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Gesucht waren die "schärfsten rhetorischen Zungen Berlins", und immerhin rund fünfunddreißig Anwärter auf diesen Ehrentitel fanden sich zur "vierten Berliner Redeschlacht" in der Hochschule der Künste ein. Bevor sie zu dem Kräftemessen starten durften, wurden sie von ihrem Lehrer auf die Geschäftsordnung eingeschworen. Holger Münzer, HdK-Lehrbeauftragter für Rhetorik und Moderation, kürte sich in einem Handstreich selbst zum Vorsitzenden des Präsidiums und der Jury und verlas neun Paragraphen zur "Wahrung der Würde des Hauses": "Vor jeder Rede ist das Präsidium zu begrüßen." Und, natürlich: "Das Präsidium kann jederzeit jedem das Wort entziehen." Durch ein rot-weiß gestreiftes Trasierband voneinander getrennt, entfesselten die zwei einander gegenübersitzenden Parteien ihre Debatte. Kein Wunder, bei der Brisanz des Themas: "Die weiße Socke oder Leben in der Schublade." Ein mißtreißendes Eröffnungsplädoyer für Toleranz und weiße Socken wurde schier in der Luft zerrissen, als Katharina Cetin schweres Geschütz auffuhr: "Die Tennissocke, dem Trägergeschlecht nach männlich, ist zwar historisch begründet aber keineswegs entschuldbar. |
Vielmehr manifestiert sich in dem hochgelobten Frottee eine aus heutiger Sicht unerträgliche männliche Ignoranz." Als "Ausdruck der Überlegenheit und eines gehobenen Status" wollte Burkhard Piller weiße Socken verstanden wissen. In der Gestik eines Platon schlug er das Forum in seinen Bann, als er die Tennissocke zum "Zeichen für das Lebendige, für das Leben an sich" stilisierte. Katrine Ofosu entlarvte auch diesen rhetorischen Ballon ihres Vorredners als "heiße Luft". "Eine weiße Socke, peinliches Attribut deutschen Sauberkeitswahns, ist schließlich etwas anderes als eine weiße Weste." Der Vorsitzende des Präsidiums faßte schließlich zusammen: "Zwar sind wir in der Theorie vorangekommen, wichtige Meinungsäußerungen stehen jedoch noch aus." Für verbale Gestaltung, überzeugende Argumentation und hervorragende rhetorische Fähigkeiten wurden Katrine Ofosu, Burkhard Piller und Katharina Cetin mit Schaumwein ausgezeichnet. Womit auch sonst? JÖRG DÖSCHER |