Aufklärung über Rhetorik
aus "Aufklärung über Rhetorik
Versuche über Beredsamkeit, ihre Theorie und praktische Bewährung"
von Gert Ueding (Verlag Max Niemeyer Tübingen 1992)
Rhetorik ist von ihrem historischen Ursprung und nach ihrem klassischen Selbstverständnis ein der Aufklärung verpflichtetes Bildungssystem, das nicht wie die (Platonische) Philosophie Mythos und Tradition absolut setzte, sondern als Produkte historischer Genealogien erkannte und zum Gegenstand rational-kritischer Argumentation machte. Die Wahrheit verlor ihren metaphysischen Grund und die Philosophen ihre Aura als deren irdische Statthalter: sie haben sich schadlos gehalten und ihrerseits der Rhetorik als Schein- und Schmeichelkunst jeden Zugang zur wahren Erkenntnis absprechen wollen. Wie erfolgreich, zeigt das bis heute nachwirkende Zerrbild der Sophistik, das Platon und die Platonische Philosophie selber mit rhetorischen Mitteln verbreitet haben. Doch wie erfolglos auch, lehrt die Geschichte aller Aufklärungsbewegungen von der Antike über Renaissance, Humanismus und das Zeitalter der Vernunft (das 18. Jahrhundert) bis zur kritischen Philosophie und Literatur der Gegenwart. Aufklärung über Rhetorik thematisiert also immer auch den konstitutiven Zusammenhang von Rhetorik und Aufklärung.
(Zusatz: Joseph von Eichendorf schrieb "Keine Verfassuing garantiert sich selbst", Hambacher Fest 1832)
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