Alamanni und Sueben
von Holger Münzer

Das südwestdeutsche Sprachgebiet oder der südwestliche Teil des gesamten deutschen Sprachraumes ist nicht identisch mit Südwestdeutschland. Es ist lediglich ein kleiner Teil des alemannischen Sprachgebiets. Die alemannische Sprache geht ja ganz erheblich über die deutschen Staatsgrenzen hinaus: von Baden (südlicher Schwarzwald etwa ab der Kinzig) in das Elsaß (Vogesen), in die gesamte deutschsprachige Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein bis zum Lech, in das Allgäu, in das „Land vor dem Arlberg“, das österreichische Bundesland Vorarlberg bis Tirol.

Anstatt der Schreibweise "Alemannisch" (von Tacitus falsch so genannt "Alemannia") wäre im Verständnis der Urgermanen / Germanen (vgl. "Indogermanischer Sprachbaum") diese Schreibweise wäre richtiger: "Alle Manen":
"Manen" heißt einfach "Volk", aber auch "Männer" (vgl. engl. "men").
Bei den "Manen" waren nämlich auch Frauen, denn Frauen sind ja auch Menschen, - das war nicht immer so. Sie warfen allerdings keine Speere. Man traf sich im "Thing", einem Ort unter einem heiligen Baum (einer Linde). Daher rühren die Städtenamen (z.B. Emmendingen, Villingen, Solingen usw., sogar auch Thüringen) mit der Endung "...ing" oder .."ingen", sehr häufig in Baden, Südwürttemberg, Bayrisch-Schwaben, Elsaß, Schweiz, Teile aus Sachsen / Thüringen).
Ich erinnere mich an ein Lied, das wir auf der Straße gesungen haben: "Alle Mane sind halt Puëschte" ("Puëschte" heißt Helden).
Frauen waren dabei nicht nur "Manen" (also Menschen) sondern (heidnische) Priesterinnen / Heilerinnen / Hebammen, manchmal gar "Heilige", sie arbeiteten mit Heilkräutern und Segnungen. Sie wurden nicht nur gehört sondern auch verehrt. In der frühkatholischen Kirche waren Frauen ebenso als Priesterin, Lehrerin, Apostelin tätig. Wir wissen heute, daß die Apostelin Maria Magdalena den christlichen Glauben nach Europa gebracht, verbreitet und gelehrt hat, das war also nicht Saulus / Paulus, der Jesus Christus ja niemals kennengelernt hatte. Maria Magdalena war also nicht das verruchte "Flittchen", dies wurde sie erst durch die früh- und mittelalterliche frauenfeindliche katholische Kirche, sie hat diese Fälschung eingebracht, weil Frauen nicht mehr gleichberechtigt sein durften. Dies hat die frauenfeindliche katholische Kirche bis zum heutigen Tage so belassen. Erst Martin Luther hat das aus gutem Grund beendet, weil er als Quelle nicht die römisch-katholischen Fälschungen sondern die originalen vorderasiatischen und griechischen Texte soweit noch vorhanden benutzte. Immer schon gab es "Göttinnen". Nicht so bei der römisch-katholische Kirche. Als Ersatz wurde die römisch-katholische Kirche schnell fündig: eine "Jungfrau Maria" wurde erschaffen. Diese hatte aber insgesamt vier Kinder, wie kann eine Frau da Jungfrau bleiben? Fazit: die römisch-katholische Kirche ist eine einzige mittelalterliche Lügengeschichte, dies hat Martin Luther bewiesen (der Autor dieses Artikels ist übrigens Atheist, jedoch ein Ur-ur-ur-ur-ur-enkel von Martin Luther: "Honi soit qui mal y pense" (ein Schelm der Schlechtes dabei denkt).
Die Germanen hatten noch keine Schrift, höchstens Runen / heute Buchstaben (Buchenstäbe), auf Stäben aus Buchenholz eingeritzte Runen. Tacitus hatte also erwiesenermaßen wenig Ahnung von den Germanen / Germannen.
"Ger" heißt Speer. Ich weiß das von meinem Vornamen Holger (= wirf den Speer). Somit waren die Germanen, "Germannen" (Speermänner). Tacitus nannte sie aber allesamt "Germanen" und der Einfachkeit halber gar einfach: "Sueben" (mitnichten "Schwaben"). So nannte er die Ostsee "Mare Suebicum". Das sogen. "Schwäbische Meer" ist also die Ostsee, jedoch nicht der rein alemannische Bodensee. "Sueben" wurde damals ausgesprochen als "Suebden. So entstand aus dem Namen Suebden auch die heutige Benennung "Schweden".

