Zehn Tips für einen guten Redestil

Die Rede soll die Zuhörer aktivieren. Es gibt passives und aktives Hören. Wecken Sie das "aktive Hören"! Der Zuhörer soll ja etwas tun. Nämlich z.B. seine Meinung ändern und Ihre Überzeugung übernehmen oder Ihre Partei wählen, eine gute Rede muß jeden Einzelnen zum Handeln bringen, die Qualität einer Rede mißt sich an ihrer Wirkung...
Besonders wirkungsvoll gestalten Sie Ihr Reden, wenn Sie sich plastisch und griffig ausdrücken. Formulieren Sie kurze Sätze, knappe und treffende Begriffe, anschaulich und bildhaft, damit im Kopf des Hörers ein Bild entsteht, das er sich leicht merken kann. Wechseln Sie nicht allzu häufig die Bilder, bleiben Sie im bereits geschilderten Bild und "führen Sie es durch", vergleichbar zum Theater: hier gibt es das "urchführen der Requisiten", d. h. ein einmal benutztes Requisit sollte solange weiter benutzt werden, bis es tatsächlich abgespielt ist. Dann muß es weggelegt werden.
Machen Sie abstrakte Begriffe und Zusammenhänge mit Bildern, einfachen Beispielen und konkreten Beschreibungen verständlich, sprechen Sie nicht kompliziert sondern so einfach, klar und dennoch treffend, daß auch einfache Gemüter Sie leicht verstehen können, meiden Sie Fremdwörter so gut Sie können, Sie müssen nicht beweisen, daß Sie intelligent sind, wahre Inteligenz kann sich ganz einfach ausdrücken, sodaß selbst ein Kind es verstehen kann...

  1. Benutzen Sie Tätigkeitswörter (Verben) statt Hauptwörter (Substantive):
    nicht: "Wir haben eine Einigung erzielt"
    sondern: "Wir haben uns geeinigt"

    nicht: "... ich verleihe meinem Bedauern Ausdruck ...."
    sondern: "Ich bedaure ..."

    keine "Ungen"
    "Verbale Kommunikation" hat zu tun mit dem Wort "Verb" (Tätigkeitswort).
    Verben animieren den Zuhörer. Verben sind die Seele des Satzes. Substantivierte Verben wirken spröde, holprig und ungenau. Wenn die Texte mit "gemacht" und "durchgeführt" gespickt sind, dann "ungen" sie bestimmt auch.
    nicht:: "Die Durchführung der Aufführung des Theaterstückes erfolgte durch die Studenten.
    sondern: "Die Studenten führten das Theaterstück auf".

    Kein "Polizistendeutsch":
    nicht: "Ich habe eine Annäherung unternommen..."
    sondern: "Ich näherte mich..."
    nicht: Der Mann hat die Aussage getätigt...
    sondern: Der Mann hat ausgesagt...
    nicht: Ich habe eine Verbringung des Mannes ins Revier gemacht.
    sondern: Ich habe den Mann ins Revier gebracht.
    (ob Polizisten ins Revier machen ist deren internes Problem).

  2. Drücken Sie sich aktiv aus, nicht passiv!
    nicht: "Es wird gebeten, Platz zu nehmen!"
    sondern: "Ich bitte Sie, sich zu setzen!"

    nicht: "Es wurde eben gesagt..."
    sondern: "Mein Vorredner (oder Name) hat eben gesagt..."

    Wenn Sie ein schönes, treffendes Verb gefunden haben, sollten Sie es nicht durch eine Passivkonstruktion "vergewaltigen", denn Passivsätze machen einen Artikel steif und langweilig.
    nicht: "Die Ampel wurde von dem Autofahrer übersehen."
    sondern: "Der Autofahrer übersah die Ampel."
    Der Satz in aktiver Form klingt dagegen viel flüssiger und benennt den "Täter"


  3. Was muß "gemacht" werden?
    nicht: "Sie werden die Erfahrung machen wie es ist..."
    sondern: "erfahren Sie selbst, wie es ist..."

    nicht: "Machen Sie eine Reise nach Dresden!"
    sondern: "Reisen Sie nach Dresden!"


