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Rede: Setzen wir unsere Sprache ein

"Setzen wir unsere Sprache ein,
um uns näher zu kommen"

Liebe Studenten, liebe Studentinnen

Alle kennen das Problem, der große Redetag rückt immer näher, und wir haben noch kein Thema für unsere Rede.

So ging es auch mir. Ich hatte tausend Gedanken im Kopf; viele kleine Geschichten; jeden Tag waren es neue; die alten habe ich wieder vergessen; die Gedanken kamen und gingen, doch sie waren alle nicht greifbar, weil sie nur in meinem Kopf existierten. Sie waren meine privaten EINFÄLLE - GEDANKEN - ÜBERLEGUNGEN. Jetzt erst werden sie zu einer festumrissenen Geschichte, indem ich sie in Worte kleide, in Sprache umsetze und Euch erzähle.

Genauso habe ich mich gefragt, wo eure schönen Geschichten waren, bevor Ihr sie hier erzählt habt. Stellt euch mal vor: die genialen Ideen, die Ihr Euch nachts krampfhaft am Schreibtisch überlegt habt wären uns anderen verborgen geblieben. Nur dadurch, daß Ihr sie in Sprache umgesetzt habt, wurden sie zur Realität, und so entstanden diese wunderschönen Reden. Andere Länder, andere Sprachen. Hier sprechen wir die deutsche Sprache.

Mir war auch nicht bewußt, daß es Bielefeld in Wirklichkeit nicht gibt *) und meine Oma offensichtlich im Nichts wohnt.
Oder daß es so drastisch um die Berliner Musikschulen *) steht.
Stellt Euch doch nur mal vor, wir hätten nie erfahren, daß wir die Männer eigentlich doch brauchen *) , um täglich unsere vielen Frühlingsgefühle zu befriedigen (aber natürlich nur, wenn sie sich hinsetzen).
Oder wir hätten uns doch nie getraut, aus Protest auf die Straße zu "scheißen" *) und würden wahrscheinlich heute noch mit zermatschten Broten *) in die Uni kommen.
Auch daß Tabak unser Leben verkürzt und wir dadurch die Chance verpassen, zu alten nervigen Menschen *) zu werden, an denen die jungen Leute ihre Toleranzbereitschaft erproben, wäre uns nie so deutlich geworden.
Durch unsere gewonnenen Erfahrungen können wir uns auch vor den unfreundlichen Menschen am Theodor-Heuss-Platz schützen *) oder einer gewissen Wurstverkäuferin eins in die Fresse schlagen *) , während wir dabei unseren Einkauf einpacken.
Wir hätten auch nie in so kurzer Zeit gleich zwei mal den Sinn des Lebens *) gestreift oder die Musikwerke aus Teresienstadt *) erfahren.
Es war doch auch beruhigend zu erfahren, daß wir unsere erste Rede auch wirklich überleben *) , und daß "Boul" nicht nur ein Spiel ist, sondern ein Lebensgefühl *) .
Auch kann ich jetzt streßfreier leben, seitdem ich die Vorzüge meines Fahrrades *) erkannt habe und somit die Motz-Verkäufer und die BVG-Beamten umgehe.
Und ist uns nicht allen bewußt geworden, wie toll es ist, in einer Großfamilie *) aufzuwachsen!

Erst dadurch, daß wir alle unsere Ideen und Erfahrungen in Worte gefaßt und sie hier erzählt haben, werden sie auch für die anderen erfahrbar. Sie werden durch die Sprache in die Öffentlichkeit gebracht und sind somit reproduzierbar (siehe Videorekorder).

Liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen, wir leben im Zeitalter der Kommunikation, und unsere Sprache ist die wichtigste Möglichkeit, sich mitzuteilen! Während kleine Kinder noch schreien müssen, um sich verständlich zu machen, können wir es durch die Redekunst versuchen.

Wir alle haben uns diesem Thema verschrieben.

Wir alle haben dieses Studium auch aus diesem Grund gewählt.

Wir alle sitzen hier in einem Kurs, um die Kunst des Redens zu erlernen.

Aber sind wir uns auch bewußt, wie wichtig es ist, sich mitzuteilen??!

Wieviele Mißverständnisse entstehen, weil Menschen in ihren eigenen Gedanken leben - in "Gedankenghettos" - und sich isolieren?
Wieviele Beziehungen gehen kaputt, weil Schweigen mißverstanden wird?
Wie sollen andere uns verstehen, wenn wir uns nicht mitteilen?
Was bringen die genialsten Ideen, wenn sie nur Schatten der eigenen Gedankenwelt bleiben?
Nur durch die Sprache konnte Wissen und Kultur überliefert werden!
Was wäre z.B. aus den Rhetorik-Tips von Herrn Münzer geworden, wenn er sie nicht in Sprache verfaßt hätte?
Stellt Euch doch nur eine Vorlesung ohne gesprochene Worte vor!

Einige von Euch werden jetzt wahrscheinlich daran denken, wie oft sie schon durch Sprache verletzt wurden. Sprache, die falsch eingesetzt wurde und mehr Verwirrung geschafft hat als zu klären. Aber deshalb dürfen wir uns nicht verschließen!
Natürlich gibt es auch stille Wasser, die tief sind, aber Vorsicht: es gibt ebenso verschlossene Truhen, die leer sind! !

Wir müssen lernen, unsere Sprache richtig einzusetzen!

Da gibt es ein passendes Sprichwort von dem Therapeuten Steve de Shazer - Zitat:
"Sprechen über Probleme schafft Probleme, sprechen über Lösungen schafft Lösungen!"

Setzen wir unsere Sprache also bewußt ein!

Brechen wir mit der alten Volksweisheit "Schweigen ist Gold"!

Kreieren wir noch tausende von schönen Geschichten und lassen unsere Mitmenschen teil daran haben.

Ich fordere Euch also auf:

- TEILT EUCH MIT!

- SPRECHT MITEINANDER!

- SCHREIBT EUCH BRIEFE !

- TELEFONIERT!

- TAUSCHT EUCH AUS!

SETZEN WIR UNSERE SPRACHE EIN, UM UNS NÄHER ZU KOMMEN !!

 

 

 

So machen Sie einen Rede Aufbau

Hier wird beschrieben, wie Sie eine Rede halten

Alle Infos zu Rede

 

 

Letztes Update: 2. Januar 2017