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Rede: Schiffbruch der Universität der Künste Berlin"

"Schiffbruch der Universität der Künste Berlin"

Liebe Anwesende,

mit dem Jahr 2001 ist für uns alle ein aufregendes Jahr zu Ende gegangen. Die meisten von uns sind in eine neue Stadt gezogen, haben angefangen zu studieren, neue Freunde und Bekannte dazugewonnen und viele neue Impressionen sammeln dürfen. Mit dem Jahr 2001 endet für viele Unternehmen auch das sogenannte Fiskaljahr.

Sie fangen dieser Tage an die Bilanz zu erstellen, also das zusammenzufassen, was sich im letzten Jahr so alles ereignet hat. Auch ich möchte die Gelegenheit nutzen, eine Bilanz zu erstellen - eine Bilanz der letzten drei Monate, unserer ersten drei Monate an der Universität der Künste Berlin.

Nach einem gelungenen Start mit der Einführungswoche und einer aufregend enthusiatischen Anfangszeit, sieht es nun leider nicht besonders gut aus.

Ja ich muss sogar zugeben, daß meine hohen Erwartungen an die UdK Berlin teilweise enttäuscht worden sind.

Ein bisweilen lasches Studium, das Diplom quasi mit der Immatrikulation schon in der Tasche. Jetzt sieht es eher nach Ruhezeit und nicht nach Arbeitszeit aus. Die Eintrittskarte mußten wir uns hart erarbeiten: in der Schule, durch Wartesemester oder ein anderes Studium. Noch haben wir einen hervorragenden Ruf. Ja, einige behaupten sogar, die UdK sei eine Eliteuniversität. Viele wollen hierher, wir haben es geschafft. Aber wir und unser universitäres Umfeld befinden uns am Rande, nein, sogar mitten in einer Krise.

Wenn wir alle so weitermachen, uns zurücklehnen, wenig lernen und die wertvolle Studienzeit vergeuden, dann sieht es schlecht aus. Wir versprechen nämlich dem Arbeitsmarkt mehr, als wir ihm bieten können. Wir verlieren diesen guten Ruf.

Mir persönlich ist das sehr unangenehm, ich hoffe Euch auch.

Es gibt jetzt zwei Alternativen, wie wir alle weitermachen können:

Alternative A:
Wir akzeptieren den Status Quo.

Alternative B:
Wir versuchen den Status Quo aktiv zu verändern.

Wenn alles so bleibt, wie es momentan ist, dann bedeutet das für die meisten von uns ein recht lockeres Studium. Das sollte uns allen eigentlich nicht sehr schwerfallen - abgesehen vom schlechten Gewissen. Denjenigen, die - wenn sie nicht viel tun - schnell ein schlechtes Gewissen bekommen, denen kann ich das neue Buch von Florian Illies ans Herz legen. Florian Illies ist der Erfolgsautor vom Buch "Generation Golf" und gibt uns in seinem neusten Werk "Anleitung zum Unschuldigsein" wertvolle Tips und Trainingseinheiten, wie wir unser schlechtes Gewissen am effektivsten verdrängen und vielleicht sogar ganz loswerden.

Doch wie kommt es denn eigentlich zu diesem ziemlich laschen Studium hier an der Udk, die von einigen Praktikern auch gerne mal als Waldorf Universität der Künste Berlin belächelt wird...

Meiner Meinung nach liegt es vor allem an der Substanz- und Planlosigkeit einiger unserer Professoren und Gestalter des Lehrangebots. Den von ihnen sicherlich unfreiwillig geschaffene Leerlauf, den nutzen wir auf verschiedene Weisen:
Die Strebsamen werden sich dem Selbststudium widmen - Respekt. Andere finanzieren sich selbst und gehen arbeiten. Die meisten von der Partyuniversität der Künste konzentrieren sich jedoch lieber auf den Ausbau ihrer Sozialkompetenz - mit viel Nikotin, Alkohol und allem was sonst noch auf dem Markt ist wird in den Berliner Clubs, Bars und Lounges die Nacht zum Tage gemacht. Prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, denn abgesehen vom finanziellen Aspekt macht das sicher mehr Spaß, als am Einsteinufer nach Fachliteratur zu suchen. Die Quittung wird jedoch irgendwann kommen, wenn wir uns dem rauhen Arbeitsumfeld der Kommunikationsbranche stellen.

Alternative B bedeutet, daß wir den Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation aktiv ändern und mitgestalten, das Blatt zum Besseren wenden.

Die Professoren, Dozenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter haben klar die Aufgabe, uns auf die Herausforderungen unseres späteren Berufsfeldes bestens vorzubereiten. Tun sie dies, so werden wir später mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit professionell und erfolgreich in der Branche agieren.

Was muß die Vorbereitung im GWK Trainingscamp alles leisten?

