Manipulation ist immer möglich, wenn eine Meinung, eine Absicht, eine Ansicht einem oder mehreren Menschen beigebracht werden soll. Manipulation versucht, Kritikfähigkeit beim Andren möglichst zu unterbinden, damit eben keine unangenehmen, (sprich: kritischen) Fragen gestellt werden. Manipulierte Menschen »kriegt man leichter ‘rum«. Insofern wirkt Manipulation im Kern gar heimtückisch. Dem Redner aber geht es unter anderem in der Regel darum, Menschen von sich oder seinem Produkt oder seiner Ansicht überzeugen zu wollen, d. h. deren Meinung für sich zu gewinnen. Eine Manipulation kann dabei kaum verhindert werden, besonders, wenn der Redner selbst vom Wahrheitsgehalt seiner Meinung überzeugt ist, also gar nicht böswillig manipulieren will sondern wirklich überzeugt. Auf diese Weise ist Manipulation nicht verhinderbar. Prominente Redner haben hier eine ebensolch hohe Verantwortlichkeit wie etwa Journalisten, Politiker, Prediger und andere gesellschaftlich relevante Einzelpersonen.
Leichtgläubige, naive und auch weniger wissende Menschen lassen sich allerdings leichter manipulieren als kritische. Zur Manipulation gehören aber immer zwei: nämlich derjenige auch, der sich manipulieren läßt. Am einfachsten kann man manipulieren, indem man Informationen verfälscht, verschweigt oder nur teilweise oder dogmatisch, einseitig weitergibt oder durch eine Unwahrheit, die als Wahrheit - vielleicht gar mit Emotion verstärkt - verkauft wird. Ein guter Rhetoriker hütet sich am besten vor jeglicher Manipulation, so gut er nur kann und sollte dabei wissen, daß er dennoch manipuliert. Einziger Maßstab kann sein Gewissen sein. Der Adressat seinerseits kann durch die Kenntnis um Manipulation und seiner Kritikfähigkeit viel dazu tun, nicht manipuliert zu werden. (Die ganze Heimtücke des Dilemmas der Manipulation wird offensichtlich in der Kurzrede des UdK-Studenten Peter Osang im Anhang: Kurzreden von Studenten.)