Die deutsche Sprache ist insgesamt - mit allen Dialekten und deutschen Sprachen wie Allemanisch, Friesisch, Plattdeutsch, Pennsylvania Dutch, Deutsch sprechenden in aller Welt die größte Sprachgemeinschaft Europas.
Sorbisch - dagegen ist nicht Deutsch sondern westslawisch (serbisch, daher auch der Name "sorbisch").

Deutsch ist gemessen an der Zahl seiner Sprecher (bis zu 140 Millionen) , in Europa und der Welt inklusive Pennsylvania die größte Sprache, gefolgt von Russisch, Italienisch, Englisch, Französisch und den übrigen europäischen Sprachen. Natürlich ist Englisch die weltweit und international die am meisten gesprochene Fremdsprache, hier geht es aber um die europäischen Sprachen, mehr zur deutschen Sprache im Artikel Deutsche Sprache.
Um so unverständlicher ist daher, daß Deutsch als Arbeitssprache in der EU nicht anerkannt wird. Genauso unverständlich ist es, daß Deutsch als Landessprache nicht im Grundgesetz der Bundesrepublik steht. Manche interpretieren das so: "Die Landessprache ist türkisch". In der Verfassung derSchweiz und n Österreich steht "Die Landessprache ist Deutsch", nicht so in der Bundesrepublik. Tausende von Unterschriften wurden bereits gesammelt und eingeschickt, der Bundestag will sich damit nicht befassen. Die Deutschen haben eine seltsame Scheu vor sich selbst, es könnte mit dem Naziregime in Zusammenhang gesetzt werden. Auch die Fahne der Demokraten (siehe Hambacher Fest 1832) war Schwarz Rot Gold, sie wurde lange Zeit nicht geschwenkt. Die Farben der Nazis waren aber Schwarz Weiß Rot, die Farben des demokratischen Widerstands dagegen waren Schwarz Rot Gold. Erst mit den Fußballmeisterschaften änderte sich das zum Glück. Der wahre Widerstand war auch nicht Stauffenberg, dieser war nämlich Royalist (wovon Tom Cruse keine Ahnung hatte). Der wahre Widerstand waren Demokraten wie Willy Brandt und Ernst Busch usw. Willy Brandt war ein Deckname. Die vielen Nazis in der Regierung nach 1949 und die geneigte Presse verunglimpften ihn als damals als Herrn Fram. Die heutigen Neonazis schmücken sich seit neuestem mit der Fahne Schwarz Rot Gold, den Farben des Widerstandes gegen die Nazis. Mit Speck fängt man Mäuse.
Tacitus hat die Schwaben lokalisiert am von ihm so genannten "Schwäbischen Meer": dem Mare Suebicum. Das ist aber mitnichten der rein allemanische Bodensee sondern eben die Ostsee. Der Stamme der Allemanen hingegen siedelten seinerzeit etwa in der Höhe der heutigen Stadt Fulda und wanderten nachweisbar seit dem Jahre 100 n.Chr. gen Süden in Richtung Schwarzwald und Donau. Unterwegs schlossen sich ihnen weitere Germanen an, die alle aufgenommen wurden. Es war ein "wilder Haufen", sie nannten sich einfach "Menschen", also alle "Manen" (sprich: Mahnen) . 110 Jahre n.Chr. übertraten die Manen (d.h. Menschen) nachweislich den Limes Richtung Rhein zum ersten Mal. Die Karten der Wanderungen finden Sie ein Stück weiter unten. Die richtige Schreibweise wäre somit nicht AleMannen sondern AleManen. Manen (engl. "men") sind im Allemanischen eben nicht nur Männer sondern auch Frauen, und bei den Germanen waren auch Frauen im Rat der "Manen". Wir sagen ja auch: Germanen und nicht Germannen. Dann müsen wir auch sagen Allemanen. Andererseit ist der Plural von Mann Männer im allemanischen auch Mane (wie min englischen). Ich erinnere mich an ein Lied, das wir als Kinder auf der Straße gesungen haben: "Alle Mane sind halt Puëschte". Manen heißt schlicht Menschen ähnlich wie im Englischen (Niederdeutschen) men.
Anmerkung: Da gibt es jedoch fundamentalische Emanzen, die erfinden sprachliche Verirrungen wie Männinen, Seefrauen (mit Fischschwanz) und Hauptfrauen (die erste Frau im Harem) - à propos: die Bezeichnung Mitgliederinnen wurde laut Beschluß der leitenden Frauinnenn im Vorstand der Berliner ÖTV festgelegt. An der Stelle wo Männer ein Glied besitzen ist bei den Frauen jedoch keine "Gliederin" sondern erfahrungsgemäß etwas "Entgegengesetztes". Die Bezeichnung "Gliederin" ist sexistisch. Sexismus richtet sich nämlich immer nur gegen Frauen (Wilhelm Reich). Reich analysierte: gesellschaftliche Unterdrückung ist immer erst sexuelle Unterdrückung, und (...) Sexismus ist im Prinzip immer nur gegen Frauen gerichtet. Der Begriff Mitgliederinnen ist demnach frauenfeindlich. Männer dagegen freuen sich, wenn sie sexistisch angegangen werden, weil das ihre Potenz unterstreicht. Sie heben stolz die Arme und brüsten sich und sagen "Jawoll"! Diese Frauinnen haben keine Ahnung von der Historie und den wissenschaftlichen Grundlagen, die Wirkung ihrer Irrwege ist genau deshalb frauenfeindlich.

