Wie in der großen Rede ist in einer Kurzrede die Dreiteilung:
1.) Sagen Sie, was Sie mitteilen wollen (Exposition: höchstens ein Viertel der Redezeit)
2.) Teilen Sie das Mitzuteilende mit (Redekern: Dreiviertel der Redezeit)
3.) Fassen Sie das Gesagte zusammen (Schluß: möglichst knapp)
1.) Sagen Sie, was Sie mitteilen wollen, worüber Sie reden wollen (Exposition: Einstieg/Einstimmung), Sie müssen nicht unbedingt den Titel nennen, es muß aber klar werden, warum Sie über ein bestimmtes Thema reden wollen und was Sie damit zu tun haben.
2.) Teilen Sie das Mitzuteilende mit (Redekern)
Jetzt wird das Mitzuteilende mitgeteilt: über alles läßt sich etwas sagen, sind
Überlegungen möglich. Halten Sie keinen wissenschaftlichen Vortrag, der
Redner ist kein Lexikon, reden Sie von Ihren Ansichten und Meinungen.
Lassen Sie sich auch hier vom Publikum helfen, die richtigen Gedanken und
dessen Ausdruck zu finden und auszusprechen indem Sie beobachten, ob
Ihre Aussage auch wirklich verstanden wurde.
3.) Fassen Sie das Gesagte zusammen (Schluß)
Fassen Sie die einzelnen
Ergebnisse knapp zusammen. Haben Sie keine Angst vor Wiederholungen,
Wiederholungen vertiefen (Friedrich Naumann: Kunst ist es, die Wiederholung
so zu gestalten, als ob sie eine Erstgeburt wäre. Kunst ist es, am oft
Gehörten Neues zu zeigen, das Notwendige zum hundertsten Male so gut
auszusprechen, daß es nicht müde macht).
Die Überzeugungskraft kommt wie bei einer großen und vorbereiteten (öffentlichen) Rede aus meiner Motivation. Dazu kommt das Handwerk, Sätze rednerisch zu formulieren und auf den Punkt zu bringen bis zum Höhepunkt.
Gestalten Sie den allerletzten Satz prägnant, der Applaus gilt dem Schlußsatz!
Themenwahl:
Viele haben Schwierigkeiten damit, Themen aus ihrem
eigenen Leben zu bringen. Sie fürchten, sich damit zu sehr vor den Anderen
zu offenbaren. Wer redet muß sich aber offenbaren. Er offenbart sich ja
auch, wenn er Unwichtiges erzählt, schon durch seine Erscheinung: sein
Körper spricht, seine Diktion verrät ihn, seine Ängste werden sichtbar, er
stellt sich selbst dar. Das Publikum mit langweiligen Inhalten zu belästigen
ist ein Mißbrauch des Publikums. Sie sollen sich nicht wichtigmachen, Sie
sollen überzeugen!
Also zeigen Sie den nötigen Mut, offenbaren Sie sich: Wählen Sie ein Thema aus Ihrem Leben Sprechen Sie aus Ihrem Herzen - nicht aus Büchern. Es gehört viel Mut dazu, zu sich selbst zu stehen, so zu erscheinen, wie man tatsächlich ist, das zu vertreten, was man wirklich denkt. Das ist auch eine Offenbarung seiner selbst. Wie kann ich mich aber offenbaren, wenn ich mich verberge? - Wie soll ich jemand davon überzeugen, etwas zu tun, was ich für richtig halte, wenn ich mich verberge aus Angst davor, „ent“-deckt zu werden? Wie kann ich jemand für mich gewinnen, wenn ich nicht dazu stehe, wer ich bin ? Letzten Endes ist alle Kunst Selbstdarstellung, auch die Redekunst. Ob Sie singen, malen, schreiben oder reden, überall tun Sie es selbst. Ihre Umgebung, Erbanlagen und Erfahrungen haben Sie geformt (Dale Carnegie).
Sich selbst darzustellen ist nicht so leicht, wie es aussieht und aussehen muß. Es gehört Mut dazu. Doch nur wer wagt gewinnt.
Siehe auch: Beispielhafte Kurzreden von Studenten