Die in Alternative A angesprochene Sozialkompetenz ist natürlich ein wichtiger Bestandteil, der auch nicht vernachlässigt werden sollte. Was wir bisweilen exzessiv in unserer Freizeit tun, das lassen sich deutsche Großunternehmen einiges kosten. Unter dem Titel "Future Generation Events" veranstaltet beispielsweise die Lufthansa für ihren Führungskräftenachwuchs regelmäßig Wochenendevents. Neben der fachlichen Weiterbildung ist hier ganz klar das Ziel, die Sozialkontakte, also das zwischenmenschliche Netzwerk der Angestellten zu verbessern. Dem informellen Programm mit Open Bar und Party kommt ein nicht unwesentlicher Teil der Zeit zugute. Man hat genügend Zeit sich kennenzulernen und beim Bierchen seine Visitenkarten auszutauschen. Ein solches Wochenende kostet die Firma schon mal 75.000 EUR.

Für das Erlernen und die Verbesserung der Sozialkompetenz und der Rhetorik ist unser Studium allein schon durch die geringe Studentenzahl pro Semester und den Fokus auf Teamwork gut geeignet. Die Balance ist jedoch nicht stimmig: was uns fehlt ist eine solide Fach- und Methodenkompetenz, also die Fähigkeit, komplexe Problemstellungen schnell und systematisch zu lösen. Gemeint ist also nicht das strukturlose kreative Chaos, sondern ein solides Lösungssystem.

Die einzelnen Module dieses Lösungssystems werden uns von den Lehrbeauftragten vermittelt. Am Ende des Studiums ergeben sie ein stimmiges Gesamtsystem. Je besser das ist, was wir hier lernen, umso besser werden wir später sein. Doch statt Güteklasse A finden wir oft nur Ausschußware vor, ich möchte hier nur kurz das wichtige Gebiet der Statistik nennen.

Wenn es schon die Steuermänner des GWK-Schiffes nicht schaffen, den Kahn auf Rhetorik kurs zu bringen, müssen wir selber zum Ruder greifen und eine Kurskorrektur vornehmen. Momentan fährt unser Schiff mit Volldampf leider nicht in Richtung des gewünschten tropischen Paradieses des beruflichen Erfolgs und der damit verknüpften Selbstverwirklichung unserer ureigensten Ziele. Nein, unsere Steuerleute manövrieren uns ohne mit der Wimper zu zucken in die gemäßigt kühle Zone des mittleren Angestelltentums, bei schlechten Winden vielleicht sogar in die Arktis der Arbeitslosigkeit. Sie tun das sicher nicht mutwillig, sie lassen dennoch die auch im Schiffsverkehr erforderliche Sorgfalt und Gesamtsicht vermissen.

Substanz ist zwingend erforderlich. Sie ist die Stabilität unseres Schiffsrumpfes, und der soll uns schließlich sicher und trocken ins Ziel schiffen. Er darf nicht unterwegs in tosender See, also in Zeiten der Rezession, Budget-Cut-Backs und restriktiver Einstellungspolitik leckschlagen.

Was meine ich nun mit Substanz? Das theoretische Fundament unseres Studiengangs müssen wir dringend in den Bereichen Forschung und Planung verstärken, zwingend notwendig auch im Nebenfach BWL.

Das Erlernen von Grundlagenforschung und der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen und zu analysieren, wird unseren späteren Durchblick wesentlich verbessern. Wir müssen die Theorien der Kommunikationsgurus atmen lernen. Nicht nur kennenlernen oder im Vorbeigehen streifen. Nein! Wir müssen sie atmen und leben lernen. Das bedeutet, daß wir uns die theoretischen Grundlagen und Ansätze der Spezialisten und Vordenker so gut erarbeiten, daß wir sie auch noch nachts um vier, also nach besagtem Ausbau der sozialen Komponente, aus dem FF herleiten und erklären können. Nur dann haben wir verstanden worum es geht.

Leider wird uns das momentan verwehrt: zum einen durch Nichtbesetzung offener Professorenstellen, zum anderen durch fehlenden Ersatz für erkrankte Lehrkräfte. Im Fußball wäre es ein Skandal, ohne Nationaltrainer und Ersatzbank um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. An deutschen Universitäten und gerade hier in Berlin wird es hingenommen, ignoriert und gebilligt.

Weiterhin fehlt der sogenannte "Zug im Laden". Uns fehlt der Druck, das zu vertiefen, was wir in den Vorlesungen hören. Es muss uns in Fleisch und Blut übergehen.

