Unfaire Rhetorik ist, Menschen an ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, Rasse, Religion, ihrem Aussehen, ihren Krankheiten und Gebrechen zu beleidigen und sich darüber lustig zu machen. Herbert Wehner sagte mal zu Graf Lambsdorff: "Holzbein - Holzkopf". Das war unfair. Man kann sich für seine unfaire Rhetorik entschuldigen, sofern einem einmal etwas Unfaires rausgerutscht sein sollte. Im Bundestag wird derlei unfaire Rhetorik nicht geduldet. Man darf dort zwar Parteien und andere Denkungsart und Weltanschauungen beleidigen (Heinrich Geißler: 'die SPD sei die fünfte Kolonne des Sowjet-Kommunismus...'), nicht aber einzelne Personen ("...die Würde des Menschen ist unantastbar").
Merke:
Polemik ist keine unfaire Rhetorik. Polemik ist zwar dogmatisch, einseitig und unversöhnlich, jedoch nicht unfair.
Demagogie, obwohl moralisch vielleicht verwerflich, muß nicht immer unfaire Rhetorik sein. Unfaire Rhetorik ist nicht gleichzusetzen mit Demagogie.
Die Demagogie benutzt allerdings gerne mehr als nur unfaire Rhetorik, Beispiele dafür bieten die demagogischen und rassistischen Reden von Goebbels, wo er Menschen als "Untermenschen", als Ratten und Ungeziefer bezeichnet.
Zusammenfassend: Unfaire Rhetorik ist ein Schlag unter die Gürtellinie, verletzend, aber nicht tödlich: Lustig machen über Nase, Haut, Gebrechen, Religion, Holzbein, Geschlecht, Intimitäten usw. Kein Mensch kann etwas für seine Herkunft und seine Rasse, sein Geschlecht, seine Verwachsungen oder Behinderungen. Unfaire Rhetorik ist verurteilenswert. Aber manchmal ein rhetorischer Trick. Und wenn ich schonmal unfair werde, dann sollte ich mich dafür sofort entschuldigen. - Wehner hat sich bei Lambsdorff übrigens nie entschuldigt, Lambsdorff's Rhetorik ist - obwohl gekonnt - manchmal ja auch ziemlich (oder unziemlich) unfair, obwohl er dieses äußerst geschickt verpackt.