Interpunktion in der geschriebenen Rede dient zunächst nur dem leichteren Verständnis des Textes beim Lesen. Zunächst sollten Sie es vermeiden allzuviele Relativsätze einzubauen, es gilt: keine
Schachtelsätze sondern: Hauptsätze. Hauptsätze. Hauptsätze. (
Tucholsky in "
Ratschläge für einen guten Redner". Man beachte: er setzt jedesmal einen Punkt. Ich habe es mir zur Regel gemacht, lange Sätze zu "zerschlagen".
In der Schule war es üblich, daß die Deutschlehrerin im Diktat bei einem Komma mit der Stimme nach oben gegangen ist. Dieses tat sie, um uns mitzuteilen, daß hier ein Komma stehen soll. In einer Rede klingt das aber aufgesetzt. Wo immer es also möglich ist, Nebensätze zu zerschlagen um daraus Hauptsätze zu machen tue ich dieses, auch wenn die Grammatik dabei nicht exakt befolgt wird. Erich Kästner hat in seinem berühmten Satz "Es gibt nicht Gutes. Außer man tut es." bewußt einen Punkt dazwischen gesetzt. Lesen Sie diesen Satz mal anders: "Es gibt nicht Gutes, außer man tut es." Dann hören Sie, was ich meine. Die erste Aussage ist: "Es gibt nichts Gutes." (das "Gute
an sich" gibt es nicht, sagt Kästner damit definitiv. Werte unterliegen immer einer Werteskala.) Und dann erst kommt die erfreuliche Mitteilung mit einem neuen Ansatz: "Außer man tut es." Dies ist ein Beispiel, um Musik in der Sprachmelodie zu erzeugen.
Das gilt nicht prinzipiell für alles, es mag auch sein, daß Sie andeuten wollen, daß der Gedanke noch nicht zu Ende ist. Möchten Sie die Melodie in der Schwebe halten, verwenden Sie andere Satzzeichen.
Dasselbe gilt auch für Fragezeichen: die Frage geht in der deutschen Sprache aus der Satzstellung hervor. Wenn ich mit meiner
Sprachmelodie bei einer Frage mit der Stimme nach unten gehe wie bei einem Punkt so kann dies eindringlicher klingen. Vergessen Sie jedoch niemals, daß Melodie mit Musik zu tun hat: es muß also "klingen":
Setzen Sie Satzzeichen bewußt und mit Musikgehör.
Ich rede hier von Rhetorik und der Rede bzw. ihrem Vortrag. In der Werbung mag das anders sein. Der Werbetexter
Aurel Gergey macht dazu teilweise andere Anmerkungen. Lesen Sie dazu ab Seite 27 in seiner Datei
Formulieren: Guter Ausdruck macht Eindruck. Für Werbetexter sind seine Anleitungen sehr hilfreich.
Er gibt die Überschriften:
Satzzeichen als Lesehilfen einsetzen
- - Punkte ihrer Endgültigkeit berauben
- - Sätze nicht mit Kommas zu Nebensätzen erniedrigen
- - Mit Doppelpunkten berechtigte Hoffnungen machen
- - Funktionieren Fragezeichen?
- - Bindestriche als Gliederungshilfen verwenden
- - Mit Strichpunkten schwebende Übergänge schaffen
- - Ausrufezeichen als Gefühlshochstapler entlarven
Im Kern sind wir uns jedoch einig. Außer daß ich nicht "Kommas" sage sondern "Kommata"
<grins>.