Eine Rede ist das beste Mittel zur Motivation

(Quelle: Lee Iacocca, "Eine amerikanische Karriere", Econ-Verlag 1985)


Reden = motivieren
Reden = plastisch formulieren
Reden = Geschichten erzählen
Reden = Zielgruppe studieren

Kommunikation ist die einzige Möglichkeit
zu motivieren

»... Die einzige Möglichkeit, einen Menschen zu motivieren, ist die Kommunikation. Obwohl ich in der High-School dem Debattier-Club angehört hatte, scheute ich zunächst davor zurück, in der Öffentlichkeit zu sprechen. In den ersten paar Jahren meiner Berufstätigkeit war ich introvertiert, ein Veilchen, das im Verborgenen blüht.

ich lernte reden am Dale-Carnegie-Institut

Aber das war, bevor ich einen Kurs in öffentlichem Sprechen am Dale-Carnegie-Institute absolviert hatte. Damals war ich bei Ford soeben zum nationalen Lkw-Schulungsleiter ernannt worden. Der Konzern schickte mich mit einigen anderen Mitarbeitern zu Dale-Carnegie, um uns in den Finessen der Rhetorik unterweisen zu lassen.

Der Lehrvorgang begann damit, daß man uns aus unseren Schneckenhäusern lockte. Manche Menschen - und ich zähle zu ihnen - können den ganzen Tag vor ein, zwei Leuten sprechen, aber sobald sie eine größere Gruppe vor sich haben, sind sie ziemlich nervös.

während des Redens denken, improvisieren

Eine Übung, an die ich mich erinnere, bestand darin, daß wir zwei Minuten lang über ein Thema extemporieren mußten, über das wir nichts wußten - wie beispielsweise Zen-Buddhismus. Man konnte zunächst sagen, daß man nicht wisse, was das sei, aber dann mußte man weiterreden - ziemlich bald fiel einem irgend etwas dazu ein. Es ging darum, einen daran zu gewöhnen, während des Redens zu denken, kurz, zu improvisieren.

grundlegende Techniken der freien Rede

Wir lernten einige grundlegende Techniken der freien Rede, die ich immer noch praktiziere. Als Redner kann man sein Thema drauf haben, aber man darf nicht vergessen, daß die Zuhörer mit etwas für sie Neuem konfrontiert sind. Es empfiehlt sich daher, ihnen zunächst mitzuteilen, was man ihnen mitteilen will. Dann teilt man es ihnen mit. Schließlich faßt man das Gesagte nochmals für sie zusammen. Von diesem Prinzip bin ich nie abgewichen.

Eine weitere Technik: Zuhörer immer zu einer Handlung auffordern
Hemmungen abstreifen

Eine weitere Technik, die wir lernten, war, die Zuhörer immer zu irgendeiner Handlung aufzufordern, bevor man schließt. Es spielt keine Rolle, zu welcher: schreiben Sie an Ihren Abgeordneten, rufen Sie Ihren Nachbarn an, lassen Sie sich eine bestimmte These durch den Kopf gehen. Mit anderen Worten, gehen Sie nicht fort, ohne einen Auftrag mitzunehmen.

Im Laufe der Wochen begann ich, mich zunehmend zu lockern. Ziemlich bald war ich bereit, aufzustehen und zu sprechen, ohne aufgefordert werden zu müssen. Mir gefiel die Herausforderung. Es kam darauf an, Hemmungen abzustreifen, und in meinem Fall ist das zweifellos gelungen. Sobald ich anfing zu sprechen, konnte ich nicht genug davon kriegen. (Sicher gibt es Leute, die wünschen, ich hätte nicht so großen Gefallen daran gefunden!)

Rhetorik-Kurs bringt Durchbruch

Bis heute halte ich große Stücke auf das Dale-Carnegie-Institute. Ich habe viele Ingenieure mit fabelhaften Ideen kennengelernt, denen es schwerfiel, diese anderen zu vermitteln. Es ist immer schade, wenn ein talentierter Mensch den Vorstand oder einem Ausschuß seine Gedanken nicht mitteilen kann. In der Mehrzahl der Fälle würde ein Dale-Carnegie-Kurs den Durchbruch bringen.

Nicht jeder Manager muß sich mündlich oder schriftlich gut ausdrücken können. Aber heute verlassen mehr und mehr junge Leute die Schule ohne die grundlegende Fähigkeit, sich klar äußern zu können. Ich habe Dutzende von introvertierten Leuten auf Firmenkosten zu Dale-Carnegie geschickt. In den meisten Fällen hat es sich wirklich gelohnt.

Kommunikation ist eine wechselseitige Sache

Ich wünschte nur, ich könnte ein Institut finden, wo die Leute lernen, auch zuzuhören. Ein guter Manager muß schließlich mindestens genausogut zuhören wie reden können. Zu viele Menschen machen sich nicht klar, daß wirkliche Kommunikation eine wechselseitige Sache ist ...

es bedarf einer gründlichen Vorbereitung

Die üblichere Form der Kommunikation mit den Mitarbeitern ist natürlich, sie als Gruppe anzusprechen. Eine Rede vor einer Versammlung - das beste Mittel, um eine große Gruppe zu motivieren - ist etwas völlig anderes als ein persönliches Gespräch. Zum einen bedarf es gründlicherer Vorbereitung. Da nützt alles nichts; man muß seine Hausaufgaben machen. Ein Redner kann sehr gut informiert sein, aber wenn er sich nicht genau überlegt hat, was er heute diesem Publikum mitteilen will, dann sollte er darauf verzichten, die wertvolle Zeit anderer Leute in Anspruch zu nehmen.

Es ist wichtig, Menschen in ihrer eigenen Sprache anzusprechen. Wenn einem das gut gelingt, werden sie sagen: ‘Hm, er hat genau gesagt, was ich dachte.’ Und wenn sie beginnen, einen zu respektieren, dann werden sie einem bis in den Tod folgen. Sie folgen einem nicht, weil man irgendwelche geheimnisvollen Führungsqualitäten besitzt, sondern, weil man ihnen folgt.

So verfährt auch Bob Hope, wenn er einen Mann vorausschickt, um seine Zuhörer zu erforschen, damit er Witze machen kann, die mit ihnen und ihrer Situation zu tun haben. Wenn man einen solchen Auftritt im Fernsehen sieht, versteht man vielleicht gar nicht, was er sagt. Aber das Publikum im Saal weiß es zu würdigen, wenn sich ein Redner die Mühe gemacht hat, etwas über seine Zuhörer in Erfahrung zu bringen. Nicht alle können es sich leisten, einen Mann vorauszuschicken, aber die Botschaft ist klar: Öffentliches Sprechen bedeutet nicht unpersönliches Sprechen.

ich benutze immer ein Manuskript

Obwohl ich wahrscheinlich zwei Stunden lang improvisieren könnte, benutze ich immer ein Manuskript. Ganz frei zu sprechen, ist einfach ermüdend. Meine Kompromißlösung besteht darin, einen vorbereiteten Text zu haben und davon abzuweichen, wann immer es mir nötig erscheint ...«


Gehe zu: Rhetorik-Stichwortverzeichnis | Rhetorik (Index methodisch)
Kultur-Netz | Auskunft


Programmierung und Design: © Kultur-Netz-Service