bringen Sie mir bitte eine Tasse Kaffee!"

"Bringen Sie .." - warten Sie nicht lange, gehen Sie sofort los, schicken Sie mir niemand, der Kaffe macht, holen Sie ihn zu Fuß und bringen sie ihn mir!

"Bringen Sie ..." - lassen Sie den Kaffee nicht etwa durch einen Anderen bringen, sondern bringen Sie ihn selbst.

"Bringen Sie mir..." - bringen Sie ihn nicht dem Bronnen und keinem anderen Kollegen, sondern ausschließlich mir!

"Bringen Sie mir bitte..." - ich bin ja höflich und bitte Sie darum.

"Bringen Sie mir bitte eine..." - bitte nur eine, nicht etwa zwei, weil ich die vielleicht nicht vertrage.

"Bringen Sie mir bitte eine Tasse..." - kein Kännchen und schon gar nicht einen scheußlichen Plastik-Becher, sondern eben eine Tasse!

"Bringen Sie mir bitte eine Tasse Kaffee..." - nicht Tee und nicht Tomatensaft, sondern nur Kaffee!

Also: "Bringen Sie mir bitte eine Tasse Kaffee!"

Wenn es gelingt, wirklich jedes Wort zu betonen, wird die Sprache eindringlich, ja geradezu suggestiv. Dies ist ein Mittel, das gute Schauspieler einsetzen. Alles betonen heißt ja nicht, alles zu brüllen oder laut zu sagen, man kann auch sehr leise und gar flüsternd jedes Wort betonen. Die Kunst der richtigen Betonung ist eine geistige Anstrengung, ist die Entschiedenheit, Dinge sagen zu wollen und nur solche Dinge zu sagen, die man auch selbst versteht und unbedingt loswerden muß.

 

Ein Satz erhält eine komplett andere Aussage, je nachdem, wie man Pausen setzt und Worte betont

Lesen Sie bitte die folgenden Sätze und machen beim / jeweils eine Pause und das fett hervorgehobene Wort betonen Sie

 

Doch würde die Gesellschaft der Dame / lästig gewesen sein;
Doch würde die Gesellschaft / der Dame lästig gewesen sein


Das Feuer wurde 5 Stunden nach Ausbruch / im Morgengrauen gelöscht         (Löschzeitpunkt ca 5 Uhr)
Das Feuer wurde 5 Stunden nach Ausbruch im Morgengrauen / gelöscht         (Löschzeitpunkt ca 10 Uhr)


Hansen ließ / Keuner verhaften         (Keuner wird verhaftet durch Initiative von Hansen)
Hansen / ließ Keuner verhaften         (Hansen wird verhaftet durch Initiative von Keuner)

 

 

Wenn in der deutschen Sprache ein Wort besonders betont wird, ist die Wirkung nicht, daß dieses eine Wort besonders hervorgehoben wird, vielmehr werden sämtliche anderen Wörter des Satzes plötzlich unterbetont, was eine besondere Wirkung hat.

Ein Beispiel dafür gaben einige Moderatorinnen der "Berliner Abendschau" des Senders SFB ("B 1") einige Jahre, wo offensichtlich die Anweisung von oben kam, besonders freundlich zu sein und den letzten Satz besonders zu betonen:

"Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. - Ach nee ! 

Und wenn ich höre: "...wünsche Ihnen einen schönen Abend...", dann komme ich überhaupt erst auf die Idee, daß sie mir offensichtlich auch einen scheußlichen Abend wünschen könnten. Die Betonung von "schön" kenne ich aus dem Wort: "eine schöne Bescherung..." - das Wort dreht sich also ins Gegenteil um durch die absonderliche Betonung. Aber natürlich sind Tagesschausprecher in Ihrer Sprachwahl wenigstens frei von Füllwörtern

Meister der richtigen Betonung war Tagesthemenmoderator Hans Joachim Friedrich, sind die Nachrichtensprecher der Tagesschau, sind meisterhafte Synchronsprecher wie etwa Claus Biederstedt (Humphry Boghard, Columbo u.v.a.), Peer Schmid, Norbert Langer (Magnum und Doku's), Christian Brückner, Rolf Schult, Manfred (Manne) Lehmann (J.P. Belmondo u.v.a.), Thomas Braut, Gerd Heidenreich, Matthias Habicht, Peter Schiff, Arnold Marquis, Volker Brandt und weitere Namen, die das Publikum kaum richtig kennt, denen es aber oft gelingt, den synchronisierten Film besser zu machen als das amerikanische Original. Moderatoren und Nachrichtensprecher, deren Betonung künstlich und aufgesetzt klingt, findet man vorwiegend im Privatfernsehen und Dauerwerbung, wo es offensichtlich darauf ankommt, alles besonders zu betonen um sich besonders abzuheben von allen anderen Sendern. Das hat sich inzwischen bei Sat1 (N24, Vox usw.) und RTL gebessert, bei ARD und ZDF hat sich das inzwischen breitgemacht. Besonders nervend finde ich den "näselnden" Ton, wie ich ihn häufig höre (z.B. besonders Britta Elm im ZIBB von RBB, die ihre Co-Moderatoren kaum eines Blickes würdigt und mit starrem Blick in die Kamera feixt). Das ist maniristisch. Friedrich Naumann sagt: "... ebensowenig darf man sich seine eigene Manier zurechtmachen..." und: "...der große angelernte Ton ist für uns ein unerträglicher Klang." Dasselbe gilt wohl für den großen angelernten Ton einiger besonders dynamischer, besonders perfekter, besonders hervorstechender und vielleicht gar in einer falschen Rhetorik besonders geschulter Sprecher und Redner. Ein Redner sollte aber nur der "Aussprecher von Anschauungen und Gedanken sein, die gesagt sein möchten".

 

Siehe auch "Sprüche zum Nachdenken"

 


Rhetorik
 
Letztes Update: 18. März 2017