"Puëschte" sind Kämpfer, Helden. Die ""Falschschreibreform" der Studienräte hat ja die Aussprache nicht nur nicht berücksichtigt sondern völlig mißverstanden und dilletantisch verfälscht. Sie beachtete weder die Grammatik noch die Sprechtechnik noch die Linguistik noch die Sprachgeschichte und nicht die Sprachwissenschaft, mehr dazu auch unter "Entstehung der deutschen Sprache".

Tacitus seinerzeit wußte recht wenig von den Germanen. Er nannte sie alle "Sueben", ausgesprochen "Suebden". Daher kommt übrigens auch der Name "Schweden" und die Sitte, daß die Allemanen alle anderen Deutschen (von München über Berlin bis Hamburg und Kiel) "Schwaben" nennen. Die Württemberger werden gar als "SauSchwobe" bezeichnet, auch die Polen benennen alle Deutschen mit dem Schimpfwort "Schwobe". Die Bayerischen Schwaben halten sich zu Recht für die Urschwaben. Sie nennen die Württemberger "minder schwäbisch". Das ist insofern richtig, daß die Südwürttemberger (südlich von Stuttgart bis zum Bodensee) in ihrer Kultur alemanisch sind. Konklusio: Der Südwestdeutsche Sprachraum ist alemanisch, sprich "Mittelhochdeutsch".
Die Schreibweise "Alemannen" ist also im Kern falsch. Es müßte eigentlich heißen: "Alle Mahnen". Die falsche Schreibweise Alamanni stammt von Tacitus. Hätte er richtig geschrieben: mani wäre das ja der Plural von manus gewesen, also: alle Hände. Somit schrieb er manni, was später als Männer falsch gedeutet wurde.
"Manen" heißt schlicht "Menschen" (vgl. englisch "men"). Zu den "Manen" gehören also auch die Frauen. Man darf doch nicht sagen "Es gibt Menschen und Frauen", so versteigen sich die Emanzen. Als Kind habe ich in Meßkirch das Liedchen gelernt: "Alle Mahne sind halt Puëschte" ("Puëschte" = Kämpfer, tapfere Helden).

Wo nun in diesem süddeutschen Sprachraum die Allemanen und wo die Schwaben (Sueben) zu lokalisieren sind scheint hierzulande keine besonders schwierige Frage zu sein: Die Allemanen sind „hier“ - z.B. in Bad Krozingen - und die Schwaben sind „drüben“ , also hinter dem Schwarzwald. So jedenfalls lautet eine oft erteilte Antwort im allemannischen, wenn nach dem Gebiet des Allemanischen gefragt wurde.