  4. Vermeiden Sie allgemeine Beschreibungen, suchen Sie besonders zielsichere und treffende!
    nicht: "Wenn man von der Friedrichstraße aus vorgeht, steht da rechts vorne ein Haus, in der Straße ist..."
    sondern: "Nach dem Bahnhof Friedrichstraße 300 Meter in Richtung Chausseestraße am Eckhaus rechts ist in der Querstraße...
    Es gibt einen schönen bayerischen Witz:
    Kommt ein Preuße nach München. Fragt auf dem Stachus einen Bayern: "Wenn ich die Straße da vor gehe, dann steht doch dort das Rathaus...?"
    Sagt der Bayer: "Des steht auch dort, wenn'S net vorgehen..."
    Beim Militär wird das alles "Zielansprache" genannt, diese muß möglichst exakt sein...

    nicht: "... da lief mir ein Tier über den Weg."
    sondern: "... ein Hund / ein Hase / ein Reh ..."


  5. Dinge und Sachen ...
    Jedes Ding hat einen Namen. Nennen Sie die "Dinge" und "Sachen" beim Namen.
    Über ein "Ding" und eine "Sache" pflegen nur Laien zu sprechen.

    nicht: "Das Ding war mindestens 100 Meter hoch."
    sondern: "Die Rauchwolke stand mindestens 100 Meter hoch ..."


  6. Vermeiden Sie Füllwörter und Abtönungspartikeln so gut Sie können
    Solche Füllwörter sind z.B.: "also", "eigentlich", , "im Endeffekt", "einfach", "ganz", "halt", "immer", "sehr", "wirklich", "irgendwie", das ist "Kübelböck-Deutsch" und nicht akademisch...

    Fangen Sie Ihre Rede niemals an mit "Also..." oder "Nun..." oder "Tja..."!
    Wenn Sie das Rednerpult erreicht haben schauen Sie sich Ihr Publikum erst einmal in aller Ruhe an. Dann atmen Sie tief durch. Dann können Sie das Wort "Also" oder "Nun" oder "Tja..." zwar denken, aber sprechen Sie es nicht aus. Atmen Sie lieber nochmal durch. Dann beginnen Sie zu reden.

    Fangen Sie nicht jeden Satz oder Nebensatz mit "also" oder "nun" an, das verwirrt nur.
    Das Wort "also" kann höchstens kausal verwendet werden:
    "dies ist erstens so..., jenes ist zweitens so... also folgert daraus..."


  7. Vermeiden Sie überflüssige Konjunktive
    nicht: "Könnten Sie sich vorstellen...?"
    sondern: "Können Sie sich vorstellen...?"
    Die direkte Rede und Anrede ist zwingender, sie motiviert und aktiviert stärker.

    Dürfen Sie wirklich?
    nicht: "Dürfte ich Sie einen Moment um Ihre Aufmerksamkeit bitten?"
    sondern: "Ich bitte Sie um Ihre Aufmerksamkeit!"

    Würden Sie?
    nicht: "Ich würde meinen, daß der blaue Anzug Ihnen besser steht ..."
    sondern: "Ich meine, der blaue Anzug ..."


  8. Wer ist "man" oder "frau" ?
    nicht: "Man kann aus diesem Vorfall Lehren ziehen." 1 *)
    sondern: "Sie haben aus diesem Vorfall gelernt."
    oder: "Wir haben aus diesem Vorfall gelernt ..."


  9. Meiden Sie Modewörter wie etwa:
    Ausnahme: Wörtliche Rede:
    "Echt Klasse!", sagte da mein Sohn, "da hätt’ ich wirklich Bock drauf!" - und so bin ich tatsächlich zum erstenmal in meinem Leben Schiffschaukel gefahren ... Wauh!", hab’ ich hinterher gesagt, "einmal und nie wieder"...

