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Stalin, Kurzbiografie

Stalin, Jossif Wissaronowitsch (eigentl.Dschugaschwili)

 

 


sowjetischer revolutionärer Staatsmann und Diktator, geb. in Gori (Gouvern. Tiflis) am 21.12.1879. gest in Moskau am 5.3.1953, Georgier, Sohn eines Schuhmachers und Fabrikarbeiters, besuchte 1894-99 das Priesterseminar in Tiflis, von dem er wegen revolutionärer Betätigung ausgeschlossen wurde. Seitdem widmete er sich der klassenkämpferischen Agitation in der kaukasischen Untergrundbewegung unter dem Decknamen »Koba«. 1903 schloß er sich der sozial-demokratischen Parteigruppe der Bolschewiki an und nahm im Dezember 1905 als kaukasischer Delegierter an der Konferenz in Tammerfors teil, wo er erstmals mit den Parteiführern des übrigen Rußlands und mit Lenin zusammentraf. Zwischen 1907 und 1913 mehrfach verhaftet, nach Sibirien verbannt und wieder geflüchtet, wurde er auf dem Prager Parteitag 1912 in Abwesenheit für das Zentralkomitee der neugegründeten Partei gewählt. Im Winter 1912/13 hielt er sich sechs Wochen bei Lenin in Krakau und in Wien auf, wo er seine mit dem neuen Revolutionsnamen »Stalin« (der Stählerne) gezeichnete Schrift "Nationalitätenfrage und Sozialdemokratie" gegen das austromarxistisch-demokrat. Programm entwarf. Aus der letzten Verbannung nach dem sibirischen Turuschansk kehrte St. nach dem Sturz des Zarismus 1917 nach Petrograd zurück. An der Oktoberrevolution nahm er nur organisatorisch teil, gehörte aber seit November 1917 als Mitglied des Politbüros und als Volkskommissar für die Nationalitäten (bis 1923) zur obersten Parteiführung und wirkte an der Verfassung der RSFSR vom Juli 1918 mit. Im Bürgerkrieg trat St. als Volkskommissar der »Arbeiter- und Bauern-Inspektion« (1919-22) sowie durch den Einsatz zur Verteidigung Zarizyns (Stalingrads) und an der Südfront hervor, geriet aber im polnischen Feldzug 1920 durch ein Versagen im Südabschnitt in Konflikt mit dem Kriegskommissar Trotzki.

Seit der Ernennung zum Generalsekretär der Partei (April 1922) begann er eine »Kader-Partei« als Exekutive zur Erhaltung der Macht der Räteregierung und als Instrument des Staatsaufbaus und der Wirtschaftskontrolle zu organisieren. Nach Lenins Tod (1924) gab er dessen Lehre eine den Zeitumständen angepaßte Fassung. Beharrlich und folgerichtig sicherte er sich die unumschränkte Autorität, indem er Trotzki isolierte und 1927 den linken, 1929 den rechten Flügel der Partei ausschaltete. In der Wirtschaftspolitik führte er nach seiner von Lenin hergeleiteten Parole »Sozialismus in einem Lande« die beschleunigte Industrialisierung (Fünfjahresplan) und die Kollektivierung der Landwirtschaft durch. Seit 1930 errichtete St. Zug um Zug eine unbegrenzte Diktatur in Partei und Staat. Seine möglichen Gegner ließ er 1936-38 nach großen Schauprozessen hinrichten. Seit 1941 vereinigte St. u. a. auch die Ämter des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare (seit 1946 Min. Präs.) und des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der UDSSR in seiner Person. Der 2. Weltkrieg machte St. nach vielen Krisen zum siegreichen Führer im "großen vaterländischen Krieg". Nach dem deutschen Zusammenbruch baute St. außenpolitisch die gewonnenen Positionen zielstrebig aus. Auf den Konferenzen in Teheran, Jalta, und Potsdam kam er durch harte und geschickte Verhandlungstaktiken zu großen Erfolgen. Nach St.s Tod wurde im Mai 1953 von der bolschewistischen Partei die Ablehnung des "Personenkultes" und die Rückkehr zu Lenins These von der "kollektiven Führung" proklamiert. Der 20. Parteikongreß (Februar 1956) brachte die öffentliche Absage seiner langjährigen Mitarbeiter Mikojan und Chruschtschow an den Stalinismus, wodurch sie neue Handlungsfreiheit zu gewinnen trachteten. Ihre Enthüllungen übertrafen jede bisherige ausländische Kritik. Auf dem 22. Parteikongreß (Okt. 1961) befahl Chruschtschow die Entstalinisierung.

 

 


Rhetorik
 
Letztes Update: 18. März 2017