Eine Schülerin schickte mir die Nachricht: Ich bin auf der Suche nach einer Seite, die mir beim Schreiben eines Textes hilft. Ich brauche etwas, wo ich ein Wort oder einen Satz eingeben kann und die absolute komplizierte Umschreibung dessen bekomme...
Meine Antwort: Ziel einer guten Rhetorik ist das haarscharfe Gegenteil: nicht die "absolut komplizierte Umschreibung" sondern die allereinfachste Ausdrucksweise selbst für komplizierte Zusammenhänge, sodaß selbst ein Zwölfjähriger sie mühelos versteht. «Je komplizierter das Gesagte wirkt, desto weniger hat man es durchdacht!» (Richard von Weizsäcker)
Denk darüber mal nach.
In meinem Rhetorikbuch schreibe ich:
Schlecht: Essentiell signifikanter wird ergo evident, daß exempli causa minimierter spezifiziertes Auditorium, das der Oratio eventualiter dito auditiert, konkludent instruiert wird.
Das halte ich für intellektualistisch und angeberisch. In gutem Deutsch wirkt selbiges viel überzeugender.
Gut: Wesentlich bedeutsamer ist also, daß z.B. weniger fachkundiges Publikum,
das die Rede vielleicht ebenfalls hört, überzeugt wird.
Goethe hielt dafür, daß man, was sich nicht auch klar und verständlich sagen ließe, nicht sagen solle. Er ist ein Schriftstellerleben lang ruhmreich mit dieser Regel verfahren.