Die Klassische Rhetorik


In der klassischen Rhetorik gab es Redefiguren:

I. Figuren des Ausdrucks:

1.) Namenstausch (Metonymie):
- "der Homer" = die Werke des Homer
- "der Lorbeer" = der Sieg
- "der Himmel" = Gott

2.) Mitverstehen (Synekdoche), ein besonderer Teil für das Ganze(pars pro toto):
- "das Heer zählte 1000 Köpfe" = 1000 Mann
- "nicht über meine Türschwelle" = nicht in mein Haus

3.) Beseelung (Prosopopöie), Personifikation lebloser Dinge:
- "oh du, der Traube Sohn" = Wein
- "das Glück ist ihm nachgelaufen" = er hat immer Glück gehabt

4.) Übertragung, bildlicher Ausdruck (Metapher):
- "Glut" = Leidenschaft
- "das Schiff der Wüste" = das Kamel

5.) Anspielung (Allusion):
a) Allgemeines für Einmaliges:
- "der große Reformer" = Luther
b) Einmaliges verallgemeinert:
- "ein Alexander" = ein Eroberer

6.) Bildhafte Umschreibung (Periphrase):
- "das Land, wo die Zitronen blühen" = Italien
- "das Land, wo die Kanonen blühen" = Deutschland von Erich Kästner

II. Figuren der Belebung

1.) Übertreibung (Hyperbel):
- "die Hölle war los" = es war viel los

2.) Schmückendes Beiwort (Epitheton ornans):
- "die sonnigen Gipfel der sommerlichen Alpen"
ähnlich andere dichterische Zusätze (Appositionen):
- "Aurora, Bringerin des Tages"

3.) Sprachliche Umschreibung (analytischer Ausdruck):
- "den Sieg erringen" = siegen

4.) Verneinung zur nachdrücklichen Bejahung (Litotes):
- "nicht eben groß" = klein
- "nicht schlecht" = recht gut
- "gar nicht dumm" = recht gescheit

5.) Naherücken durch Gebrauch der Gegenwart (Präsens historicum):
- "still war’s im Garten - doch was rührt sich da?"

III: Stellungsfiguren

1.) Wortpaare (besonders mit gleichem Anlaut [Reimstäbe] und Reimen):
- "mit Mann und Maus"
- "bei Tag und Nacht"
- "singen und klingen"

2.) Wortwiederholung:
- "lieber, lieber Vater"
- "komm, oh komm, Geselle mein!"

3.) Wortreihen
a) mit "und" (Polysyndeton):
- "und es wallet und siedet und brauset und zischt"
b) ohne "und" (Asyndeton):
- "ich kam, sah, siegte..."
c) mit Steigerung im Ausdruck:
- "stundenlang, tagelang, wochenlang warteten wir auf dich..."

4.) Wiederholung in Sinn und Form (Parallelismus):
- "und Gott gab seine Macht ins Gefängnis und seine Herrlichkeit in die Hand des Feindes"

5.) Kreuzstellung (Chiasmus):
- "der Herr fördere das Werk unserer Hände, ja das Werk unserer Hände wolle er fördern".

6.) Wiederaufnahme (Anapher):
- "Geld war sein Streben, Geld war sein einziger Gedanke, Geld sollte ihm alles andere ersetzen."

IV: Rednerische Satzformen

1.) Rednerische Frage:
- "ich hätte mich soweit vergessen können?" = ich habe mich also soweit vergessen
je nach Tonfall u.U. auch = es war ganz unmöglich, daß ich mich soweit vergessen konnte
- Rhetorische Frage = eine Frage, die eine Aussage in Frageform kleidet, sodaß die Aussage dadurch klar wird

2.) Ausruf:
- "o traurige Wahrheit!" = das ist eine traurige Wahrheit

3.) Wunsch:
- "vergelte es dir Gott!" = Dank

4.) Hervorhebender Nebensatz:
- "du sprichst von Zeiten, die vergessen sind" = von vergangenen Zeiten
- "der Dieb ist’s eben, der’s wissen will" = der Dieb will es eben wissen.


Die alte schulmäßige Redekunst ... hat sich abgelebt. Der große angelernte Ton ist für uns ein unerträglicher Klang. (Friedrich Naumann)

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    LARS-Methoden Kurze deutschsprachige Einführung in die Rhetorik.
    Kurzgefaßtes Lehrbuch der Rhetorik, das als Einführung in die rhetorische Textproduktion betrachtet werden kann (Uni Heidelberg).
    Rhetorik-Linkliste der Uni Tübingen
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