Im Großen und Ganzen entspricht diese Antwort auch dem, was Johann Peter Hebel zur Lokalisation des Allemanischen ausgeführt hat.
Der Dichter schreibt in der Vorrede zur ersten Auflage seiner 1803 erschienenen Allemanischen Gedichte: „Der Dialekt, in welchem diese Gedichte verfaßt sind, mag ihre Benennung rechtfertigen. Er herrscht in dem Winkel des Rheins zwischen Frickthal und ehemaligem Sundgau, und weiterhin in mancherlei Abwandlungen bis an die Vogesen und Alpen und über den Schwarzwald hin in einem großen Teil von Schwaben.“

Der Bereich des süddeutschen Allemanischen insgesamt wäre demnach also das Oberrheingebiet samt Schwarzwald im Norden, etwas feiner differenziert kommen die Gebiete der Übergange zwischen den Kulturen, also der württembergische Teil des Neckartals, die schwäbische Alb (eigentlich eher eine allemanische Alb) und die Gegend südlich von Stuttgart bis zum östlichen Bodensee, Lindau und Bregenz.

Die Norddeuschen (d.h. Niederdeutschen) und die Rheinländer (inkl. Westfahlen, Niedersachsen usw. und auch die Schwaben) handeln nach dem Prinzip, das Gisela Schlüter so charakterisiert hat: "Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre was ich sage..." Ganz anders dagegen jedoch die Allemanen, ihr Prinzip ist: "Zuerst denken, dann reden". Manchen erscheint das als langsam. Das ist aber falsch. Es gilt nämlich das rhetorische Grundprinzip: "Schnell denken, langsam reden".
Entscheidend ist auch die allemanische Sprachmelodie (Melos). Das sogen. Bühnendeutsch (Schauspieler, Sprecher, Synchronsprecher, bis vor einigen Jahren auch die Moderatoren, Kommentatoren und Reporter) geht am Satzende nämlich nach unten: "etwas auf den Punkt bringen". Die allemanische Sprachmelodie (Südschwarzwald, Elsaß, Schweiz usw.) dagegen geht am Satzende nach oben, also zu "Le Point", das ist ein Gipfel, ein Berggipfel, vergl. dazu die "Pointe", sie bringt etwas auf die Spitze. Das ist eine Sprachmelodie nicht nur im Allemanischen sondern auch im Französischen, sie geht am Satzende nach oben ("n'est çe pas?"). In der Schweiz ist das bunt gemischt: in Genf französisch, in Zürich allemanisch. Eine Art Singsang.
Ein besonderes Beispiel dabei ist Nationaltrainer Joachim Löw (Yogi Löw). Er ist Schwarzwälder (Freiburg im Breisgau). Er spricht das sogenannte "Freiburger Hochdeutsch". Das ist kein echtes Allemanisch sondern eben "Freiburger Hochdeutsch". Anstatt "Mir hän" sagt er "Mir habbet" (wir haben). Aber seine Sprachmelodie bleibt dabei Allemanisch: am Satzende nach oben. Auch ich hatte diesen Fehler, bevor ich auf der Schauspielschule ("Zinnerstudio" München 1962-64) und in der nachfolgenden Praxis die richtige Sprachmeldie mühsam erlernte.
Zwischen diesem Bereich und dem Lande der Bayern wäre folglich das Schwäbisch-Allemanische anzusiedeln und somit das hier in Rede stehende südwestdeutsche Sprachgebiet komplett.

Was nun das Land der Bayern betrifft, so ist es offenbar nicht immer rein und ausschließlich bayrisch, nennt sich doch die gesamte Südwestecke dieses Landes nach den Schwaben, nämlich Bayerisch-Schwaben. Und die traditionelle Mundart von Augsburg z.B. ist eben nicht bayerisch, sondern original schwäbisch. Unter den Bewohnern Bayerisch-Schwabens ist sogar die Meinung zu hören, daß man bei ihnen die eigentlichen und Ur-Schwaben finde, im Unterschied zu den minder schwäbischen württembergischen Schwaben. Das ist insofern berechtigt, als die Übergänge der württembergischen Schwaben zu den Allemanen historisch und sprachlich betrachtet fließend sind und sich gegenseitig jahrhundertelang beeinflußt haben. Der württembergische Teil des Neckars, die sogen. schwäbische Alb und die minder schwäbische Gegend südlich von Stuttgart sind von der allemanischen Kultur weit mehr bestimmt als die der Ur-Schwaben in Nordwürttemberg und in Bayern.

