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Rede: Männer sind besser

"Männer sind besser"

 
  • Liebe Kommilitoninnen,
    liebe Kommilitonen,
    sehr geehrter Herr Münzer,

    Mit einigem Erstaunen habe ich in diesem Rhetorik Seminar zahlreiche Reden meiner Kommilitoninnen über mich ergehen lassen, die an Spott und Häme nur schwer zu überbieten sind.

    So wurden wir Männer als miserable Rhetoriker, notorische Stotterer und verkalkte Legasteniker geoutet.

    Wir wurden mit störrischen, vom Aussterben bedrohten Pandabären verglichen, ja eine Rednerin schwelgte sogar in sexuellen Alien-Phantasien, offenbar reizte sie stinknormaler Mann schon lange nicht mehr.

    Eine weitere talentierte Rhetorikerin ereiferte sich über die ausgeprägten maskulinen Tendenzen der deutschen Sprache und forderte eine linguistische Gleichberechtigung.

    Kurz und gut, sie redeten uns an die Wand, aus Gott machten die Mädels munter eine gute Frau, der Kunde wurde zur Königin umgemodelt und alle Menschen sollten von nun an Schwestern sein.

    Und selbstverständlich haben Frauen einen größeren Wortschatz als Männer, sind weniger vulgär und wesentlich einfühlsamer.

    Männer wurden unbedenklich zu emotionslosen Einfaltspinseln degradiert, die sich sabbernd und grunzend über Autos und Fußball unterhalten.

    Und was sagten wir Männer dazu?

    Nichts!

    Ich beispielsweise verstehe von Fußball nicht besonders viel, und von Autos schon gar nicht, aber widersprochen habe ich nicht, sondern schämte mich für meinesgleichen. - Jawohl.

    Auch die dreiste These, Frauen seien die besseren Rhetoriker, weil sie früher lernten zu sprechen und folglich mehr Zeit zum Üben hätten, nahmen wir widerspruchslos hin, obwohl uns Herr Münzer wiederholt in den Stunden zuvor die Antwort gewiesen hatte. Woher kamen nochmals die Nachrichtensprecher mit dem reinsten Hochdeutsch?

    Ja denkt mal nach!

    Sie entsprangen paradoxerweise den ausgeprägtesten Dialekten Deutschlands, und was war der Tenor der ganzen Geschichte?

    Die größere Mühe und der damit verbundene Arbeitsaufwand erzeugen meist ein besseres Resultat, liebe Kommilitonen!

    Selbst dem Argument, daß Frauen eine größere Zellkonzentration im Sprechzentrum des Hirns vorweisen, hätten wir gelassen begegnen können, da die Rednerin leider vergaß einen Bezug herzustellen. So so, eine größere Zellkonzentration, größer als was frage ich mich da. Größer als im Rest ihres boshaften Hirn? Oder größer als bei uns Männern etwa? Kann ja wohl nicht sein, immerhin tragen wir Männer von Natur aus, und auch das ist wissenschaftlich erwiesen, 16% mehr graue Zellen mit uns rum, als die Frauen.

    Aber wir, wir hielten brav unseren Mund, und das, liebe Kommilitonen - und ich sage jetzt bewußt nur Kommilitonen, weil ich heute primär zu euch Männern in diesem Saal spreche - hat mir zu denken gegeben.

    Was ist eigentlich mit uns Männern in den letzten Jahren passiert?

    1. Sind wir zu einfühlsamen Softies degeneriert, peinlichst darum bemüht nichts Unbedachtes zu sagen, um nicht das mühsam begrabene Stigma des Chauvinismus heraufzubeschwören?

    2. Sind wir zu bärtigen Feministinnen mutiert, die stumm ihre Schuld der letzten Jahrhunderte vor sich herschieben und in strenger Kasteiung dahin vegetieren?

    3. Ich frage euch, und damit komme ich zum Kern meiner Rede: Ist der heutige Mann Krüppel der weiblichen Emanzipation?

    Gehen wir ein paar Jahre, vielleicht ein paar Jahrzehnte zurück und schauen uns die Rolle des Mannes an. Er ging früh zur Arbeit und rackerte pflichtbewußt ab, Disziplin ging ihm über alles. Diese Sorte Mann nahm die Seele der Frau nicht so genau zur Kenntnis, aber er schätzte ihren Körper. Er sorgte sich ständig um die rein physiologischen Bedürfnisse der Frau, darüberhinaus aber machte er sich keine weiteren Gedanken um sie, und erwartete, daß sie anstandslos ihren häuslichen Pflichten nachkam. Sie sollte ihm möglichst viele Söhne schenken, damit er diese zu Gleichgesinnten erziehen konnte. Um seine Töchter scherte er sich herzlichst wenig, ganz im Gegenteil, sie waren Ballast, der möglichst schnell unter die Haube gebracht werden mußte.

