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Rede: Kampf gegen den inneren Schweinehund

"Kampf gegen den inneren Schweinehund"

 
Ich freue mich heute hier stehen zu dürfen. Denn die Tatsache heute hier stehen zu können, ist das Ergebnis eines schweren Kampfes. Eines siegreichen Kampfes.

Als ich vor Tagen gemerkt habe, daß mein Redetermin am heutigen Freitag ansteht. Habe ich mich erstmal an meinen Kleiderschrank begeben, um ihn aufzuräumen. Ich dachte an den Hinweis in einer der letzten Seminarstunden, beim Aufräumen der Küche meine Gedanken besser ordnen zu können.

Ich bin vor etwa vier Monaten umgezogen und meine Küche glich noch einem Schlachtfeld. Da habe ich mir gedacht, das laß mal lieber sein, ordne erstmal deinen Kleiderschrank. Ordnen heißt: gleiches zu gleichem zu sortieren. Also begann ich damit, bis ich dann feststellte, daß ich doch eigentlich mal wieder staubsaugen müßte. Auch darin habe ich mich dann befleißigt. Darauf folgte ein mittelgroßer Hausputz. Bis ich plötzlich feststellen mußte, daß mir meine Zeit, die ich eigentlich für die Vorbereitung der Rede eingeplant hatte, völlig abhanden gekommen war. - Dabei hatte ich mir doch die ganze Zeit gesagt, Du mußt, Du mußt noch Deine Rede verfassen! -

Ich habe keineswegs vor, Euch mit der Beschreibung meines Hausputzes zu langweilen. Wichtig ist nur eins. Ich hatte bis zu dem Tage einen Feind in meiner Wohnung. Es war nämlich eines dieser äußerst unangenehmen Haustiere, die sich manchmal einfach so einschleichen und sich in den eigenen vier Wänden breit machen. Diese Kreuzung aus einem eigentlich liebevoll trägen Nutztier und einem eigentlich treuen Begleiter.

Ich bin sicher, daß er Euch allen bekannt ist, und beneide jeden, der in seinem Leben noch keine Begegnung mit ihm hatte. Es ist der innere Schweinehund. Zu dessen Tötung ich Euch ermutigen will.

Seien wir mal ehrlich, wer kennt die Situation nicht, bei Aufgaben, die erledigt werden müssen, ersteinmal Ablenkung in allen anderen Tätigkeiten zu suchen.

Der innere Schweinehund taucht immer dann auf, wenn es darum geht Aufgaben zu erledigen. Er taucht immer dann auf, wenn eine Zwangssituation auftritt, in der bestimmte Dinge einfach erledigt werden müssen. - Man denke noch an den letzten Termin zur Lohnsteuererklärung oder der Notwendigkeit, sich mal wieder das Rauchen abzugewöhnen. Es ist fatal, aber genau in diesen Momenten taucht er auf. Er sorgt dafür, daß die Erledigung eigentlich ganz einfacher Dinge unendlich schwer wird. Warum schreitet man denn eigentlich nicht zur Tat?

Man kann diese Situation, die fatalerweise entsteht, nicht etwa auf Bequemlichkeit zurückführen. Oder findet es etwa jemand bequem vier doppeltverglaste Altbaufenster zu putzen? Nein es ist immer dasselbe. Man überbrückt die Zeit, in der man eigentlich etwas zur Erledigung seiner Aufgaben tun könnte, bis zum letzten Moment.

Dann setzt sie allerdings ein. Die plötzliche Arbeitswut. In einem Artikel vom 24.02.1998 der VDE Nachrichten wird darüber berichtet, daß Wissenschaftler festgestellt haben, daß dies mit einer vermehrten Endorphinausschüttung im Gehirn zusammenhängt. Wir benötigen angeblich den dazugehörigen Streß, um zur Tat zu schreiten. - Das, was dann mitunter die ganze Nacht dauern kann, steht außer Frage. Experten haben sogar festgestellt, daß die Menschen, die immer alles auf die letzte Tüte erledigen, sich langsam aber sicher an diesen Zustand gewöhnt haben. Sie können nicht mehr anders. Solche Menschen sagen dann immer, sie benötigen den gewissen "Kick".

Warum nicht? könnte man jetzt entgegnen: Die anstehenden Aufgaben werden doch letztendlich erledigt?

Aber ich sage, es ist notwendig den inneren Schweinehund zu töten, denn, neben dem unendlichen Zeitgewinn, ist es das Ziel, ein selbständiger Mensch zu werden.

Ja, werdet ihr mir jetzt zurufen. Hast Du es denn geschafft?

Und ich kann Euch sagen: Es ist ein ständiger Kampf gegen dieses Untier notwendig, der immer wieder aufs Neue geführt werden muß. Der innere Schweinehund muß Tag für Tag neu erlegt werden. Und Ihr werdet sehen, wie dies mit dem Einsatz von immer wieder notwendiger Selbstdisziplin Schritt für Schritt zum Erfolg führt.