Drüben hinter dem Schwarzwald
Ohne auf den Wahrheitsgehalt dieser Meinungsäußerung näher einzugehen kann man immerhin bereits bemerken, daß seit dem Anfang dieser Ausführungen die Räume des Schwäbischen und Allemanischen offenbar stetig größer werden, besonders wenn man bedenkt, wie bescheiden es mit hier und drüben hinter dem Schwarzwald soeben noch geklungen hat.

„Schwaben“ sind nicht nur die Schwaben
Diese friedliche Expansion ist im Falle des Schwäbischen jedoch nicht auf Bayern beschränkt; meinen doch unsere schweizerischen Nachbarn und auch wir im Süden des Schwarzwaldes, wenn wir von Schwaben reden, nicht immer nur die württembergischen oder die bayerischen Schwaben, sondern alle anderen Deutschen und früher die Reichsdeutschen überhaupt, also auch die Königsberger, Berliner und Ostfriesen. Ich erinnere mich an meine Großmutter, die aus dem "Hotzenwald" (am Ende des Wiesentals etwa nördlich von Lörrach) stammte, die warnend den Finger hob und sagte "...DIE Düütsche..." Die Elsässer und die "echten" Schwarzwälder fühlen sich wie die Eidgenossen weniger als Deutsche denn als Allemanen. Ganz Deutschland - ein einziges Schwabenland also.
De Allemane-Marsch

Vor fascht zweimol töisich Johr
Üs-em hinterschte Ural
Herner am Hirn un Pech in de Hoor
Sinn se gchumme, d'Allemane.

Durich Sumpf, Müër, Wald un Wies,
Nüsgepoltert iwweral
lwwer de Rhin, wie d'Ratte scharewis,
Sinn si gchumme, d'Allemane.

D'Alewiwer, d' ganz Bagasch
Hintenooch sitter-em Ural,
Herner am Hirn un kchai Hemd am A ...
Sin se gchumme, d'Allemane.

Holteri-Polteri, nummlichi Munni,
Hungri, lüsi, arm wie Kchirichemiis
Haawi Schlüri, rüdigi Truëli,
Klotzigi Gselle, growi Tapp-ins-Muës.

Un vun so ebbs stamme mer ab,
Un m'r sieht's uns schins noch an;
Herner am Hirn, armseli Lumpepack,
Unsre Ahne, d'Allemane.

Gschafft ihr Läwe n'och kchen Streich,
Füli Hüt wie Bärefell.
Awwer e Herz wie Händschiledder weich
Unsri Ahne, d'Allemane.

Üsgepumpti Biss-Ins-Gras,
D'heim het's numme Eichle genn,
D' Schwowe im Gnick un d'Franke uf dr'Nas
Sinn se gchumrne, d'Allemane.

D'heim sinn sie noch uf de Baim
Rumgekchlettert im Ural,
Herner am Hirn uf rote Stoppelbein
Sinn se do gstande, unsri Verwandte.

Germain Muller, Straßburg


Diese Karte soll zeigen, wie die Allemanen um das Jahr 100 n.Chr. beginnen, in den Süden vorzudringen. Um sich auf dieser Karte zurechtzufinden empfiehlt es sich, zunächst den Bodensee (hellblau) zu suchen (links unten)

Für einen Ausgleich zugunsten des Allemanischen sorgen bekanntlich unsere romanischen Nachbarn, so z.B. in Frankreich oder in Spanien, wenn sie mit Allemagne oder Alemanes nicht nur Baden, sondern Deutschland und die Deutschen insgesamt bezeichnen.

Solch eine Ausweitung einer Benennung ist übrigens eine häufige Erscheinung in der Namensgebung, die oft pars pro toto verfährt und den Teil für das Ganze einsetzt, in diesem Falle den nächsten Nachbarn für die ganze Nation. Ähnlich verfahren wir beispielsweise hier in Deutschland, wenn wir von Engländern reden und selbstverständlich - manchmal zu deren Leidwesen - auch die Walliser und Schotten (Kelten) mit einschließen. Dieser Typus der Namengebung ist also weder den Engländern, noch den Schwaben oder Allemanen anzulasten.