    Hier wirkt die Verwendung der Modewörter besonders lebensecht und kann sogar ruhig dick aufgetragen werden!
    Fachbegriffe der Kommunikation sind keine Modewörter sondern Fachbegriffe.
    Allerdings: "performance" (das heißt: Ablauf / Verrichtung / Leistung / Vollzug / Vortrag / Vorstellung / Aufführung / Leistung / Werk - was von dem allem ist damit gemeint?) und "strategy" ("Strätedschie") muß z.B. nicht sein, besser: Strategie, dieses Wort ist älter als die USA. Aber "timing" kann ich nicht übersetzen, Pullover und Overall auch nicht (das gibt es übrigens im Englischen gar nicht) und Handy versteht kein Engländer, klingt aber lustig und zutreffend ("...hän die koi Schnur meh?") ...

    Fallen Sie nicht auf modische Ausdrucksweisen rein, die gerade Masche sind:

    nicht: "Dschörnalist" sondern "Journalist",
    nicht "Dschörnel" sondern "Journal",
    nicht "Dschöry" sondern "Jury", diese Wörter kommen nämlich aus dem Französischen, und dort wird das "j" mit lieblich stimmhaftem, weichem "sch" ausgesprochen ohne ein "d" vornedran, wie dies die sprechfaulen Amerikaner gerne so aussprechen, das ist für mich nur "affig" und eine Masche - maniriert, zeigt Unkenntnis der Sprache und macht unglaubwürdig - (momentan ist dies leider weit verbreitet selbst bei ansonsten ernstzunehmenden Leuten), schreckt aber jene ab, die Sprache ernst nehmen und lieben und über die Herkunft der Wörter besser nachgedacht haben, und auch jene sollen doch überzeugt werden.
    Wer "Dschöri" sagt müßte folgerichtig auch "Dschöstis" und "Dschöstisminister" sagen und anstatt Justizia "Dschöstäïschäï".
    Derlei Aussprache klingt wie eine Sprachbehinderung...
    Sie müssen auch nicht sagen "browser" für Brauser (wie "iExploer" oder "Firefox" o.ä.) wenn Sie durch das Internetz brausen. Das Wort Brauser ist älter als das Internetz: es gibt Fahrradbrauser, Motorradbrauser, Internetz-Brauser, Leute die durch die Welt brausen, aufbrausen, Brausetabletten usw.
    Sie müssen auch nicht sagen "internett", Sie sagen ja auch nicht "Fischernett" oder "Spinnennett" oder "Haarnett". Ich halte das alles eine Masche und für affig. Im Gegensatz zu den Angelsachsen hatten wir nämlich von 800 bis etwa 1100 n.Chr. eine Lautumwandlung von "t" zu "z" usw. (siehe Entstehung der deutschen Sprache): Fischernetz, Haarnetz, Internetz, Spinnen-Netz usw.

  10. "Sie" statt "Ich"
    Vermeiden Sie "Ich" 2 *) so gut Sie können. Reden Sie vom Zuschauer aus. Noch besser ist in vielen Fällen, "wir" statt "Sie" zu sagen. Natürlich dürfen und sollen Sie auch in der "Ich"-Form reden, wenn Sie etwas von sich erzählen. Über sich selbst zu sprechen, ist in Ordnung, aber stellen Sie sich selbst nicht über die Anderen, halten Sie sich zurück so weit wie möglich. Die "Ich"-Form klingt meist "besserwisserisch", außerdem sagt sich der Zuhörer viellecht: das ist sein eigenes Problem, was geht's mich an?.
    Sprechen Sie besser Ihre Zuhörer direkt an, aktivieren Sie deren Denken. Die werden dankbar dafür sein! - Der Redner soll kein Fremder sondern der Aussprecher der Gedanken des Publikums sein.

    nicht: "Ich kann Ihnen dazu sagen ..."
    sondern: "Sie werden sehen ..."