Druck ist zugegebenermaßen nicht immer angenehm, muß aber verstärkt werden, und zwar durch die Wiedereinführung von Klausuren in allen Semestern! Die inflationäre Notenvergabe an der UdK ist hochgradig kontraproduktiv und wird unseren guten Ruf über kurz oder lang zersetzen - unser aller Können unglaubwürdig machen. Durch Druck gerade in den ersten Semstern werden wir gezwungen uns mit der Materie intensiv auseinanderzusetzen. Erst wenn wir dies tun, dann werden wir in der Lage sein, Argumente und Thesen zu prüfen, gegebenenfalls berechtigt herauszufordern. Sie sind auch der Rohstoff, aus dem wir uns kreative Problemlösungen erarbeiten können und neue Impulse setzen. Querdenker und Vordenker haben eines gemeinsam: sie denken erst einmal gründlich über das Problem nach. Wir oftmals nicht.

Wozu fehlender Druck auch führt siehen wir drastisch in der Einführungsvorlesung Kommunikationsplanung am Freitag Abend in der Grunewaldstrasse. Wir sind nicht gezwungen dort hinzugehen. Was dort fachlich geboten wird, ist aber einmalig und wir sollten da alle hingehen und uns anhören, was Prof. Herbst zu sagen hat. Ich lege uns das deshalb ans Herz, weil wir dort eine systematische Vorgehensweise erleben können. Als Praktiker ist er zudem in der Position, die Theorien und Ansätze Tag für Tag aufs Neue im Alltag eines Großunternehmens zu prüfen. Wer dort nicht hingeht, verpaßt, worum es bei unserem Studium schwerpunktmässig geht: das Erlernen eines Lösungssystems mit dem wir die künftig auf uns zukommenden Problemstellungen lösen können. Dazu reicht eine Rhetorik Seminar

Das BWL Angebot an der UdK ist erschreckend und muß dringend verbessert werden. GWK-Absolventen finden sich meistens in Schnittstellenpositionen wieder - z.B. als Berater zwischen Kunden, Kreation und Geschäftsleitung, die immer nur auf die Kostenbremse drückt. Diese Position setzt einen souveränen Umgang mit Zahlen und Steuerungskennzahlen im geschäftlichen Umfeld voraus. Ganz wichtig ist es mir an dieser Stelle zu erwähnen, daß dies nicht nur für die Werbeagentur-GWK-ler unter uns gilt. Gerade diejenigen, die sich später eher im Non-Profit oder kulturellen Bereich sehen brauchen dieses Wissen. Denn gerade hier wird allzuoft der Rotstift angesetzt. Wer in einer solch heiklen Situation nicht mit Zahlen argumentieren kann, dem werden die Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Sparpläne eventuell das Genick brechen. Money makes the world go round - so schade das manchmal auch ist, es geht im Zweifel immer ums Geld und nicht ums Thema. Es bleibt uns also gar nichts anders übrig, als verstärkt die harten Fakten wie z.B. Buchhaltung, Bilanzierung, Handelsrecht, Gesellschaftsrecht und Finanzierung zu pauken. Wir brauchen leicht verständliche und sinnvolle BWL-Vorlesungen und Seminare - jeder von uns. So machen wir uns fit für die harten Bandagen der Rotstiftkämpfer und Erbsenzähler, die uns früher oder später allen über den Weg laufen werden.

Zurück zu Alternative A:
Die Zeichen da draußen stehen auf Sturm, und wenn wir uns zurücklehnen, uns auf den morschen Schiffsrumpf und die sehschwachen Steuerleute verlassen, dann könnte es ziemlich unangenehm werden, und wir finden uns im arktisch kalten Wasser der Arbeits- und Perspektivlosigkeit wieder.

Was bleibt kann also nur Alternative B sein.

Laßt uns gemeinsam unseren GWK Dampfer auf Vordermann bringen und die morschen Planken auswechseln. Dafür werden wir viel Zeit, Mühe und Schweiß investieren müssen.

Wir dürfen uns auch nicht scheuen, uns prüfen zu lassen. Wenn wir nicht fit sind für die Herausforderungen, dann müssen wir halt eine Extrarunde drehen. Wenn wir sie jedoch bestehen, dann haben wir eine reelle Chance, uns schon bald die tropische Sonne des beruflichen und persönlichen Erfolgs auf den Bauch scheinen zu lassen. Erst dann - noch nicht jetzt - können wir uns berechtigt eine Pause gönnen und uns zufrieden zurücklehnen.

Wir fordern deshalb ein aktives und stärkeres Mitdenken und eine bessere Leitung durch unsere Professoren, gerade im Grundstudium z.B. durch Wiedereinführung von Klausuren und schriftlichen Testaten.

Das Nebenfach BWL muß fachlich und sachlich eine Aufwertung erfahren - wir brauchen dieses Wissen, dringend!

Die Professoren müssen uns fit machen, für das was uns erwartet.

Laßt uns also gemeinsam das Ruder in die Hand nehmen, den Kurs korrigieren und die Kapitäne aus ihrer Routine aufrütteln.

Mit einem soliden GWK-Schiff werden wir es schaffen:
Wir erreichen unsere Ziele auch in stürmischer See.

Vielen Dank.

 
 

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Letztes Update: 2. Januar 2017