Ich weiß, es ist nicht meine Aufgabe, Euch hier zu etwas zu überreden, sondern zu überzeugen. Deshalb nenne ich Euch ein paar Beispiele, wie man das Unwesen "innerer Schweinehund" in seine Gewalt bekommt. Und warum es sich lohnt dies zu tun:

1. Schritt:

Erkennen und Orten des inneren Schweinehundes.

Wo steckt der innere Schweinehund?
Schweinehunde scheuen die Öffentlichkeit. Sie sind klassische Haustiere, die sich vornehmlich in Wohnungen aufhalten.

Wo hat sich der innere Schweinehund versteckt?
Welcher Herausforderung wollen wir uns nicht stellen? Und lenken uns statt dessen mit solchen profanen Dingen, wie dem Hausputz ab?
Wir werden feststellen, daß der innere Schweinehund immer dann auftaucht, wenn ein Zwang vorliegt.

2. Schritt : Ein nächster Schritt ist die Überlistung des Schweinehundes.
Hierzu möchte ich zwei Lösungsmöglichkeiten vorstellen:
Eine davon wäre, sich die zu erledigenden Aufgaben bewußt zu machen. Wir erstellen uns hierzu einen Plan. Ein einfacher DIN4-Bogen kann dabei schon hilfreich sein. Hierauf schreiben wir dann alle Dinge, die an diesem Tage bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt werden sollen.

Die zweite Methode ist die Flucht. Da Schweinehunde, wie schon erwähnt, die Öffentlichkeit scheuen, sollten wir ihr gewohntes Territorium - die Wohnung - meiden. Gehen wir in Bibliotheken und unter Menschen, die das selbe Ziel haben, nämlich dem inneren Schweinehund zu entkommen. Treffen wir Verabredungen mit Kommilitonen und vereinbaren wir Arbeitstreffen, zu denen bestimmte Ergebnisse präsentiert werden müssen.

Ich gebe zu, die o.g. Lösungsansätze sind lediglich Verwaltungstätigkeiten.
Verwaltungsakte produzieren keine Erfahrungen, deswegen bitte ich Euch mir noch einen weiteren Schritt zu folgen:

Schritt 3 :

Warum Töten des inneren Schweinehundes?

Dieser Punkt verlangt, wie ich schon sagte, äußerste Disziplin, denn nichts ist schwieriger, als sich eines - wenn auch verhaßten - Zeitgenossen durch Mord zu entledigen. Aber es ist notwendig.

Überlegen wir uns, wie es den Menschen geht, die diesen gewissen "Kick" benötigen, um in die Gänge zu kommen: Unter größter Hektik erledigen sie zwar ihre Aufgaben dann letztendlich doch, aber ihnen fehlt die Ruhe, die Ergebnisse ihrer Arbeit zu genießen. Sie sind ja bis zur letzten Minute beschäftigt, haben also keine Freizeit, und können sich nicht entspannen.

Steht eine nächste Aufgabe an, so schieben sie diese wieder vor sich her, bis zum "ultimativen Abgabetermin". Sie sind die klassischen Opfer des inneren Schweinehundes. Die Gehetzten eines imaginären Untiers.

Diesen gewissen "Kick" nenne ich den altbekannten "Tritt in den Hintern".

Glaubt mir: Es existieren Heerscharen von Personalchefs und Vorgesetzten, die ein perverses Lustempfinden dabei verspüren anderen in den Hintern treten zu können. Sie warten förmlich darauf, daß man zu spät zur Arbeit kommt, damit sie einem eine Abmahnung erteilen können. Schon um diesen Leuten das Vergnügen nicht zu gönnen plädiere ich dafür, nicht auf den gewissen "Kick" zu warten, sondern selbst zu handeln.

Wenn die Erledigung einer Aufgabe einen Zwang darstellt, stellen wir den Zwang ab !

Eine einfacher Ansatz hierfür ist alle Aufgaben mit dem Vorsatz "Ich will" zu verknüpfen:

"Ich will meine Lohnsteuer erledigen."

"Ich will mit dem Rauchen aufhören."

"Ich will meine Rede halten."

Daraufhin begeben wir uns an die Arbeit, denn es wird sich herausstellen, daß nur die ersten zehn Minuten die sind, in denen uns die Arbeit noch schwer fällt.

Ich kann Euch heute diese Rede präsentieren, weil ich die o.g. Punkte beherzigt habe.
Zudem ist inzwischen meine Küche renoviert.

Fassen wir also zusammen:

Es ist notwendig den inneren Schweinehund zu besiegen, um Zeit zu gewinnen.

Es ist notwendig den inneren Schweinehund zu besiegen, um ein selbständiger Mensch zu werden. Denn nur in der wirklichen Selbständigkeit liegt die Freiheit !

Laßt uns den inneren Schweinehund töten!

 

 

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Letztes Update: 2. Januar 2017