Anmerkungen:
1*) Wenn dem Begriff "man" ein Begriff "frau" entgegengesetzt wird, soll damit die Pascha-Hierarchie der letzten Jahrtausende zurecht angegriffen werden. Es ist dies jedoch eine Sprachverhunzung, die auf einem Mißverständnis aufbaut, das vorwiegend Männer geschaffen haben, die "man" mit "Mann" verwechselt haben (was "man" tut, ist, was Männer tun). Diese sprachverhunzende Formulierung: "frau weiß doch" ist Parteichinesisch und wirkt außerhalb der Partei höchstens anbiedernd. Oft klingt es auch deswegen hohl, weil es inzwischen wie ein Ritus vollzogen wird, weil die tiefere Absicht darin nicht mehr erkannt wird sondern das "frau" nur ausgeplappert wird. Zwar gewinnt dieses "frau" vielleicht die Anhänger einer solchen Praxis. Anhänger sind aber doch bereits Anhänger, sie müssen nicht erst überzeugt werden. Die Gegner müssen vielmehr gewonnen werden, die werden aber eher gewonnen, wenn nicht immer wieder auf "frau" rumgehackt, Gegner werden durch eine solche Diktion eher abgeschreckt wenn nicht gar ausgegrenzt, ich muß aber gerade meine Gegner überzeugen. Die Diktion "frau" ist ebenso wie "man" schlechte Rhetorik. Auch ist jedwede Form von Parteichinesisch keine gute Rhetorik, auch nicht innerhalb einer Partei.
Oder gar diese entsetzliche Wortschöpfung  "Mitgliederin" (Beschluß des Landesvorstandes der ÖTV Berlin): wer in dem Begriff  "das Mitglied" (Neutrum) etwas maskulin bestimmtes sieht, ist dem Begriff  "Glied" erlegen und handelt somit im Kern sexistisch (hier: gegen Männer) - die weibliche Form des Gliedes ist nunmal nicht die  "Gliederin", weil das Glied als Geschlechtsteil von der Natur völlig anders gestaltet ist und somit anders genannt wird. Die meisten Männer fühlen sich bei sexistischer Anmache übrigens ziemlich wohl, stehen gar darauf, ist doch ihre Potenz angesprochen, grinsen dabei verständnisinnig. Wilhelm Reich analysierte, daß gesellschaftliche Unterdrückung immer erst sexuelle Unterdrückung ist. Sexismus ist im Prinzip immer nur gegen Frauen gerichtet. Mit der Formulierung  "Mitgliederin" schlägt also ein vielleicht positiv gemeinter Ansatz um hundertachtzig Grad gewendet eben gegen die Weiblichkeit selbst zurück: das Bemühen, im gesellschaftlichen Bewußtsein eine Änderung herbeizuführen, wird durch derlei Auswüchse geradezu ad absurdum geführt.

2*) Es gibt das verallgemeinernde ‘du’: "du denkst, dich tritt ein Pferd ...". - In dieser Form gilt für das ‘du’ dasselbe wie für das ‘man’, in einer guten Rhetorik sollte es vermieden werden (es sei denn als Zitat siehe Punkt 9).
Es gibt auch das ‘du’ unter Freunden, Genossen (z. B. in der SPD), in Clubs oder Freundschaftszirkeln. Wo das Duzen üblich ist und man ‘unter sich’ ist (auch wenn die Öffentlichkeit zuhört, jedoch nicht teilnimmt), kann und sollte man selbstverständlich duzen. Ansonsten jedoch wirkt das ‘Du’ eher anbiedernd, ist das Siezen höflicher und wirkungsvoller, da es alle miteinbezieht, auch Nichtgenossen, Nichtfreunde und die Gegner des Duzens. (Ich selbst bin ein Freund des Duzens, habe aber viele Freunde, mit denen ich mich genauso gut sieze.)


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