microphonelogo
net

Rede: Zeit die vierte Dimension

"Zeit, die vierte Dimension"

"Sehr geehrter Herr Münzer, sehr geehrte Kommilitoninnen und Kommilitonen, liebe Freunde!

Zeit, die vierte Dimension:

Während ich hier stehe und mit dem Reden beginne, vergeht sie bereits.

Sie wird definiert als das nicht umkehrbare, nicht wiederholbare Nacheinander. Sie wird uns bewußt als Aufeinanderfolge von Veränderungen und Ereignissen in Natur und Geschichte. Sie ist uns nach der Relativitätstheorie von Albert Einstein als vierte Dimension bekannt.

Wir tauften sie auf den Namen "Zeit".

"Zeit ist Geld". Die Zeit ist es uns wert, diverse Zeitungen mit verschiedenen Zeit-Variationen zu betiteln: Die Morgenpost, der Tagesspiegel oder das Abendblatt.

Die Zeit bedeutet uns sogar so viel, daß wir sie in manchen Situationen nicht mehr loslassen wollen. Während eines Urlaubs am Meer z.B. ging es mir schon oft so, daß ich den Augenblick eines Sonnenauf- oder Sonnenunterganges nicht nur fotografisch festhalten wollte. Doch welche Rolle spielt die Zeit in unserem Alltag?

Wir schrecken vom durchdringenden Lärm des Weckers hoch. Er signalisiert uns, daß es an der Zeit ist, aufzustehen. Der Sonnenaufgang interessiert uns plötzlich nicht mehr.

Nach einem anstrengenden, vom Streß geprägten Tag fallen wir abends zeitig ins Bett. Uns fällt nur noch auf, daß es bereits dunkel ist. Den Sonnenuntergang bemerkten wir nicht.

Die Zeit ist also tatsächlich, wie Einstein erklärt, relativ. Im Verhältnis zu der Frage "Wie erleben wir einen Augenblick bzw. Moment?", vergehen die schönen Stunden schneller als die weniger angenehmen. Zumindest empfinden wir das so; und das, obwohl eine Stunde voll guter Laune genauso lang ist wie 60 Minuten voller Liebeskummer.

Trotzdem hört sich eine Stunde natürlich viel kürzer an als 60 lange Minuten. Genau hierin liegt unser Problem:

Schaut Euch bitte diese Zwiebel an. Vielleicht ist es kein besonders schönes Exemplar, aber sie ist vollständig. Erst, wenn wir anfangen sie zu schälen, sie zu zerschneiden und sie zu zerstückeln, kommen uns durch ihren Saft die Tränen.

So ist es auch mit der Zeit. Obwohl nie mehr davon vorhanden ist, als zwischen Sonnenauf und Sonnenuntergang hineingeht, ist es uns doch nie genug. Deshalb zerschneiden und zerstückeln wir die Zeit: 1 Tag, 24 Stunden, 1440 Minuten, 86400 Sekunden.

Bei einem 100m-Sprint können sogar Bruchteile von Sekunden entscheidend sein.

Ist unser Leben denn auch ein Wettlauf mit der Zeit?

Wir fragen unsere Freunde, ob sie vielleicht an dem einen oder anderen Tag ins Kino gehen möchten. Oft müssen sie dann leider erst einen Blick auf ihren Kalender werfen, um sich zu vergewissern, ob sie für eine solche spontane Unternehmung auch wirklich Zeit haben.

Wir schauen auf die Uhr um festzustellen, wie spät es ist (Beispiel: "Hoffentlich komme ich nicht zu spät zum Vorstellungsgespräch"). Wir hoffen, die Zeitvorgaben bei Klausuren oder in Seminaren einhalten zu können und stehen unter Druck. Zeitdruck. Ja, manchmal stehen uns sogar die Perlen der Angst auf der Stirn oder die Tränen rollen - ohne Zwiebelsaft.

Wir bitten die Arzthelferin um einen Termin bei Frau oder Herrn Dr. Tempus. Wir warten geduldig im Wartezimmer, um nach zwei Stunden Wartezeit das Warten zu beenden. Wir werden aufgerufen und ausgiebig konsultiert. Die Diagnose: Zeit-Neurose.

Doch genug damit, denn das ist eine schwere Krankheit. Uns alle fordere ich deshalb auf:

Laßt uns selbst nicht (bzw. nicht länger) Sklaven der Zeit sein.
Laßt uns aufhören, unseren Mangel an Zeit zu beklagen.
Wir haben nämlich für die Dinge, die uns wichtig sind, genügend Zeit oder die Fähigkeit, uns die Zeit einfach zu nehmen.
Laßt uns nichts mehr unternehmen nur aus Angst, etwas zu verpassen.

Gönnen wir uns Zeit um nachzudenken, denn in der Ruhe liegt die Kraft. Gönnen wir uns Zeit um zu trauern, zu singen, zu tanzen und zu feiern. Die Hochzeit z.B. heißt nicht umsonst Hoch-Zeit.

Wenn ich anfangs die Zeit als das nicht umkehrbare, nicht wiederholbare Nacheinander erklärt habe, so füge ich nun zusammenfassend hinzu:
Die Zeit ist das, was wir aus ihr machen.
Wir drehen das Rad der Zeit.
Wir machen Geschichte.
Wir gestalten unser Leben.

"Carpe diem!" - "Genieße den Tag!" lautet ein Zitat aus Horaz.
"Carpe momentum!" - "Genieße den Augenbick!" sind meine Schlußworte für Euch.

Vielen Dank."
 
 

 

So machen Sie einen Rede Aufbau

Hier wird beschrieben, wie Sie eine Rede halten

Alle Infos zu Rede

 

 

Letztes Update: 8. Februar 2019