Aber auch wenn für letztere vornehmlich wieder nur das stüdwestdeutsche Sprachgeblet reklamiert und in genannter Weise unter ihnen aufgeteilt wird, - also etwa Allemanen im Westen, Schwaben im Osten - geht das nicht ganz ohne Schwierigkeiten ab. Die meisten Sprachwissenschaftler fassen nämlich die gesamten südwestdeutschen Mundarten bis in das Gebiet um Augsburg unter dem Leitnamen des Allemanischen zusammen, dem sich dann das Bayerische im Osten und das Fränkische im Norden anschließen.


Um 260 n.Chr. sind die Allemanen bereits weit in den Süden vorgedrungen, aus dem sie die Römer verdrängt haben.

Die Ostsee - das „schwäbische Meer“
Alemannien lautete auch der überlieferte politische Name des gesamten südwestdeutschen Sprachgebiets im frühen Mittelalter; und so weisen es auch die entsprechenden Karten in Putzgers historischem Weltatlas aus.

Um dieses Hin und Her der Namensverschiebung und Namenswanderung noch etwas zu vervollständigen, sei daran erinnert, daß in der römischen Kaiserzeit das Schwäbische Meer, das mare suebicum, nicht etwa der Bodensee gewesen ist, sondern die Ostsee (vergl. bei Sueben bei Tacitus).

Im 5. und 6. Jh. sind Sueben und zeitweise sogar ein Reich der Sueben im Gebiet des heutigen Nordportugal und Nordwestspanien bezeugt.

Wenn man den großflächigen Bedeutungsumfang von Allemanien und Schwaben für Deutschland insgesamt einmal beiseite läßt, da als Typus der 'pars-pro-toto-Namensgebung' ohne weiteres erklärbar, dann bleibt also zunächst für die Schwaben und Allemanen im engeren Sinne immer noch genügend Fragwürdigkeit übrig.

Um es noch einmal zusammenzufassen: Einmal nennt sich das südwestdeutsche Sprachgebiet Allemanien, dann Schwaben, dann wieder ist es geteilt in einen schwäbischen und einen allemanischen Bereich und schließlich ist die Ostsee von Tacitus als schwäbisches Meer bezeichnet. Diese merkwürdige Konfusion hat ihre Geschichte; und diese Geschichte ist zu hinterfragen, wenn man diese scheinbare Unordnung verstehen will.


20 Jahre später um 280 n.Chr. haben sie auch das Rheinknie besetzt. Der Rhein ist zunächst eine natürliche Grenze.

Von den Sueben
Von der Wissenschaft her ist diese ganze Geschichte der schwäbisch-allemanischen Namenskonfusion in ihren Grundzügen längst geklärt. Die Ostsee als mare suebicum der römischen Kaiserzeit verdankt diesen Namen jenem Stamm der bereits mehrfach genannten Sueben, dessen Wohnsitze damals etwa im Gebiet zwischen mittlerer Elbe und der Ostseeküste lagen. Im Namen Sueben/Schwaben steckt das germanische Wort sueba, was soviel bedeutet wie 'frei, selbständig, eigenen Rechts'; damit verbunden ist noch unser heutiges Wort schweben im Sinne von flügge sein.

Das Wort sweba ist zudem noch verwandt mit dem germanischen Wort swear, und hat etwa die Bedeutung von 'die Selbständigen'; die Wurzel swear aber steckt in dem Namen des heutigen Schweden.

Stammes- oder Volksnamen wie Schweden oder Schwaben stellen von ihrer Herkunft her einen Typus dar, in dem eine bestimmte Qualität oder ein Ideal namenbestimmend wird, in diesen Fällen das Ideal der Selbständigkeit und Freiheit. Der gleiche Typus mit sogar gleicher Bedeutungsrichtung liegt vor im Namen der Franken, der uns als Adjektiv heute nur noch in der Redewendung frank und freigeläufig ist.


Um 450 n.Chr. dehnen sich die allemanischen Gruppen entlang der Donau aus. Noch ist der Rhein nicht überschritten.

Von den Allemanen

Ganz anders verhält es sich mit dem Namen der Allemanen, der im Unterschied zum Franken- oder Schwabennamen nicht mit einem Bedeutungsideal verbunden ist. Allemanen bedeutet lediglich soviel wie 'Menschen (Manen) oder Männer, im Gesamten genommen'. Das holländische alman wird übersetzt mit jederman. Antike Geschichtsschreiber haben folglich den Namen Alamanni oder alamannoi erklärt als zusammengelaufenen und gemischten Haufen von Leuten.