    Freunde hatte er nur wenige, er lebte mit anderen Männern in einer kontinuierlichen Rivalität, die bisweilen in Krieg und Gewalt ausartete.

    Ich gestehe, er benahm sich ein wenig stumpfsinnig, hatte aber seine klaren Vorstellungen davon, was ein Mann war, was männliche Verantwortung bedeutete.

    Das ganze funktionierte natürlich nur so lange, wie die Frau mitspielte.

    Mit der Zeit stand das System zunehmend auf wackligeren Füßen, bis es in den sechziger Jahren vollends zusammenkrachte.

    Zu Recht, ich betone zu Recht organisierten sich die Frauen und forderten die Männer auf, ihre überholten Werte der Zeit anzupassen, und die Frauen endlich als gleichwertige Geschöpfe zu akzeptieren. Gefragt war nunmehr der einfühlsame Mann, der sich mit der weiblichen Geschichte und Sensibilität auseinandersetzte.

    Mit Feuereifer stürzte sich der nun geläuterte Mann auf seine neuen Aufgaben, und übertraf selbst die kühnsten Erwartungen gestandener Feministinnen. Er entdeckte nämlich seine weibliche Seite und kultivierte diese im besten Glauben bis zum Exzeß, so daß sich die Frauen zunehmend wunderten.

    Das ganze artete aus, Männer landeten in Selbsthilfegruppen, wo sie theatralisch mit Schaumstoffknüppeln auf ihre toten Vorväter einschlugen und tränenreich vermeintliche Ödipuskomplexe aufarbeiteten, während sich die Frauen gelangweilt von ihnen abwandten und sich systematisch ihren neugewonnenen Privilegien wie Karriere, Macht und Reichtum widmeten. Also alles das, was die Männer vorher als ihre Domäne betrachtet hatten. Kinder wurden zu sekundären Zielen erklärt, und nur mit dem geeigneten Partner erwünscht.

    Und an den werden heute hohe Anforderungen gestellt:

    Früher reichte meist eine materielle Sicherheit wie ein guter Beruf oder ein angesehener Stammbaum. Heutzutage sollte ein Mann möglichst - hört ! - ein multilinguales Genie sein, ausgestattet mit dem Allgemeinwissen einer zehnbändigen Enzyklopädie, ein begnadeter Musiker, ein durchtrainierter Philosoph mit handwerklichem Geschick, erfolgreich im Beruf und bewandert in kulinarischen Künsten.

    Erst letztlich eröffnete mir eine smarte, attraktive Psychologiestudentin, daß sich Frauen von heute einen Macho mit Herz als Partner wünschten, ein Allroundtalent mit Potenz im Hirn und Unterleib.

    Doch die sind rar gestreut.

    Der heutige Mann ist das verwirrte Produkt einer allzu rasanten Entwicklung.

    Früher galten Frauen gemeinhin als emotional und Männer als rational, es hat sich umgekehrt!

    Nun pochen Frauen militant auf ihre Rechte, während Männer weinerlich in der Ecke hocken und ihre Wunden lecken.

    Ein paar "trendy girlies" unterhielten sich letztens über eine Party und bedauerten lautstark, daß zwar äußerst viele hübsche Männer dort gewesen wären, aber leider alle schwul.

    Ja fragt euch doch mal warum!

    Meinen Glückwunsch an die Schwulenszene, daß sie sich diesen strapaziösen Anforderungen nicht mehr unterwerfen und ihr Heil in den verständnisvollen Armen des eigenen Geschlechts suchen.

    Aber meine Rede richtet sich an alle Männer in diesem Raum, ob hetero oder schwul, bi oder nie: wacht auf, die Frauen laufen euch davon, und zwar in großen Schritten. Bald werdet ihr nicht einmal mehr zur Fortpflanzung benötigt werden. Vergeßt nicht: wir leben im Zeitalter der künstlichen Befruchtung und des Klonens. Wenn wir so weitermachen provozieren wir geradezu ein Matriarchat, und alles, was an uns erinnern wird, werden kilometerlange, tiefgefrorene Samenbänke sein. Und lediglich eine Hand voll von uns wird als Lustobjekt in Käfigen überleben.

    Ich fordere euch also auf:

    1. Formiert euch in Männerbewegungen, wie es einst die Frauen taten.

    2. Artikuliert euch lautstark und entschlossen, aber nicht gewalttätig auf den Straßen.

    3. Setzt in der Politik und der Wirtschaft Männerquoten durch, die Frauen haben euch längst vorgemacht, wie das geht.

    4. Kultiviert vor allem den Informationsaustausch unter euch Männern, anstatt euch zu befehden.


    Denn Solidarität macht uns unantastbar, stark und attraktiv, und wird auch den Frauen erlauben, uns wieder als gleichberechtigtes Mitglied dieser Gesellschaft zu akzeptieren!

    Danke.

 

 

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Letztes Update: 2. Januar 2017