Die zweite Bedeutung des Begriffs Protokoll ist die Gesamtheit der im diplomatischen Verkehr beobachteten Regeln der Höflichkeit und guten Form, die in Vorverhandlungen erarbeitet und "protokolliert" wurden. Die Verantwortung trägt der "Chef des Protokolls". In solchen Vorverhandlungen z.B. zwischen zwei Völkern und deren Vertreter, die zum Staatsbesuch kommen, wird festgelegt, über was gesprochen werden soll und über was nicht gesprochen werden soll, außerdem über die äußere Form des Staatsbesuches ('großer Bahhof', 'kleiner Bahnhof' oder gar nur 'privater Besuch'), der "Chef des Protokolls" sorgt für die Einhaltung der im Protokoll festgelegten Einzelheiten.
Dies sind Protokolle für den Papierkorb. Sie erläutern nichts und sind ungeeignet für Kommilitonen, die abwesend waren, sie können daraus nichts über Rhetorik erfahren. Ein Protokoll ist die Niederschrift der verhandelten Sache, also der Gesprächs-Inhalte, nicht der Tätigkeit des Darübersprechens. Es wird ja nicht der Verhandlungsleiter und das, was er sagt und tut verhandelt. Die im Rhetorik-Kurs verhandelte Sache ist die Rhetorik. Wenn z.B. in einem Gerichtsprotokoll nur stehen würde: "Der Richter hört sich die Ausführungen des Angeklagten an, dann bittet er den Verteidiger um das Plädoyer für den Angeklagten, zum Schluß fällt er das Urteil" wäre das im besten Fall nur ein Beweis über ein zeitliches Alibi für den Richter, aber keine Niederschrift der Verhandlung und deren Inhalte. Ich nenne solche Protokolle Erlebnisprotokolle, Protokolle müssen aber immer Ergebnisprotokolle sein.