In dieser Bedeutung ist der Sammelname Allemanen als Typus etwa dem Namen Deutsch vergleichbar, der auch keine besondere Qualität meint, sondern schlicht und einfach das Volk heißt. Der Allemanen-Name ist insofern nicht nur weniger 'bedeutungsschwer', er ist auch eindeutig jünger als der Schwaben- oder Sueben-Name, der beispielsweise bereits in den Schriften Cäsars belegt ist, während A l a m a n n i zum ersten Male für das Jahr 213 n. Chr. genannt werden.

Unbekannt aber wirkungsvoll

Unter diesem Namen erschien damals an der römischen Reichsgrenze im heutigen Südwestdeutschland eine Art Stammes- oder Heeresverband, von dem bis dahin noch niemand etwas gehört hatte. Ungeachtet ihres absolut mangelhaften Bekanntheitsgrades haben es diese Allemanen dann fertig gebracht, in wenigen Jahrzehnten das damalige römische Gebiet im heutigen Südwestdeutschland zu erobern. Sie waren damit der erste germanische Verband überhaupt, der römisches Reichsgebiet auf Dauer und für Rom unwiederbringlich in seinen Besitz nehmen konnte.


Durch die Franken im Norden wird der Expansionsdrang der Allemanen gebremst,
die sich dafür über den Rhein ausbreiten und dort Fuß fassen.
Die Karten entnahmen wir mit freundlicher Genehmigung dem Ernst Klett Verlag Stuttgart, Sprachbuch A/B 10

Suebischer Kern

Was hatten aber diese Allemanen mit den Schwaben oder Sueben zu tun? Die Forschung ist sich ziemlich sicher, daß diese allemanischen Verbände, die, von Norden kommend, gegen das römische Gebiet vorrückten, zu einem großen Teil oder zumindest in ihrem Kern aus Sueben bestanden, denen sich auf der Wanderung nach Süden Teile anderer germanischer Stämme zugesellt haben.

In ähnlicher Weise sind wohl andere Sueben-Verbände mit den Zügen der Westgoten nach Spanien gekommen. Diese Sammlung unterschiedlicher Stammeszugehörigkeiten würde den Sammelnamen der Allemanen erklären; die Annahme eines Verbandskernes vorwiegend suebischer Provenienz würde dagegen erklären, warum sich der Schwabenname neben seinem allemanischen Konkurrenten gehalten hat. Die auch für die Römer höchst beeindruckende Eroberungstat wäre somit der erste historische Beweis für die gemeinsame allemanisch-schwäbische Tüchtigkeit.

Sueben - Allemanen
(...) Der gegenüber Sueben jüngere Name Alamanni hat sich bis zum 6./ 7. Jh. durchgesetzt, danach aber taucht in den Schriftquellen der Schwaben-Name wieder auf. Beispiele:
Gregor von Tours schreibt im 6.Jh.: „Suevi, id est Alamanni“, Wahlafried, der Mönch von der Reichenau, nennt im 9.Jh. die Provinz der Allemanen oder Schwaben: „provincia Alamannorum vel Suaborum, Alamannia vel Suevia“, eine Mitteilung Einhart's aus dem 9.Jh. bezeichnet den Lech als Grenze zwischen Bayern und Allemanen, und umgekehrt zählt im Jahre 1018 Kaiser Heinrich den Breisgau zu Schwaben.


Unter Verwendung von Teilen aus Konrad Sonntag: "Aus der Geschichte des südwestdeutschen Sprachgebiets"
in „Allemanisch dunkt üs güët“, Heft III/IV 1984.

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Fortsetzungen:

  1. Die Entstehung der deutschen Sprache
  2. Die Eigenart der deutschen Sprache
  3. Die Entwicklung des deutschen Wortschatzes
  4. Deutsch aus österreichischer Sicht (Studentenrede)
  5. Deutsch aus englischer Sicht (von Elisabeth Fraser)
Quellen:
Konrad Sonntag: „Aus der Geschichte des südwestdeutschen Sprachgebiets“ in „Allemanisch dunkt üs güët“, Heft III/IV 1984 (MUËTTERSPROCH-Gsellschaft Freiburg)
Sprachbuch A/B 10, Ernst Klett Verlag Stuttgart


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