Abtönungspartikeln


Abtönungspartikeln sind Modalpartikeln, die in der Rede (und im Dialog) die eigene Befindlichkeit ausdrücken. Sie legen das zwischenmenschliche Rollenverhalten in die Modalpartikeln. In einer Bitte oder in einer Aufforderung z.B. "tönen" sie außerdem die offensive oder aggressive Haltung ab, sollen sie dadurch sanfter und den Gesprächspartner geneigter machen, der Aufforderung zu entsprechen. Derlei Partikeln sind überflüssige Konjunktionen wie z.B.: aber, auch, nun, dann, doch, wohl, allerdings, eigentlich, ganz, halt, einfach, im Endeffekt usw.

Es ist nicht die Rede davon, diese Abtönungspartikeln normativ abzulehnen. Ihnen erkennt man eine durchaus positive soziale Funktion zu. Es ist geradezu ein Charakteristikum des Deutschen. Allerdings sind in einer guten Rede (und Sprache) Wörter wie "einfach" und "sehr" und "ganz" meist völlig überflüssig und leer, sie bedeuten garnichts. Das Deutsche hat nicht nur die Möglichkeit, derlei seelische Regungen zum Ausdruck zu bringen, dies geschieht im Deutschen auch mit auffallender Häufigkeit. Es sind aber Redensarten, die nicht zur Sache gehören und eher die eigene Befindlichkeit (entschuldigend) ausdrücken. Deswegen muß eine Rede auf derlei Modalpartikeln (und überflüssige Konjunktive) überprüft werden, da die eigene Befindlichkeit in der Rede nebensächlich und eine möglichst sachliche und objektive Argumentation überzeugender ist.

Ein einfaches Beispiel
Nehmen wir folgende (überspitzte) Situation an: es ist Sonntagmorgen um 11°° Uhr, ich will kochen, mir fehlt Salz. Ich gehe zur Nachbarin, um welches zu erbitten. Ein Erwachsener sagt nun typischerweise: "Entschuldigung, Frau Meier, aber könnten Sie mir vielleicht ein bißchen Salz leihen?"

Natürlich kann ich mich entschuldigen für die Störung und mein Klingeln an der Nachbartür. Aber Frau Meier hat ja bereits die Tür geöffnet, sie ist also offensichtlich bereit, mich anzuhören. Meine Entschuldigung soll sie offensichtlich geneigt machen für den Fall, daß sie zwar die Tür geöffnet hat, aber dennoch einigermaßen unwillig ist, mich anzuhören.
Das "aber" ohne eine vorausgehende These, der ja damit widersprochen werden soll, ist typisch für unbedachte Formulierungen, wie oft fangen wir Sätze mit diesem "aber" an, ohne vorher etwas gesagt zu haben, das wir damit widerlegen wollten. Im obigen Satz beinhaltet das "aber": es tut mir leid, daß ich Sie störe, aber es mußte sein, da ich unbedingt Salz brauche. Es ist also eine zweite (überflüssige und außerdem grammatikalisch völlig falsche) Entschuldigung.
Der folgende Konjunktiv "könnten" soll abtönen für den Fall, daß meiner Bitte nicht entsprochen werden kann. Ich brauche das Salz aber nicht möglicherweise sondern definitiv!
Auch das "vielleicht" hat dieselbe Funktion.
Und was heißt: "ein bißchen Salz"? Ich brauche eine ganz bestimmte Menge, ein Kaffeelöffel voll würde nicht ausreichen. Es müßte schon soviel sein, daß es reicht, bis ich wieder zum Einkaufen komme. Und vielleicht habe ich erst am Dienstag oder Mittwoch wieder Gelegenheit und Zeit, einkaufen zu gehen. Es muß also für die nächsten zwei bis drei Tage ausreichend sein.
Und was heißt "leihen"? - Wer hat schon jemals "ein bißchen geliehenes Salz" wieder zurückgegeben?

Dies alles sind also Entschuldigungen für mein Begehren, sind Abtönungen meiner (agressiven) Forderung, um diese weniger offensiv zu gestalten. Sie zeigen meine permanente innerliche Verbeugung und Bitt-Haltung gegenüber Frau Meier. Was würden wir denn denken oder gar sagen, wenn Frau Meier nun einfach antworten würde: "Nein!" - Vielleicht würden wir gar ungehalten reagieren, vielleicht ausfällig, jedenfalls würden wir uns denken, daß Frau Meier doch äußerst seltsam reagiert hat und die kleine Bitte so schroff abgelehnt hat. Denn ein "bißchen Salz" zu erbitten ist doch wirklich keine große Sache! -

Ein Kind demgegenüber sagt einfach: "Frau Meier, bitte Salz!". Kinder brauchen noch nicht dieses zwischenmenschliche Rollenverhalten, sie sind direkt und gewohnt zu fordern.

Benutzen Sie keine allgemeinen Bezeichnungen, keine überflüssigen Konjunktionen und keine Abtönungspartikeln wie "insgesamt", "weniger", "einschließlich", "einfach", "absehbar", "halt", "irgendwie", "also", "wirklich", "ganz", "hier" usw. sondern reden Sie direkt.

Vermeiden Sie eine "Infinitiv-Präsenz" wie "kreuzende", "einschneidende", "auftretende", "erscheinende", "vorkommende" usw., dies klingt immer nur wichtigtuerisch und soll andeuten, daß der Redner die deutsche Sprache beherrscht. Glauben Sie mir: er beherrscht sie nicht. Benutzen Sie Tätigkeitswörter (Verben), damit können Sie Ihr Publikum besser zum Mitdenken animieren (verbale Kommunikation).

Abtönungspartikeln sollten zwar in einer Rede bzw. im Dialog nicht sämtlich unterlassen werden, jedoch sollte jede Rede auf zu viele und doch meist ungewollte, überflüssige Entschuldigungen (in diesem Fall durch Abtönungspartikeln) durchforstet werden. Die Vermeidung von unnötigen Entschuldigungen bestätigt auch Dale Carnegie in seiner Schrift "Wirkungsvoll reden". Allzuviel "Gesprächigkeit" wird leicht zur Geschwätzigkeit, zum Klatsch. Die Rede sollte nicht geprägt sein von "Gesprächigkeit" (Plaudertasche) sondern von "Beredsamkeit".

Ein schlechtes Beispiel ist auch: ".. ich würde meinen..."; besser: "Ich meine...". Denn wenn ich eine Meinung habe, muß ich dazu offen stehen und sollte die Tatsache, diese Meinung zu haben und andere davon überzeugen zu wollen, sie ebenfalls zu haben, nicht entschuldigend im Konjunktiv verstecken. (Siehe 10 Tips zum guten Redestil!)

  • Zum wissenschaftlichen Artikel: Zu den deutschen Abtönungspartikeln (Harald Weydt)
  • (Literaturhinweis: Harald Weydt: "Kleine Partikellehre", Klettverlag)
  • siehe auch: Sozialverhalten (unter dem Gesichtspunkt der Rhetorik)

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